Montag, 3. September 2018

01.-03.09.18 Stockholm (sehr lang!)

Ich fasse die drei Tage in Stockholm mal zusammen. Die Zeit hier war zu schön, um etwas Zeit für den Blog abzuknapsen - sorry :-)

01.09.18 Hästelholmssundet (vor Anker) - Stockholm
Lange hatten wir wir hin und her überlegt. Erst den Schärengarten, dann die Stadt? Oder erst die Stadt "abhaken" und dann in die Schären? Beides hatte seine Vor- und Nachteile.
Durch die Treffen mit unseren Freunden erledigte sich das von selbst. Man traf sich "draußen", in den Schären, weil beide Boote Stockholm schon kannten. Jetzt waren wir also dran.
Der Regen hatte sich über Nacht ausgetobt. Am Morgen kämpfte sich die Sonne durch die dicken Dunstwolken und versuchte, das klitschnasse Boot trocken zu bekommen.

Unser Ankerplatz Hästelholmssundet
Gegen halb elf gingen wir Anker auf und tuckerten unter Motor Richtung Stadt. Unterwegs änderte ich nochmals die geplante Route. Sie sollte nicht komplett die große Haupteinfahrt entlanggehen. Dort rauschen aufgrund der Breite die großen Pötte rein und das ist nicht immer nur imposant, sondern kann auch anstrengend werden. Neben diesen erwarteten wir am Ende der Saison nochmals viele Stockholmer, die das schöne Wetter für eine letzte Ausfahrt mit dem Boot nutzen. Ja, hier endet der Sommer sehr früh, am 31. August ist hier offizielles Ende der Sommersaison.

Da kommen sie, die Stockholmer Wochenendler



Auf unserem Weg kamen wir unter anderem an Vaxholm vorbei, der Knotenpunkt vieler Fährlinien von "draußen" in die Stadt. Schon von weitem kündigte die Festung Vaxholm den Ort an ...


... und dann kamen wir am Hafen von Vaxholm vorbei. Was für ein Verkehr. Es ist Samstag - nicht nur die Fähren rasten kreuz und quer vorbei, sondern auch Boote aller Größe und Art düsten das Fahrwasser entlang:







Die Einfahrt in das Stadtgebiet war nicht minder beeindruckend. Neben dem Trubel auf dem Wasser - Mini-Motorboot bis großes Kreuzfahrtschiff - nahm uns die Schönheit der Häuser in der Stadt schier den Atem. Stockholm ist schön! Kurz vor dem Erreichen unseres Zielhafens drehten wir eine Runde, um uns Stadtteile wie Katarina-Sofia (💓) oder Gamlan Stan vom Wasser aus anzusehen.





Von alt und neu verfolgt









Dann ging es zum Hafen - Stockholm Vasahamnen (Wasahafen), direkt neben dem Vasa-Museum. Nein, nicht dem Knäckebrot, sondern dem großen Kriegsschiff mit der kuriosen Geschichte ist dieses Museum gewidmet.
Der Hafen wirkte viel kleiner als er auf der Seekarte aussah. Und eng! Harry fuhr vor dem Hafen noch eine Zusatzrunde, weil wir schon von draußen sahen, das bereits zwei Motorboote auf Liegeplatzsuche waren. Wir hatten zum Glück gegen einen Aufpreis einen reservierten Platz und deshalb keine Eile. Dachten wir.
Als wir am reservierten Platz mit der Nummer 8 ankamen, war dieser besetzt. Nur Nummer 7 war noch frei, aber wegen zwei ziemlich großen Motorboten links und rechts sehr schmal. Egal, was nicht passt, wird passend gemacht. Boote schwimmen und können sanft zur Seite gestupst werden. Vom Kai winkte schon ein Mann mit Liste in der Hand - ah, der Hafenmeister. Ja, nehmt mal die sieben. Da hat wohl einer gepennt .... ! Harry fuhr ganz sachte rein, ich schob hier und da Fender dazwischen, half mit dem Bootshaken nach, Leinen rüber zum Holzkai - ha, fest! Welcome in Stockholm!

