Mittwoch, 23. August 2017

21./22.08.17 Seefest

Seefest ist ein zweideutiges Wort.
Als Substantiv steht es für enorm viel Spaß auf dem Wasser. Den hatten wir an allen vier Tagen, passt also bestens.
Aber als Adjektiv steht es für einen stabilen Magen - und den konnte ich nicht so richtig bieten. Aber ich greife schon wieder vor. Am Anfang des dritten Urlaubstages angefangen:

21.08.217 Ystad (Schweden)


Ystad liegt regenschwer im Morgenlicht. Es hat bis in die Nacht immer mal wieder geregnet. An Deck perlen große Wassertropfen in der matten Sonne. Vom Strand hinterm Anleger hört man die Wellen rauschen - was für ein Morgen!
Das Wetter ist so beständig wie schon das ganze Jahr nicht. Wir haben wieder 4-5 Bft Wind in der Wettervorhersage, nur diesmal aus Nordwest (an beiden Vortagen kam er aus Südwest). Das heißt für uns wieder halber bis raumer Wind (von der Seite bzw. von schräg hinten), da wir fast genau 180 ° nach Süden wollen. Die Welle ist nochmal ein wenig höher angegeben als am Vortag und sollte mit durchschnittlich(!) 1,50 m für genug "action" sorgen.

Wir verlassen den Yachthafen von Ystad gegen halb zehn. In der Einbuchtung des südschwedischen Festlandes dümpelt der Wind mit schlappen 3 Bft und kommt eher aus Richtung West, was ihn für einen Segelwind eher von schräg vorn macht (um dies zu erklären, müsste ich ziemlich in die Segelphysik abdriften, das wird leider etwas zu lang und ist mit Worten allen schlecht zu beschreiben).


Parallel zu uns verlässt ein schöner Traditionssegler den großen Hafen in Ystad. Schon kurz danach folgt eine moderne Fähre - die beiden nebeneinander ergeben einen schöner Kontrast:


Beim genauer Hinsehen erkennt man auf dem großen Segler, wie die Mannschaft in den Rahen arbeitet, um die Segel zu setzen. Was lobe ich mir unsere Rollsegelanlagen, die man beide direkt aus dem Cockpit heraus mit Leinen bedienen kann. Da oben möchte ich nicht bei jedem Wetter stehen müssen:


Nach und nach kommt Wind auf und setzt sich erstmal für eine ganze Weile bei 4 Bft fest. Die Welle ist mit ca. 0,75 m akzeptabel und wir rauschen gen Rügen. Nach dem ersten Wachwechsel sitze ich im Cockpit rum und merke, dass das irgendwie nicht mein Tag ist. Die erst leichte Schräglage geht mir auf den Keks, ich habe eigentlich gar keine Lust auf die mindestens siebenstündige Tour, das Wetter soll ja auch noch rauer werden und überhaupt ... Seekrankheit zeigt sich bei jedem Menschen anders. Bei mir genau so! Dazu kommt wohl oder übel auch ein rebellierender Magen. Die leichte Übelkeit kann ich noch lange unterdrücken, das geht leicht mit etwas Ablenkung und einer sofort eingenommenen Reisetablette. Als jedoch Hände und Füße ganz eicht anfangen zu kribbeln, steht alles auf Alarm. Das ist bei Harry und mir gleich: gesellen sich Kreislaufprobleme zur Übelkeit, dann geht es meist ganz schnell. Ich springe regelrecht auf und sage zu Harry nur "ich muss ans Steuer". Er übergibt es mir sofort, ohne weitere Frage. Noch ein paar Fakten (aktueller Kurs und eventuell kreuzender Schiffsverkehr, der beachtet werden sollte) und schon lässt er mich in Ruhe. Wir kennen das beide. Es ist eigentlich beeindruckend, wie sehr man sich mit Konzentration auf etwas anderes als sich selbst ablenken kann. Seekrankheit ist viel Kopfsache. Nach ungefähr 20 Minuten am Steuer kann ich schon wieder grinsen - ist mal wieder gut gegangen. Ich nehme die zweite Reistablette etwas früher als empfohlen und bin für dieses Mal verschont geblieben.
So können wir die zweite Hälfte der rund 50 Seemeilen Strecke bei stärker werdendem Wind mit satten 5 Bft und Wellen bis zu 2 m richtig genießen. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein - ein weiterer perfekter Segeltag.




Harry kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Es macht einfach nur Spaß. Zwar wird es knapp 15 Seemeilen vor Rügen schon richtig rau, aber Ari läuft, lässt sich gut steuern, denn die Segel sind leicht gerefft (also die Segelfläche wurde durch einrollen der Segel verkleinert).

Allerdings zeigt sich die Welle ziemlich keck. Mittlerweile direkt von der Seite kommend schaut sie locker über den gut einen Meter hohen Rand des Bootes. Fast so, als wollte sie nachsehen, ob sich ein Übersteigen der Bordwand und ein Besuch im Cockpit lohnt. Zwei, drei von ihnen zogen das auch gnadenlos durch und landeten ihre Gischt mit großem Platsch - auf uns. Wir nahmen das mit breitem Grinsen hin und sahen zu, dass das nicht allzu oft passiert. Wenn man diese Wellen anrollen sieht, kann man ihnen mit ein wenig Geschick am Steuer auch aus dem Weg gehen.

