Mittwoch, 27. Mai 2015

26./27.05.2015 Müde Überflieger

3:30 Uhr ist es aber noch ordentlich dunkel. Das hilft nicht besonders beim Wachwerden. 
Aber das müssen wir jetzt, der lange Törn steht an und alles richtet sich hier nach den Gezeiten. 

Vor dem Ablegen gab es noch einen Kaffe; ganz in Ruhe. Und, ja Ira, der obligatorische Keks lag daneben :-)
Der riesige Hafen lag in völliger Ruhe, als wir kurz vor 5 Uhr ablegten. 
Guten Morgen und auf Wiedersehen, Makkum am Ijsselmeer:


Zur Schleuse hatten wir es nicht weit, ganze 2 sm waren zu fahren. Huh, wie aufregend, unser erstes Mal Schleusen. Das muß man uns angesehen haben. Kaum fuhren wir in den Vorhafen, schaltete die Ampel direkt auf rot/grün und die Schleusenkammer öffnete sich. Nur für uns! Husch rein und das Boot an den kleinen Pollern, welche in der Schleusenwand waren, auf Slip gelegt (heißt: die Leine wird nicht am Poller festgemacht, sondern zum Boot zurückgeführt). Hinter uns schloss sich die Schleusenkammer. Ruhe. Nach kurzer Wartezeit, in der wir uns schon fragten, ob wir noch `nen Fahrstuhlknopf drücken müssen, ging die Fuhre aufwärts. Schleuse auf der anderen Seite auf und ab Richtung Drehbrücke. 

Oben stand der Verkehr - für ein Boot, na gut. Auch da schnell durch , Brücke wieder zurück, Verkehr wieder los und wir ....




... waren auf der Nordsee.

Also gut, in der Wattenzee - Wattenmeer in den Niederlanden. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Immerhin waren wir nur ein paar Stunden vor dem Niedrigwasser. Dafür war aber noch viel Wasser da. 



Guten Morgen Nummer 9

Die Fähre Vlieland - Harlingen
Fischer schon bei der Arbeit. Mit ihnen möchte ich nicht tauschen. Immer Nordsee, immer früh aufstehen ...

Nach gut 4 Stunden hatten wir die Fahrwasser im Wattenbereich hinter uns und kamen auf das freie Wasser. Ab hier ging unser Schichtsystem los. Jeder hatte zwei Stunden Steuerdienst und dann zwei Stunden Freiwache. In dieser Zeit haben wir meistens geschlafen, um uns auf die lange Nacht vorzubereiten oder um etwas zu Essen für uns beide zu machen. Aus schlechter Erfahrung beschränkten wir uns auf Brote mit Käse und Salami oder Kekse. Da wir beide keinen wirklich seefesten Magen haben, wollten wir den Reisetabletten, welche wir regelmäßig einnahmen, eine reale Chance geben.
Ich fühlte mich als Navigator ab Borkum nicht ganz so wohl, weil wir aus Zeigründen keine Papier-Seekarten für den Bereich ostfriesische Inseln bis Deutsche Bucht an Bord hatten. Somit waren die elektronische Seekarte auf dem Tab und die auf dem (schon etwas älteren) Plotter mit sehr kleinem Display die einzige Orientierungshilfe. Nicht gut genug, um in der Nacht blinkende und blitzende Bojen und Leuchtfeuer eindeutig identifizieren zu können.

Zusammengefasst: der Törn verlief ruhig, wie geplant und ohne Zwischenfall. Das steuern dieses Bootes ist wesentlich komfortabler als mit Aussenborder und Pinne. So schöne Luxusobjekte wie ein Autopilot, der mal für ein paar Minuten übernimmt, während man sich etwas zu essen oder trinken holt (fotografiert oder nochmals in die Seekarte schaut) , machen das Steuern wesentlich leichter im Vergleich zur Mariner. Wenn das Steuern zu eintönig wird, fängt man an, die dicken Pötte am Horizont zu zählen oder ... zu singen. Das draußen hört dich niemand und man selbst wird wieder wach. Also: " Sweeeeet Caroline - oh, oh, oooh. Good times never seem so good. Ohoho ...  ".  Zum Glück hat Harry einen festen Schlaf.
Aber zu zweit ist uns die Nacht dann doch zu kurz. Wir  kommen nicht lange mit diesem Wach-/Schlafrythmus klar und gegen frühen Morgen wird es für uns zum Kampf, wach und fit zu bleiben. 
Aber: alles ist überstanden, wir sind heil in Cuxhafen angekommen. Der Törn (172,6 sm in 
28h 41min  mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 Knoten) in Fotos:


Wellenhöhe von anfänglich 1,20 m bis später 2 m. Wie sagte Alex mit einem Grinsen in der Stimme am Telefon?!: das BOOT kann das. Doch, wir konnten das auch.

Auf in die Nacht:



Am nächsten Morgen vor Cuxhaven: zig Frachter auf Reede und wir mussten da mittendurch. Mit einlaufendem Wasser - und somit mit uns, fuhren sie dann nach Cuxhaven rein. Die schlechte Bildqualität ist der frühen Morgenstunde und dem angeschlagenen Zustand der Fotografin geschuldet. Und dann noch diese Wellen ... 


Morgens im Fahrwasser nach Cuxhaven. Das Boot glänzt frisch gewaschen in der 
Morgensonne. Wir bedanken uns bei dem Containerschiff, dass mit weniger als 100 m Abstand an uns vorbeirauschte und mit Bug- und Heckwelle eine wahre Waschmaschine für Boot und Steuerfrau veranstaltete. Das Boot flog zwischen der "normalen" Welle von links und den Wellen des Frachters von rechts hin und her und brachen sich über dem Deck unseres Bootes - dieser Blödmann; da war noch Platz ohne Ende für mehr Abstand!



Da kommen sie ... 




Unsere Bleibe bis morgen Mittag: der Amerikahafen in Cuxhaven. Ein ehemaliger Rollon-Rolloff-Hafen, liebevoll von einem kleinen Segelverein für ihre Zwecke umgebaut.



Unsere Schönheit in rauer Hafenumgebung. Oben am zweiten Steg von hinten, längseits liegend.



Unser Törn in der Trackaufzeichnung. Die gelbe Linie ist der tatsächlich gefahrene Kurs, die blaue meine Törnplanung vorab.
  

Heute haben wir Halbzeit, was die Gesamtfahrstrecke bis in den Heimathafen Neuhof angeht. Höchstwahrscheinlich morgen Abend gehen wir in den Nord-Ostsee-Kanal, übernachten im ersten Hafen hinter Schleuse Brunsbüttel und fahren übermorgen die 52 sm Kanal ab. Dann sind wir, in Kiel ankommend, wassertechnisch (Ostsee!!!!) wieder zu Hause. 

Und beginnen unseren richtigen Urlaub 

1 Kommentar:

  1. hey gratulation !
    das hat ja gut geklappt.

    Ruht Euch jetzt erstmal aus..... 😎
    lg k.

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