Das große Gebäude im Hintergrund ist das Vasa-Museum


Da durch die Reservierung (übers Internet) schon alles vorab bezahlt war, holten wir uns beim Hafenmeister nur noch ein paar Hafeninfos, setzten uns danach ins Cockpit und genossen ein geteiltes Anlegerbier. Prost Stockholm, endlich haben wir dich geschafft!
Danach gingen wir in den einen knappen Kilometer entfernten Supermarkt und holten uns ein paar frische Lebensmittel. Nach der Rückkehr testeten wir das Servicegebäude des Hafens beim Duschen (dem hohen Preis angemessene Qualität) und ich startete einen kleinen Wäschemarathon. Da die (drei) Waschmaschinen bzw. deren Nutzung im Preis enthalten sind, kaperte ich mir gleich zwei davon und anschließend den riesengroßen Trockner. Am Abend brutzelten wir uns "Burger deluxe" mit viiieeel Fleisch und Bacon und allem, was dazu gehört. Lecker...



Harry stiefelte abends nochmal los, um von der Hafenumgebung ein paar Abend-/Nachtfotos zu machen.




Irgendwann polterte er wieder aufs Deck - im wahrsten Sinne des Wortes. Er war ziemlich verletzt. Im Dunkel der anbrechenden Nacht war er an einem Kai in ein Loch getreten und hatte sich dabei am Bein geprellt und den Handballen aufgeschnitten. Ich kümmerte mich um die medizinische Versorgung und steckte den armen Kerl anschließend ins Bett. Aus der morgigen Stadtbesichtigung wird wohl nichts werden ...


02.09.18 Das alte Stockholm
Strahlender Sonnenschein weckte mich. Die Behandlung des Gestürzten (Schmerzmittel, Desinfektion, Kühlung) zeigte Erfolge. Harry humpelte zwar, war aber "gehfähig". So ging es nach einem guten Frühstück auf, Stockholm vom Nahen zu betrachten.



Erste Station - da keine 300 m entfernt - das Vasamuseum. Hier steht die restaurierte Vasa, ein riesiges Kriegsschiff (Schiffstyp Galeone), das 1628 nach nur 20 minütiger Jungfernfahrt in den Wasser der Stadt versank. Hier klicken, dann kann man mehr dazu erfahren.
Als wir zum Haupteingang kamen, erblickten wir eine riesig lange Schlange Wartender. Aber vom Vorbeilaufen am Vortag wussten wir, dass man trotzdem nicht lange wird warten müssen. Keine 15 Minuten und wir standen vor dem beeindruckenden Schiff. Gut, zu schlecht zum Schwimmen, aber  auch nach Jahrhunderten noch imposant. Die Ausstellung rund um das Schiff war aufwendig und liebevoll gestaltet. Man erfuhr nicht nur alles über den Bau, die kurze Jungfernfahrt und das Versinken, sondern auch über das Auffinden 1956, die Bergung 1961 und die Restauration. Auch das Leben in Stockholm zur Zeit 1628 wurde sehr schön dargestellt.

Das Modell in Originalfarbe ... 
... und das Original, verblasst nach langer Zeit im Wasser