Hier ein kleines Beispiel, welches es nicht ganz ins Cockpit geschafft hat.
Wieder vor dem Hafen Lohme angekommen, holten wir die restlichen Segel ein. Mehr schlecht als recht, der starke Wind und die selbst so nah am Land recht hohe Welle machten es uns nicht gerade leicht. Im Hafen mussten wir dann feststellen, dass der Wind fast ungebremst durch das Hafengelände düste. Beim Einfahren in die Box kam er dann direkt auf die Seite - na, das kann ja ein Spaß werden. Da es das Wetter draußen nicht zuließ, ließen wir uns an die Dalbenreihe der Boxen treiben und machten sozusagen am Straßenrand fest, um unser Boot vorzubereiten. Dazu wurden die Leinen vorbereitet, die Fender liegen verteilt an Deck und der Bootshaken wurde aus seiner Halterung genommen. Wir sprachen alles durch, legten ab und Harry fuhr Ari in eine freie Box. Aber nur bis zur Mitte des Bootes .... der Dalbenabstand war doch tatsächlich nur wenige Zentimeter zu schmal für unser Boot, wir steckten fest. Na toll - und das bei diesem Wetter. Harry zottelte das Boot mit Hilfe des 55-PS-starken Motors wieder heraus und machte das einzig Richtige. Raus aus der Boxengasse, im Vorhafen eine Wende gefahren und die Boxen nochmal völlig neu angesteuert. Alles andere bringt bei solchem Seitenwind nichts. Die Gasse im Hafen ist für ein 12m-langes Boot viel zu schmal, als darin abenteuerliche Rangierversuche im Wettstreit mit dem Wind zu fahren. Im zweiten Anlauf in die benachbarte Box flutschten wir rein und machten mit Hilfe der am Steg wartenden Segler anderer Boote fest. Das ist übrigens auch normal: gerade bei solchen Bedingungen wird keiner mit seinem Boot alleine gelassen. Jeder weiß, wie schwierig es ist, bei starkem Seitenwind in eine tiefe Box zu kommen, ohne sein Boot, das seiner Nachbarn oder die Steganlage zu beschädigen. Vor allem, wenn Alleinsegler reinkommen, steht - übertrieben gesagt - der halbe Hafen am Steg und bietet seine Hilfe an.


Wegen des Wetters gut angezogen, heizten wir im Gewusel des Anlegemanövers und kräftigem Leinengezerre ordentlich hoch und waren dementsprechend durchgeschwitzt. Die Aktion wurde deshalb erstmal bei einem Anlegerbier verdaut.

Beim späteren Kochen des Abendessens musste ich tatsächlich den kardanisch aufgehangenen Herd aus seiner Verankerung befreien und schwingen lassen, weil wir selbst im Hafen Schräglage hatten.

Geschlafen haben wir natürlich recht schnell. Wegen der Geräuschkulisse allerdings nicht so gut. Ich war ab 4 Uhr wach und kaute in Gedanken auf den Terminen der kommenden Woche rum. Klar, dass ich am folgenden Tag müde in die Gegend schaute und so gar keine Lust hatte, abzulegen - am Morgen rauschten immer noch die gleichen 5 Bft durch den Hafen wie am Vortag. Ich hatte keine Lust auf das gleiche Theater.




22.08.17
Was für ein Wunder - der Wetterbericht behält Recht.
Gegen Mittag flaut der Wind etwas ab und rutscht auf 4 Bft. Wir halten beide unsere Nase in den Wind. Harry hat auch schon einen genialen "Ablegeplan". Kaum 30 Minuten später legen wir butterweich ab und fahren ohne Probleme aus der Box und aus dem Hafen. Die Welle ist noch recht hoch. Wir setzen nur das Vorsegel und lassen uns vom Rückenwind um die Ecke bis zur Stubbenkammer schieben. An der nordöstlichen Ecke Rügens nehmen wir das Großsegel dazu und Ari kommt langsam auf Fahrt. Die Ostseite Rügens macht schon mehr Spaß. Wir haben jetzt Halbwind und schon geht es mit gut 8 Knoten gen Süden. Der Spaß wächst mit jeder Meile. Auch ich werde langsam fitter. Harry übernimmt die etwas anstrengende Segelstrecke, ich werde die später nicht zu vermeidende Strecke unter Motor übernehmen. Zum Fotografieren reicht meine Fitness jedoch aus ....



Im Fahrwasser südöstlich von Rügen müssen wir hart an den Wind gehen, was die Schräglage des Bootes erhöht. Da steht Harry auf einmal eine ganze Etage unter mir ...


... während Ari durch die Wellen pflügt ...


