Geschüttelt und davon sehr gerührt - so wachen wir heute morgen auf, nachdem uns der Handywecker um sieben Uhr angebrüllt hat. Die Bucht an sich war ja passend, aber wir hatten in der gestrigen Eile nicht bedacht, was hier an Schwell reinkommt. So wurden wir im Schlaf ordentlich durchgeschaukelt, was einer guten Erholung etwas im Weg stand.
Der Tag begann grau in grau - man merkt, dass der Herbst bald Einzug hält. Dichte Hochnebel stehen über Land und See. Wir gönnen uns noch ein mageres Frühstück, gehen an Heck und Bug Ankerauf und düsen bei bestem Segelwind aus der Bucht. Hui, da pfeifen Böen bis 23 Knoten (rund 40 km/h) durch die Schären und schieben den dicken Hintern von Ari mit über 6 Knoten Geschwindigkeit das Fahrwasser entlang. Leider bleibt uns dieser Spaß nicht lange erhalten. Nach drei Stunden fahren wir schon wieder unter Motor. Der Wind hätte zwar noch "gerade so"gereicht, aber die Welle vom Starkwind der Nacht steht noch und passt nicht so recht zu diesem lauen Lüftchen von 12 Knoten. Und das, wo heute wieder eine lange Strecke mit gut 50 Seemeilen vor uns liegt.
Klar, wir könnten auch kürzere Tagestrips machen, aber das lässt das Wetter und unser Terminkalender nicht zu. Am 19.09. (Mittwoch) müssen wir wegen wichtiger Termine am Ende der Woche spätestens in Neuhof sein. Und momentan kommt der Wind wieder genau da her, wo wir hin wollen - das Schicksal eines Seglers. Ich beginne, mir Sorgen zu machen ...
Heute, in Figeholm angelegt, haben wir die Pole-Position für die nächsten Tage - hoffen wir.
Der Hafen hatte uns schon bei unserem ersten Stopp hier vor drei Wochen gut gefallen. Im Gegensatz zu "damals" haben wir diesmal eitel Sonnenschein, als wir Ari im Gästehafen an der Heckboje festmachen. Der Hafenmeister begrüßt uns (das einzige Gästeboot) persönlich am Steg, mit Handschlag und einem freundlichen "You're welcome". Beim Bezahlen des Liegeplatzes bekomme ich einen kleinen Stapel Unterlagen in die Hand gedrückt. Neben der Quittung und dem Markierungsbändchen für das Boot noch ein Informationsblatt zum Hafen und zum Ort (nett!) sowie einen .... Notfallplan. Bitte was?! Er grinst und wiederholt auf deutsch "ihr Notfallplan".
Tatsächlich ist da drinnen alles aufgeführt, was wir in verschiedenen Gefahrenfällen machen sollen oder auch besser nicht. Na holla - das hatten wir ja auch noch nicht.
Hier noch ein paar Fotos von heute:
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| Endlich mal ein Adler, der stillsitzt ... |
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| Mikado für Fortgeschrittene: der Weg durch die Untiefen. Ein Tipp: grün ist rechts |
Der Törn des heutigen Tages - leider nur zum Teil. Ich hatte vergessen, am Tablet rechtzeitig die Aufzeichung zu starten. Losgefahren sind wir beim Ankerzeichen im Bild ganz oben.
08.09. Figeholm - Borgholm (auf Öland)
Noch ein vorerst letztes Mal früh aufstehen. Der Wind ist uns für unsere Strecke nur mäßig gelegen. Am Anfang günstig aus Südwest kommend, dreht er leider ab Mittag nach und nach auf Süd - ja, da wollen wir hin. Also wieder gegen sieben Uhr raus aus den schön warmen Federn, kurzes Frühstück und in den Restminuten des nächtlichen Regenfalls das Boot zum Ablegen vorbereitet. Als der Regen aufhörte, legten wir ab und fuhren durch den Weg durch die Schären raus Richtung Kalmarsund. Kaum waren wir auf dem freien Wasser, stießen wir doch tatsächlich auf segelbaren Wind. Schnell die Segel hoch, das Seglergrinsen aufgesetzt und dabei die ersten Sonnenstrahlen genossen. Die Wolken lösten sich rasch auf, der Wind trieb Ari ordentlich voran - wir hatten Spaß.
Aufgrund des angesagten Winddrehers konnten wir nicht so einfach aufs Ziel drauflos, sondern mussten es uns mit zwei Kreuzschlägen erarbeiten. Segeln "auf der Kreuz" ist nicht mein Ding. Ständig fährt man gefühlt am Ziel vorbei, kommt nur langsam näher, fährt wieder dran vorbei ... nichts für ungeduldige Menschen wie mich!
Borgholm auf Öland, wir kommen. Nach gut sieben Stunden und mit 41 Seemeilen im Kielwasser fuhren wir kurz vor halb fünf in den schönen, großen und sehr leeren Hafen von Borgholm ein. Trotz kräftigen Seitenwindes legten wir sauber an und verschnauften erstmal bei einem Anlegerbier. Der Tag war sportlich! Bei Wind von 4 bis 6 Beaufort hatten wir, hoch am Wind (er kam so knapp es ging von vorn), dauerhaft ordentlich Schräglage. Das spürten wir am ganzen Körper, denn selbst das Sitzen im Cockpit war heute anstrengend - vom Steuern ganz zu schweigen.
Wir erlaubten uns, den Rest des Tages mit Kochen, Essen und Nichtstun zu vernieseln. Da morgen kräftiger Südwind den Sund hochzieht, kommen wir nicht weiter. Also bleiben wir hier und und schauen uns ein wenig im Ort um. Schon von weitem grüßte eine große Burgruine. Die muss natürlich erkundet werden.
Die Fotos des Tages:
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| Der Hafen Borgholm und die Burgruine vom Wasser aus. |
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| Zick-zack den Sund hinab ... |














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