Nach gut zwei Stunden erblickten wir wieder das Tageslicht und liefen am Wasser entlang nach Gamlan Stan, der Altstadt, dem geschichtlichen Kern Stockholms. Wir wandelten durch kleine enge Gassen, gönnten uns Kaffee und Kuchen in beschaulicher Gegend, fanden den gut versteckten Aussichtspunkt "Katarinen Gångbro" auf der Nachbarinsel Södermalm und gingen dann über eine andere Ecke der Altstadt bis zum königlichen Palast. Hier setzten wir uns auf einer Treppe am Wasser in die Sonne und teilten uns eine unterwegs gekaufte kalte Dose "Mariestad" - gutes schwedisches Bier. Zurück ging es wieder am Wasser entlang bis zum Hafen.
Am Ende standen 14 km Fußmarsch auf unserem Tacho und dementsprechend kaputt kamen wir am Boot an. Nach kurzer Siesta gab es einen riesengroßen Topf voll Spaghetti mit Butter und viel Parmesan, dazu Rotwein. Stockholm muss gefeiert werden.
Wir waren müde, aber auch sehr glücklich. Stockholm ist so schön! So viele schöne Häuser, wunderschöne Parks, nette Menschen, Lebensfreude.
Abends schauten wir noch unsere hunderte Fotos durch und sortierten dabei kräftig aus.
Eine "kleine" Auswahl:

Guten Morgen Stockholm!

An einem Kai mit Schiffen, auf denen teilweise sehr kreativ gewohnt wird

Fähren, Fähren, Fähren ... sie fahren auch weit in den Schärengarten hinaus


In den Gassen von Gamlan Stan









Kaputt vom langen Tag, aber sehr selig

Das Vasamuseum von außen

03.09.18 Stockholm, zweiter Tag
Der gestrige Tag steckte uns noch in den Knochen. Gut, das wir uns heute für eine Stadtrundfahrt per Boot entschieden hatten. Am Frühstückstisch erledigte ich per Internet die Buchung und Bezahlung, so dass wir nur noch zum knapp einen Kilometer entfernten Anleger laufen mussten. Ab Mittag ließen wir uns mehr als zwei Stunden "Die Brücken Stockholms" zeigen. Das wir dabei auch einen Teil des morgigen Weges durch diverse Klappbrücken und eine Schleuse fuhren, kam uns sehr entgegen. Jetzt sind wir entspannt, was diesen Weg angeht. Danach trollten wir uns noch ein wenig durch den eher nördlichen Teil der Stadt. Natürlich unbedingt in die "Salushallen", eine Markthalle mit vielen Ständen mit vielen leckeren Sachen. Wir gönnten uns dort die sehr edlen Varianten von "Brot mit Roastbeef" und "Brot mit  Lachs",  ehe wir am späten Nachmittag - fast ohne ein neues Foto - wieder am Boot ankamen.
Hier standen noch ein paar Vorbereitungsarbeiten für die morgige Abfahrt an. Boot aufräumen und entmüllen, Wassertanks auffüllen, Duschen gehen, und, und, und.
Harry geht gleich ein letztes Mal auf Foto-Tour - auch die Abendstimmung hier und bei diesem Wetter ist fantastisch.



Morgen (Dienstag, 04.08.) werden wir Stockholm am Morgen über das südliche und westliche Stadtgebiet verlassen, über den Mälarensee in den Kanal gen Süden nach Södeertälje fahren und so endgültig die Rückfahrt antreten.
Ein Abschied, der weh tut. Wie schreib mir ein guter Freund mit Schmunzeln "... ja, es gibt auch schöne Großstädte ..." - Mistkerl 😋 aber Recht hat er. Ich bin zwar eine echte Berliner Pflanze, aber Stockholm ist im Kern wirklich schön, um Einiges schöner als Berlin. Mein Herz hängt spätestens seit meiner Zeit in Hamburg sehr am Norden.
Aber auch in Schweden gibt es aufgrund der Probleme mit den vielen Asylbewerbern einen Rechtsruck, kurz vor den Wahlen am 09. September. Ich wünsche mir, Schweden bekommt das besser hin als wir.

Noch haben wir gut zwei Wochen Zeit. Da uns das Wetter anscheinend gewogen ist, dreht der Wind pünktlich von ständig Südwest auf nördliche Richtungen. Schauen wir mal, wie lange uns dieses Glück erhalten bleibt.

3 Kommentare:

  1. Danke dir für den wieder wunderschönen Bericht. Stockholm steht jetzt auf meiner "Mußichauchmalhin"Liste. Dir, Harry, gute Besserung. LG und eine gute Rückfahrt

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