... und ich mich oben auf der Kante austobe. Schöne Aussicht hier :)

Die Querung des Greifswalder Boddens und auch die restliche Fahrt den Strelasund hoch bekommen wir den Wind direkt auf die Nase. Da wir keine Lust haben, bis in die Nacht hinein zu kreuzen, legen wir diese Strecke unter Motor zurück. Am Ende des Tages werden wir gut zwei Drittel des gesamten Weges gesegelt sein - damit können wir leben.
Die Sonne bereitet sich auf den Abend vor und schafft im Zusammenspiel mit den aufziehenden Wolken eine schöne Atmosphäre. Wir sind weit und breit das einzige Boot:


Für den besseren Überblick stelle ich mich links und rechts auf die Cockpitbank, da ich nicht über die Sprayhood gucken kann - da fehlen mir einfach in paar Zentimeter. Der Autopilot hält den Kurs und ich gucke, das er das auch richtig macht. Harry liegt auf der Cockpitbank und genießt, wie auch ich, diesen Abschluss unseres Vier-Tages-Törns. 200 Seemeilen sportlicher Segelspaß bei bestem Wetter.
Mehr kann man einfach nicht verlangen.


Am Mittwochmorgen müssen wir leider unterbrechen und zurück nach Hause fahren. Die ersten Termine und Verpflichtungen stehen an.
Aber wir werden nach ein paar Tagen zu Ostsee und Boot zurückkehren.




Sonntag, 20. August 2017

19./20.08.17 Purer Segelspaß

19./20.08.2017

4 Wochen Urlaub - das ist schon mal gut. Leider haben wir in dieser Zeit auch einige Termine in Berlin zu beachten. Somit bleibt keine Zeit, für einen längeren Segeltörn. Wir begnügen uns mit kurzen Ausflügen, das Ziel ist egal, Segeln wird zur Hauptsache erklärt.

19.08.2017
Entspannt starten wir ab Heimathafen Neuhof. Es ist irgendwie toll, kein Ziel und keinen Plan zu haben.
Wir trullern den Strelasund runter. Noch steht der Regen der Nacht als Dunst auf dem Wasser, aber die Sonne kämpft sich mehr und mehr durch.



Der Tag soll uns laut Wetterbericht mit Wind um 4-5 Bft und viel Sonne verwöhnen.
Wir queren den Greifswalder Bodden, die Sonne kommt endgültig durch und der Wind entspricht auch den Vorhersagen. 4 Bft von "schräg hinten" schieben Ari durch das Fahrwasser südöstlich von Rügen. Hier geht uns der Wind ein wenig ein, weil er schlichtweg an der Landabdeckung durch den südöstlichen Zipfel der Insel scheitert.
Mit ausreichend Abstand fahren wir die Ostseite Rügens hoch; vorbei an den Ostseebädern Baabe, Sellin und Binz. An der großen Bucht vor Saßnitz kommen Wind und Welle das erstmal so richtig auf Fahrt. 4-5 Bft und eine Welle bis knapp einen Meter machen sich bemerkbar - wir haben Spaß.


Eine Regenwolke verdunkelt die Kreisefelsen kurz vor der Stubbenkammer
Am Nordende Rügens unser Punkt der Entscheidung: weiterfahren bis Ystad oder im Hafen Lohme festmachen?
Meine fehlende gesundheitliche Fitness entscheidet für Lohme und wir biegen links ab.Drei Seemeilen vor dem Hafen ist die kreidige Steilküste zuviel für den Wind - er gibt auf und wir werfen den Motor an. Gut so, denn es zieht gerade ein Schauer über die Insel Richtung Kap Arkona - den müssen wir ja nicht unbedingt abbekommen.
Der eigentlich südwestliche Wind dreht sich um Arkona herum und kommt im Hafen Lohme als Westwind durch die Boxengasse.
Wir meistern den Anleger in der sehr tiefen Box und machen nach knapp 47 sm und siebeneinhalb Stunden Fahrt fest. Jetzt aber ein Anlegerbier - OK, ein geteiltes, der Magen ist ziemlich leer.
Während Harry den Liegeplatz für die Nacht beim Hafenmeister bezahlt, koche ich einen großen Topf "Miracoli", den wir anschließend verputzen. Seit dem Frühstück gab es nur einen Knoppers für jeden, der Hunger ist groß.
Danach fallen wir ins "Verdauungs-Koma". Wir schaffen jeder noch ein weiteres Glas Rotwein und zusammen einen halben Tatort von der Festplatte ...gegen 20.30 Uhr plumpsen wir müde ins Bett. Noch einen Blick durchs Kojenfenster ...



20.08.2017
Früh rein, früh raus. Halb sieben bin ich putzmunter und herrlich ausgeschlafen. Morgentoilette und anziehen, den Ofen für frische Brötchen vorgeheizt, den Heizlüfter gestartet (14°C, brrr) und raus in die Sonne. Über dem Hafen Lohme liegt der Zauber eines schönen sonnigen Morgens.

