Mittwoch, 3. Juni 2015

03.06.2015 Unentschieden

6.30 Uhr schrie uns der Wecker an. Draußen tobte der Wind durch den Hafen.
Ich torkelte schlaftrunken zum Navitisch und schaute nach dem aktuellen Wetter. Dieselbe brausende Suppe wie schon gestern angesagt. Der Wind aus Südwest, wahlweise in 5 Bft mit Böen in 7 Bft, über Mittag dann 6 Bft mit Böen bis 8 Bft, beim Einlaufen in Ystad wieder 6 Bft mit 7er Böen.
Das Boot liegt mit Krängung in der Box und arbeitet heftig in den Leinen.

Nö! Ich hab Urlaub und bin nicht auf der Regatta meines Lebens. Zurück ins Bett und Harry geschüttelt. Lage erklärt. Er war zwar weiterhin nicht abgeneigt, mit dem Boot auszulaufen, wirkte aber auch etwas unentschlossen. Punkt für mich - wir bleiben noch einen Tag hier.
Damit gehen wir zwar die Gefahr ein, am Donnerstag wieder auf eher lauen Wind zu treffen, aber darüber mache ich mir später einen Kopf. Jetzt die Decke wieder über denselbigen und weitergeschlafen.
Nach einem späten Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Hafenmeister (im Fischereihafen von Klintholm), um den Liegeplatz für heute zu bezahlen. Noch vom eigenen Steg aus sehen wir das erste Segelboot, dass den Hafen verlassen hat. von fast allen Booten in unserer Nachbarschaft beobachtet. Jeder sieht, wie sich das Boot hart durch die hohen Wellen kämpft, sich stampfend vorwärtsbewegt. So manche Crew schaut sich kurz an - "nee, wir nich" und steckt den Kopf wieder unter Deck.

Im Hintergrund der erste Versuch von drei weiteren.
Wir gehen rüber zum anderen Hafenteil und bezahlen artig am Automaten das Liegegeld für eine weitere Nacht. Direkt am Liegeplatz der Tankstelle liegt immer noch dasselbe Boot, dass uns schon einen Tag vorher aufgefallen war. Wie unhöflich, wie soll man denn da an die Zapfsäule kommen? Wir kommen mit ihnen ins Gespräch; Motorschaden - sie haben sich am Sonntag nur unter Segel in den Hafen gekämpft und den ersten Liegeplatz genommen, der sich anbot. Der Mechaniker konnte nichts reparieren, ist wohl eine größere Sache. Nun warten sie auf Schlepphilfe, damit sie wieder aus dem Hafen kommen. Zu Hause in Travemünde wartet schon die heimatliche Werft, um sie in den Heimathafen zu schleppen und den Schaden zu beheben. Kaum erzählt, kommt auch schon ein Mitarbeiter der dänischen Seenotrettung mit den erforderlichen Papieren und ... der Rechnung. Vorkasse - klar!

Kurz darauf sehen wir schon, wie sie gemeinsam den Hafen verlassen. Nach ein paar hundert Metern wird die Schleppleine gelöst und sie setzen die Segel. Gute Reise!


Wir bleiben für ein paar "Außenaufnahmen" im Fischereihafen. Den kennen wir gut ... hier haben wir erst letzten Oktober mit Kenneth und Ira in ihrer Dehler41 vier Tage gelegen und "abgewettert".
Der Wind fegt direkt ins Hafenbecken ...


... vor der Hafenmole toben Wind und Welle ...


... und trotzdem schauen wir genauso miesepetrig wie diese Hafenbande ...


... und fragen uns: hätten wir doch ablegen sollen? Welche Entscheidung wäre die richtige gewesen? Nun war es schon fast zu spät - 12 Uhr - um die 60 sm anzugehen UND im Hellen anzukommen.
Als wir zurückkommen, legen wir uns ins Bett, die angesäuerte Laune wegschlafen. Mich hält es nicht lange und gehe vor, ein wenig lesen. Plötzlich rummst es am Bootkörper - das war mehr als eine fette Böe! Draußen sehe ich, dass es sich um den versuchten Anleger eines großen Segelbootes handelte. Die Crew rennt - doch ziemlich koordiniert - übers Deck und macht das Boot für den nächsten Versuch klar. Ich gehe zum Bug unseres Bootes, kann dort aber keinen Schaden feststellen. Das große Boot kommt zurück und nimmt den nächsten Anlauf. Es ist schwierig, der Wind drückt schräg von hinten drauf und schiebt dadurch das Boot schräg in die Box. Aber die Crew hats im Griff, ich stehe bereit und nehme ihnen die Leinen ab, um sie am Steg zu belegen. Moin!

Später kommt der Skipper vorbei und entschuldigt sich auf englisch bei mir. Tut ihm leid, die Gangschaltung macht Probleme. Auf Englisch? Die hatten doch ´ne deutsche Flagge? Ah :-) aber wir nicht. Die steht noch drinnen und am Bootskörper steht neben dem (noch)Namen Nifty-Fifty der Heimathafen Andijk (Niederlande). Noch während wir dem nächsten Boot mit erheblich mehr Schwierigkeiten beim Anlegen helfen, klären wir erstmal die Nationalitätenfrage. Aha, eine ganze Truppe aus Tübingen, insgesamt 5 Boote. Ja, Berlin kennt er auch irgendwie ...

Letzten Endes sitzen wir bei ihnen im Cockpit, trinken mit weiteren Crews, die später anlegten ein (zwei, drei) Anleger (Bier vomFaß, ostfriesischen Kräuterschnaps und Obstler von den Niederbayern) und tauschen lustige Segelgeschichten aus. Die einen gehen duschen, die nächsten  (den wir im weiteren Verlauf mit vereinten und mittlerweile geübten Kräften beim Anlegen halfen) kamen dazu - das Cockpit wurde lange Zeit nicht leerer. Alle, die heute reinkamen, erzählten von heftigen Böen mit 30-40 Knoten (Windstärke 7 bis 8), hohen Wellen und sahen mehr oder weniger geschafft aus.
OK, wir haben alles richtig gemacht!
Irgendwann löst sich die Gesellschaft auf. Wir machen uns etwas zu essen, schreiben, lesen und planen den morgigen Tag. Vor mir die elektronische Seekarte auf dem Tab. Ich liebe meine neue Navigationsecke.


Da sich der Wind bis in den frühen Nachmittag hält (halten soll!), gehen wir früh aus dem Hafen, um so viel wie möglich von den erträglichen Resten des Sturmtiefs mitzunehmen. Der Tag beginnt dann gegen 3 Uhr mit aufstehen, 4 Uhr ablegen und die letzten 5 Bft für ungefähr noch 2 Stunden mitzunehmen. Danach hält er sich hoffentlich noch lange bei 4 Bft, bis wir nach 60 sm in Ystad angekommen sind. Dass sollte so gegen 15 Uhr sein.
So der Plan ;-) Was diesmal draus wird? Schaun wa mal ...


1 Kommentar:

  1. gute Entscheidung! Hier toben 40kn im Hafen :( Aber langsam "flautet" ab. Wir spekulieren auch auf morgen Ablegen. Aber erst gegen 9, evntl 10. Ich bin beeindruckt das ihr so früh los wollt, ihr Frühaufsteher ;) Schlaft gut! Gute Nacht!

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