Mittwoch, 12. September 2018

11.+12.09.18 Durch Wind und Welle

11.09. Kalmar
Unser Spaziergang durch Kalmar zeigte uns schnell, dass es sich nicht zwingend lohnt, hier noch einen weiteren Tag zu verbringen. Die Stadt ist hübsch, gar keine Frage, aber zu klein, um sich zwei Tage instensiv dafür Zeit zu nehmen. Außerdem mahnen die Wetteraussichten, nicht zu lange zu trödeln. Noch steht für fast jeden Tag Wind aus Südwest auf dem Plan, teilweise in heftigen Windstärken. Da wir genau nach Südwest müssen, stellt uns das vor ein erhebliches Problem.

So erledigten wir alles, was noch so anstand, wie ein paar Dinge einkaufen, Wasser tanken, etwas aufräumen/entmüllen/säubern und auch ein wenig ausruhen.
Der Wind war an diesem Tag und der folgenden Nacht so heftig, dass Ari ordentlich in den Leinen rupfte - trotz aller Einstellversuche.

12.09. Kalmar - Bergkvara


Ja, ich habe Geburtstag. Aber zum Glück bin ich aus dem Alter raus, in welchem das noch großartig gefeiert werden muss - denn dazu war heute wirklich keine Zeit. Der einzige Luxus, den wir uns leisteten, war ein entspanntes Frühstück - sogar mit Blumen auf dem Tisch.

Anschließend das übliche Programm vor dem Ablegen - plus eines besonders gründlichen Rundgang durchs Boot. Das war notwendig, weil wir heute windtechnisch ordentlich eins auf die Mütze bekommen sollten und das immer mit großer Schräglage einher geht. Da fliegt schnell was durch die Gegend, was eigentlich sicher in der Ablage liegen sollte.

Dreiviertel Zehn legten wir ab, verstauten auch an Deck alles gründlich und ab ging es. Als Ziel hatten wir heute drei Häfen: Bergkvara in 20 sm, Kristianopel in 30 sm und Sandhamn in 40 sm. Je nach Wetter und unserer Kondition sollte schon einer davon passen. Wind war mit bis zu 25 Knoten (6 Beaufort, rund 45 km/h) angesagt, die Welle mit 80 cm. Und das alles genau vor die Nase, wie immer aus Südwest ... und nur noch 16° C Tageshöchsttemperatur. So dick waren wir lange nicht mehr angezogen.
In der Nähe der Stadt lief es noch im angenehmen Bereich. Die Böen gingen bis Anfang der 20 Knoten und brachten uns gut vorwärts. Je weiter südlich wir kamen, desto rauer wurden die Bedingungen. Mit ganz klein gerefftem Großsegel und auch teilweise eingerollter Genua (das Vorsegel) stampfte Ari bei Böen bis zu 27 Knoten (6 Beaufort, 50 km/h) in die bis zu 1,20 m hohen Wellen. Wir hatten immense Schräglage, trotz der verkleinerter Segel. Also Augen zu und durch.








Da wir wegen des Südwestwinds unseren eigentlichen Kurs nicht fahren konnten, mussten wir auch noch kreuzen, um nicht letzten Endes auf Öland zu landen. Gut zu sehen auf dem heutigen Track:



Ich will kein Drama draus machen, es war einfach nur sehr anstrengend. Aus diesem Grund entschieden wir uns, den ersten Hafen aus unserer Liste anzulaufen und den Rest am Folgetag mit etwas weniger Wind und Welle zu erledigen.


















Nach gut fünfstündiger Fahrtzeit rauschten wir, immer noch mit kräftigen Böen auf der Nase, in den glücklicherweise leeren Hafen Bergkvaras ein. Der Hafenmeister (oder so eine ähnliche Funktion) kam sofort zum Steg und half beim Festmachen. Nebenbei noch ein paar Scherze auf Englisch "I think, you had enough wind for today? / Ich denke, ihr hattet heute genug Wind? ... Scherzkeks.
Nach einem wohlverdienten Geburtstags-Anleger-Bier trotteten wir durch den kleinen hübschen Hafen und gingen das Hafengeld bezahlen. Neben der Rezeption für Hafen und Campingplatz diente das Häuschen auch als Mini-Supermarkt. Hui, eine Eistruhe. Oh, fast leer - naja, die Saison ist halt vorbei. Wir fanden trotzdem noch für jeden von uns etwas passendes und schlurften wieder zum Boot.

Die Wolken waren heute genauso eindrucksvoll wie Wind und Welle





Was soll ich sagen - viel mehr passierte heute nicht mehr. Ich kümmerte mich am Handy um die vielen Geburtstagsgrüße, während Harry, der den Großteil der Strecke heute am Ruder stand, Siesta hielt. Jetzt, nach dem Abendessen, werden wir bestimmt auch nicht mehr alt. Morgen müssen wir wegen des angesagten Windes früh raus, um ein wenig Wind aus West abzubekommen, bevor er wieder auf Südwest dreht. Ein Prozedere, was uns wohl die kommenden Tage begleiten wird.
Wenn ich mir die Vorhersage ansehe, bin ich mir nicht mehr sicher, ob wir es schaffen, bis nächsten Mittwoch im Heimathafen einzulaufen. Das wird echt noch spannend ...

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