Die Landspitze rechts im Bild ist Kap Arkona

Harry sieht erst kurz vor dem Frühstück, wie früh es eigentlich ist. Ich grinse und freue mich auf eine frühe Abfahrt - wir haben uns Ystad in Südschweden als nächsten Hafen ausgesucht. Das Wetter wird mit hauptsächlich Sonne, erst am Abend Regen und um die 5 Bft angesagt. Mitten auf dem Wasser zwischen Rügen und Südschweden soll die Welle 1,10 m erreichen - das ist OK.
Kurz vor halb neun Uhr legen wir in Lohme ab. Bei strahlend blauem Himmel setzen wir kurz nach der Hafenausfahrt die Segel. Noch pendelt der Wind zwischen 3 und 4 Bft. Das ist in Ordnung - er kommt wieder aus Süwest und hat im Moment noch das Kap Arkona vor der Nase. Kaum daran vorbei, frischt alles auf. Der Wind steigert sich auf 4-5 Bft und die Welle wird höher und höher. Als der Meilenzähler mit 26 sm Halbzeit anzeigt, haben wir dauhaft kräftige 5-6 Bft, gerne auch mit einem Ausreisser in die 7 Bft und eine durchschnittliche Welle von ca. 1,50 m. Mittedrin immer wieder 3er- oder 6er Gruppen von Freaks - höheren Wellen mit schätzungsweise gut 2m Höhe, welche uns zusammen mit den 7er Böen ordentlich einheizen.Der stärkste Wind wird Harry in seiner Wache mit über 32 Knoten Geschwindigkeit angezeigt - das ist knapp vor Sturmbeginn.
Trotzdem macht die Fahrt Spaß. Ari lässt sich gut steuern, es erfordert nur sehr viel Konzentration und mit den Stunden körperliche Fitness. Die Welle läuft von schräg hinten auf  und Ari wird über alle nur erdenklichen Achsen geschaukelt.
Wir wechseln uns - bis auf eine Ausnahme - am Ruder stundenweise ab, um das gut zu packen. Ari düst mit durchschnittlich 8 Knoten durchs Wasser. Der schnellste Surf, an einer großen Welle hinab, bringt 12,6 Knoten auf dem Tacho.  Holla - da rauschte aber ein ordentliche Heckwelle hinter unserem Boot.
Ich kann so schlecht über die Sprayhood (Abdeckung über dem Niedergang) gucken ...

Seltsame Situation: der Große wird von zwei militärisch aussehenden Motorbooten begleitet

Quirliges Wasser und aufkommenden Regen im Nacken, aber Harry stört das (noch) nicht :-)
6 sm vor Ystad kommt von Westen her ein Regengebiet auf. Es komt schnell, sehr schnell näher. Der Regen an Land zog schneller durch, der übers Wasser bummelte noch ein wenig. Um ein Haar hätten wir es geschafft, zwischen den Niederschlägen trocken durchzukommen.

Gleich wird der Hafen von Ystad abgespült - gut so, wir sind gleich da

2 sm vor dem Hafen bekommen wir doch noch einen winzigen Schauer ab. Die Segel bergen wir fast trocken und ohne große Erschwerniss. Da hatte ich vorher, bei dem immer noch starken Wind, mehr Schwierigkeiten erwartet.
Mit dem letzten Schubs einer Welle düsen wir in den Hafen Ystad. Am Kai ist genau noch ein Platz frei. Harry dreht eine elegante 180°-Wende auf engstem Raum und wir legen bei kräftigem Seitenwind ohne Probleme an. Wir haben 56,4 sm im Kielwasser und brauchten dafür nur 7:11 h. Das ergibt eine Durchnittsgeschwindigkeit von 7,6 Knoten - whow!

Nach dem Regenschauer ist vor dem Regenschauer ...
Wir schaffen es kaum, das am Steg tänzelnde Boot vernünftig zu vertäuen, da zieht schon der nächste Schauer auf.
ZeIt für ein kleines Anlegerbier und für die Vorbereitung des Essens. Wir backen uns eine große, sehr einfache Pizza aus Fertigteig und schaffen sie tatsächlich komplett aufzuessen. Bei den quirligen Zuständen draußen auf der Ostsee haben wir das Essen den ganzen Tag über vergessen.
Jetzt liegen wir faul und ziemlich angematscht im Salon rum und lauschen den einlaufenden Welle vom Strand hinter der Seebrücke durch den offenen Niedergang des Bootes.
Wir wissen noch nicht, ob wir schon morgen oder erst am Dienstag wieder zurückfahren.
Solange ich am Donnerstag früh pünktlich am Hauptbahnhof stehe, ist alles andere (fast) egal ...


Sonntag, 13. August 2017

13.08.2017 Zweiter Saisonstart mit Verstärkung

Nach fünf Wochen Segel-Abstinenz und insgesamt 10 Wochen nach meinem Unfall waren wir nun endlich wieder an Bord. Der Skipper war schon unter der Woche zum Boot gefahren, um die neue Batterie einzubauen. Um die Kosten gering zu halten und nicht mit zwei Autos zurückfahren zu müssen, kam ich mit dem Flixbus nach Stralsund, um mich dort von ihm abholen zu lassen.
Aber ich kam nicht allein. Mit mir waren meine Schwiegermutter Lilo und Harrys Junior, Dennis, an Bord.



Beide werden das Boot zum erste Mal sehen. Irgendwie hat es bisher nicht geklappt bzw. war der Respekt vorm Segeln auf der Ostsee zu groß. Jetzt war die Vorfreude groß.

Nach der ersten Nacht in der Koje und einem schönen Frühstück steckten wir die beiden in Segelkleidung, passten ihnen die Rettungswesten an und wiesen sie in die grundlegenden Sachen an Bord ein. Ein erstes "Mannschaftsfoto":


Ja, das Wetter war eher bescheiden. Bedeckt und grau, zeitweise Nieselregen, aber sehr schöne 4 bis 5 Bft aus Südwest. Unser Ziel war Lauterbach im Rügenschen Bodden. Auf diesem Kurs heißt das raumer Wind (von schräg hinten und später Halbwind).

Kaum auf dem Bodden und die ersten Stunden Seeluft an Bord geschnuppert, schon stand unser Junior Dennis am Ruder. Gar nicht so leicht bei den 5er Böen ...


... aber schon nach kurzer Zeit hatte er alles so im Griff, dass sich der Vater entspannt zur Seite setzen konnte ...


Bei den heftigsten Schauern war Lilo (78!) so schlau, sich einfach in den Niedergang zu stellen und von dort, trocken und bester Laune, die ganze Sache zu dokumentieren:


So konnte sie, bereits eingewiesen ins kommende Anlegemanöver, gelassen die Einfahrt in den Hafen vom Vorschiff aus beobachten. Dieses Foto hat doch was, irgendwie zwischen cool und elegant ....


Im Hafen Lauterbach nach gut dreistündiger Fahrt und 19 sm Törnstrecke angekommen, gab es eine kurze Knotenlehrstunde zum Befestigen der Fender:



Wir lobten unsere beiden Novizen für das gute Anlegemanöver - trotz des Seitenwindes haben wir einen sauberen und vor allem ruhigen Anleger hingelegt.
Danach gönnten wir uns ein leckeres Fischbrötchen und ein zünftiges Anlegerbier.


Wat hatten wir einen Hunger! Die Stimmung war richtig gut. Jeder war mit dem Törn hierher zufrieden. Keiner war seekrank geworden, alle hatten Spaß am Wind, der erst kurz vor der vorgelagerten Insel Vilm auf 3-4 Bft runterkam.

Am Abend gab es selbstgemachte Pizza und Rotwein, die Fotos des Tages wurden durchgesehen und noch ein wenig gequatscht, bis alle selig müde in die Koje fielen.

Am nächsten Morgen holte der Wind noch etwas Schwung, was uns einen lauen Morgen unter dem Hochnebel bescherte. In der Nacht hatte es geregnet und Rügen dampfte ordentlich ab. Mit dem aufkommenden Wind ab ca. 9 Uhr verflog der Nebel und die Sonne gewann immer öfter gegen die graue Masse am Himmel. Die angesagten 4- 5 Bft aus Nordwest erwarteten uns bereits, als wir den Hafen verließen. Da unsere Neulinge am Vortag schon bewiesen, dass sie etwas Schräglage vertragen, ließen wir es heute mal richtig angehen:

Dennis und ich auf der hohen Kante, die Füße am Cockpit-Tisch abgestützt
Auch wenn es auf Lilos Gesicht hier nicht so aussieht - die Stimmung an Bord war heiter und sehr entspannt. Die dicken 5er Böen wurden mit Grinsen weggesteckt. Ari lief trotz der Schräglage, hoch am Wind, mit 8 ktn sauber durch die noch recht flache Welle.


Auch der Anleger im Heimathafen Neuhof lief bei stehenden 5 Bft im Hafen ab, als hätten wir das ganze Wochenende nichts anderes gemacht. Super - darauf ein klitzkleines Anlegerbier im Cockpit und dann aber hungrig hoch zum Hafenimbiss am Angelladen, leckeren Fisch futtern. Dazu gönnten wir uns ein kühles "Störtbeker Schwarzbier".


Wir haben uns wirklich gefreut, dass sich nach unseren beiden "großen Kindern", Denise und Keno, auch Lilo und Dennis als ordentlich seefest und als angenehme Mitreisende erwiesen. Ihr vier seit weiterhin jederzeit gern an Bord gesehen!

Donnerstag, 6. Juli 2017

06.07.2017 Zwangspause

Eine Röntgenaufnahme hat es leider bestätigt. Ich habe mir bei dem Sturz im Urlaub tatsächlich drei Rippen gebrochen. Da wir bisher nur von einer Prellung ausgegangen waren, habe ich mich natürlich im Rahmen meiner Schmerzen recht munter bewegt, was das Zusammenwachsen meiner Rippen nicht gerade gefördert hat.
Die Frage der Ärztin, wie ich diese Schmerzen nur ausgehalten habe, konnte ich ihr auch nicht so recht beantworten.

Jetzt wurde ich erstmal aus dem Verkehr gezogen und zum Stillhalten verdonnert. Stillhalten und ich sind keine guten Freunde!
Aber ich muss, sonst verlängert sich die Heilung ins Endlose.
Also halte ich die nächsten zwei bis drei Wochen still. Kein Sport, kein Segeln, keine Arbeit, wenig Bewegung in der Öffentlichkeit - in Berlin wird "jeschubst und jedrängelt" - und nichts Schweres heben. Was für eine spannende Zeit....

Montag, 26. Juni 2017

26.06.2017 Nachbetrachtung / Berlin (D)

Fünf Wochen Segelurlaub - das hat man nicht jedes Jahr.
Ich möchte diese Zeit hier Revue passieren lassen und ein wenig in Zahlen verpacken.

Wir sind ehrlich und geben zu, dass wir uns mit unserem Ziel (einen Fjord in Höhe Bergen) fast ein wenig übernommen haben. Der Weg bis nach Stavanger zog sich, die Wetterlage mit überwiegend West und Nordwestwinden und den vielen Schwachwindtagen machte es uns nicht gerade einfacher. Uns blieb nur eine Woche, um den Hardangerfjord zu einem Teil zu befahren.
Trotzdem haben wir keine Seemeile bereut. Norwegen ist schön.
Besonders die Landschaft in Fjordnorwegen hat uns sehr beeindruckt. Eine Landschaftsform, die ich eher nach Neuseeland oder ins südchinesische Meer gepackt hätte. Hohe, steile Berge, ganz oben sieht man den Schnee liegen, aus dem oft mehrere Wasserfälle entspringen, die in mehreren Kaskaden bis ins Tal oder ins Meer fließen. Die Berge sind bis zur Wasserlinie üppig grün. Ganz Norwegen war zu unserer Zeit vor Ort üppig grün.
Die Norweger sind sehr aufgeschlossen, kontaktfreudig, unkompliziert und hilfsbereit ... und so viele sprechen akzentfrei deutsch. Ein Land zum immer und immer wieder hinfahren - wenn es nicht so weit weg wäre.



Wir haben nach 5 Wochen 1350 Seemeilen im Kielwasser; das sind 2500 km.
Leider mussten wir den überwiegenden Teil - 756 sm - unter Motor bewältigen. Nur 594 sm durften wir segeln. Wir besuchten in zwei Ländern (Dänemark und Norwegen) 19 Häfen, davon kannten wir nur Klintholm und natürlich unseren Heimathafen. Alle anderen Häfen waren neu für uns.
Wir waren an 25 Tagen auf See und verbrachten 10 Tage an Land. Zweimal waren wir über Nacht unterwegs - keine Reisezeit, um die wir uns reißen. Der erste Törn, eine Nachtfahrt, (Neuhof -> Anholt) war mit 185 sm der längste.
Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit unter Segeln betrug immerhin 6,5 ktn (12 km/h).

Die Nordsee und das Skagerrak haben für uns viel von ihrem Schrecken verloren. Auch nur Wasser, was, mit einer längeren Welle, vor sich hinschwappt.
Wir werden garantiert kein Fan von Tidengewässer. Zwar war der Tidenhub mit rund plus/minus 40 cm nicht besonders groß, aber der Tidenstrom ist mit bis zu 1,5 ktn trotzdem vorhanden - und nervig, wenn er gegenan kommt. Das gibt es in der Ostsee nicht und das ist gut (und bequem) so.

Seglerisch haben wir so einiges dazugelernt und fühlen uns immer sicherer. Wir hatten mit einer Bandbreite von Flaute bis Windstärke 7 ja auch genug Übungsmöglichkeiten. Alle unsere An- und Ablegemanöver haben gut geklappt ... das hatten wir noch nie.
Diese Fahrt hat großen Appetit auf mehr gemacht. Mehr Zeit, mehr Strecke - Lofoten, Shetlands, Kanaren - Nordsee, Nordmeer, Atlantik - wir würden uns trauen.


Sonntag, 25. Juni 2017

24./25.06.2017 schwierige Heimfahrt / Neuhof (D)

Ich hatte mir schon so oft Gedanken darüber gemacht.
Bei einer Crew, die nur aus ganzen zwei Seglern besteht, kann es schnell mal passieren, dass einer komplett ausfällt. Man denke nur an meinen Sturz vor drei Wochen. Wäre es schlimmer ausgegangen, ich im Krankenhaus gelandet, hätte Harry - ziemlich weit weg von Deutschland - allein mit dem Boot dagestanden. Und dann?

Diesmal war ich die "Überlebende". Aber fangen wir von vorn an.
Wir standen kurz nach sieben Uhr auf und setzten uns zum Frühstück an den Tisch. Uns stand mit gut 50 sm zwar kein langer Törn bevor, aber wir wollten auch nicht zu spät in Neuhof ankommen. Am späten Nachmittag sollte der Wind vor der deutschen Ostseeküste 6-8 Bft erreichen. Wir wussten auch, dass das Wetter bereits im Tagesverlauf eher sportlich wird. In der Vorhersage standen satte 4-7 Bft Wind und um die 1,50 m Wellenhöhe. Bei diesem Wetter und  einer Strecke von gut 50 Seemeilen muss man mit 8-9 Stunden Fahrt rechnen.
Harry hatte nicht so recht Appetit, aß recht wenig und hatte auch später beim Klarmachen des Bootes leichte Probleme mit dem Kreislauf.
Nach dem Ablegen gegen halb neun Uhr kämpften wir uns durch die auflaufende Welle vor der Hafeneinfahrt. Später, nachdem wir die Segel gesetzt hatten, übernahm ich die erste Ruderwache. Harry löste mich um zehn Uhr ab. Wir wollten uns wieder stündlich abwechseln, da Wind und Welle etwas anstrengend waren.

Da war die Welt noch leidlich in Ordnung ... Abfahrt aus Klintholm.
Kaum eine halbe Stunde später musste ich Harry wieder ablösen. Sein Kreislauf machte nicht mehr mit, die Hände kribbelten, die Knie wurden ihm weich. Und dann kam der Rest - die Seekrankheit schlug mit fester Faust zu. Obwohl auch Harry präventiv eine Tablette genommen hatte, räumte es ihn aus. Wer es noch nicht selbst erlebt hat, kann es kaum nachfühlen. Wir kennen und fürchten es beide. Seekrank zu werden ist kaum beeinflussbar. Es überfällt dich, wenn du am wenigsten damit rechnest. Harry hing eine Weile an der Reeling und legte sich später auf den Cockpitboden  vor dem Niedergang; schwach, elend und frierend.
Mir rasten hundert Gedanken durch den Kopf. Ich musste damit rechnen, dass Harry sich während der Fahrt nicht mehr erholen wird; es könnte ihm auch noch schlechter gehen. Für diesen Fall haben wir neben Tabletten gegen Reisekrankheit auch noch Zäpfchen mit ähnlichem Wirkstoff - die kann man nicht so einfach erbrechen....
Für meine eigene Beruhigung erstellte ich mir einen Notfallplan mit mehreren Varianten. Geht es Harry schlechter, muss ich in Barhöft reinfahren. Dieser Hafen ist allerdings sehr klein und eng und ich wusste noch nicht, ob ich es schaffen würde, Leinen und Fender vorzubereiten. Mein sicherster Plan war, bis nach Stralsund zu kommen und mir dort , wie ich es auch für Barhöft gemacht hätte, vorab per Funk Hilfe beim Anlegen zu organisieren. Irgendwer hat immer sein Funkgerät auch im Hafen an. Stralsund hat den Vorteil, weiträumig zu sein, mit einigen Möglichkeiten der Windabdeckung, um das Boot unter Autopilot vielleicht doch für das Anlegen vorbereiten zu können.
Wind und Welle gaben sich derweil alle Mühe, mir das Leben schwer zu machen. Wir waren bei den mittlerweile fünf, größtenteils jedoch sechs Windstärken recht gut unterwegs, Ari flog bei gerefftem Großsegel mit gut 8 Knoten durchs Wasser. Das war allerdings, zusammen mit der von schräg hinten einlaufenden Welle, zuviel für unseren Autopiloten. Der gab, kaum dass ich ihn aktivierte, schnell wieder auf. Er konnte bei den Böen bis in die 7 Bft einfach den Kurs nicht mehr halten. Das verbannte mich ans Steuer. Ich konnte mich weder richtig um Harry kümmern, noch um mich. Essen, Trinken, Toilette - alles rückte  plötzlich unerreichbar in die Ferne. In kleinen Windpausen mit nur 5 Bft, wenn die großen Wellen gerade durch waren, ließ sich der Autopilot für ein bis zwei Minuten zur Arbeit überreden. Dann konnte ich schnell eine Decke für Harry holen, beim nächsten Mal einen Müsliriegel und eine kleine Flasche Wasser für mich. Schon hörte ich das Piepen, das der Autopilot von sich gab, wenn er mal wieder seine Arbeit einstellte. Nach gut drei Stunden musste ich den armen Harry leider ans Ruder stellen. Wir hatten das Fahrwasser westlich Hiddensee erreicht. Das wird, südlich von Hiddensee, sehr schmal. Links und rechts stehen die Möwen im Wasser und schauen dir in die Augen - soll heißen, es wird neben dem Fahrwasser sehr schnell sehr flach. Deshalb wollte ich die Segel vor der Einfahrt in das Fahrwasser herunter haben.
Das Fahrwasser führte, kurz vor dem Festland und dem Hafen Barhöft, direkt in den Wind. An dieser Stelle war es aber zu schmal, um dort die Segel bei starkem Wind einzuholen. Außerdem wusste ich nicht, ob Harry das wirklich schaffte. Für den Fall, das nicht, hatte ich allerdings noch keine Lösung. Den Autopiloten konnte ich bei den anhaltenden 6-7 Bft nun endgültig abschreiben. Aber Harry hielt, obwohl er am ganzen Körper schlotterte, so lange durch, bis ich die Segel "irgendwie" eingerollt bekam. Danach ging es ihm aufgrund der Anstrengung wieder schlechter und alles ging von vorne los.
Ich steuerte Ari, nun unter Motor, eiernd durch Wind und Welle - und den immer stärker werdenden Regen. Es war sehr schwer, das Boot im schmalen Fahrwasser zu halten. Zum Glück wird es so weit draußen, ungefähr mittig der Insel, neben dem Fahrwasser, noch nicht so schnell flach - ich durfte mir also noch ein paar kleine Fehler leisten. Ich war froh, dass der Motor seinen Job so gut machte. Dank des Stroms (Gellenstrom genannt) auf dieser Seite Hiddensees düsten wir immer noch mit über 7 Knoten Geschwindigkeit durchs Wasser.
Je weiter ich unter das Südende von Hiddensee kam, um so ruhiger wurden Wind und Welle, dank der Abdeckung durch das Land der Insel Bock. Hier hatte ich nur noch mit 3-4 Bft Gegenwind und kaum noch Welle zu tun. Endlich konnte ich den Autopiloten einschalten und mich für ein paar Minuten hinsetzen, ausruhen und mich um Harry kümmern.
Eine Stunde später und viereinhalb Stunden nach seinem Ausfall, war Harry kurz vor Stralsund soweit stabil und ausgeruht, dass er das Steuer übernehmen konnte. Ich zog erst einmal meine klitschnasse Kleidung aus. Meine Segelkleidung hat, obwohl selbst klatschnass, gut ihren Job gemacht und kein Wasser durchgelassen. Allerdings hatten diverse Wellen, die aufgrund ihrer Höhe komplett übers ganze Boot flogen, soviel Wasser über mir ausgegossen, das mir dies bis unter die Jacke drang und ich bis auf die Haut nass war. Zu blöd, wenn man seine Kapuze nicht aufsetzt; die hätte mich besser geschützt. Aber es war warm und mir eh schon alles egal.
Es ging so gut aus, dass wir mit nur wenig Wartezeit auf dem Wasser die Öffnung der Ziegelsteinbrücke in Stralsund um 15:20 Uhr schafften, So liefen wir, bei bereits wieder auffrischendem Wind, nach siebeneinhalb Stunden Fahrt im Heimathafen ein.
Was für ein Abschluss - Petrus und das Schicksal haben uns nochmal so richtig den Stinkefinger gezeigt. Ich kochte uns schnell ein paar Nudeln, mehr war einfach nicht drin. Harry ruhte sich dann weiter aus.
Später am Abend traf ich mich mit einem Kollegen, der mit Freunden zum Angeln im Hafen war, auf ein Bier und konnte so ein wenig abschalten - danke Stoffi :-)

Sonntag, 25.06.2017
Noch einmal ausschlafen, ein letzten Frühstück an Bord, Sachen packen, Boot aufräumen und ... Urlaubsende. Fühlt sich komisch an. Wir waren mit fünf Wochen so lange unterwegs wie noch nie. Noch kann ich es mir nicht vorstellen, am Montag wieder im Büro zu sitzen - meine Kollegen und Chefs bestimmt schon.
Die Autofahrt nervte - zu schnell, zu voll; der Stadtlärm Berlins ebenso. Ich habe böse Fluchtgedanken. Aber keine Sorgen, bisher siegte noch immer die Vernunft.

Ich werde in der kommenden Woche noch einen kleinen Abschlusspost zu diesem Urlaub schreiben. Aber erst muss ich hier richtig ankommen, später die Meilen zusammenrechnen, Häfen zählen, usw.

Freitag, 23. Juni 2017

23.0.2017 Geblieben / Klintholm (DK)

Gegen 6 Uhr weckte mich der Regen, der ordentlich aufs Deck trommelte.
Ich schaute auf das Wetter für heute, grinste und legte mich wieder schlafen.

Kein Wind, dafür Regen oder Nieselregen, mitten am Tag Flaute vor Rügen und gegen Abend Wind bis 7 Bft im westlichen Eingang des Strelasund. Genügend Gründe, um noch einen Tag hier zu bleiben.
Bei der kurze Entfernung (50 sm) reicht es, wenn wir uns am Sonnabend in den Heimathafen aufmachen.
Die Wetteraussichten für Sonnabend sind auch viel netter: leicht bewölkt, Wind mit 4-6 Bft.
Vielleicht werden wir für unser Hierbleiben noch bestraft, aber wir hatten einfach keine Lust, abzulegen.

Noch ein wenig lesen, Musik hören, basteln, schlafen ... Urlaub halt.

Donnerstag, 22. Juni 2017

21./22.06.2017 Ein letzter Stopp / Klintholm (DK)

Mittwoch, 21.06.17

Nach einer sehr kurzen Nacht brachte der nächste Morgen schönes Wetter mit.
Wir waren mal wieder in die Nacht der Abi-Abschlussfeiern in Dänemark gestolpert. Dabei scheint es Tradition zu sein, die Feier mit einem Bad zu beschließen. Wie schon in Kopenhagen letztes Jahr sammelten sich in der letzten Nacht gut 20 - 30 Jugendliche ausgerechnet bei uns am Pier und sprangen nach und nach kreischend, brüllend, lachend ins Wasser. Der Anblick, der sich einem bei einem müden Blick aus dem Niedergang bot, war allerdings sehr lustig. Bis auf ihre Mützen hatten viele nur noch ihre Unterwäsche oder gar nichts mehr an.  Ich habe mal ein Beispielfoto aus Kopenhagen aus dem Netz gefischt:


Ich ging hinaus, um zwei splitterfasernackte junge Herrn zu bitten, unsere Stufe hinten am Heck wieder zu verlassen. Diese hatten sie kurz vorher erklommen, saßen lachend drauf und machten dabei noch mehr Lärm als so schon. Die beiden grinsten, standen auf und sprangen lachend mit Köpper ins Wasser. Allgemein war die Stimmung fröhlich, lustig und alles andere als unfreundlich. Die ganze Truppe wünschte mir noch zuprostend "good night" und verkrümelte sich dann in den nächsten 10 Minuten vom Pier.

Trotz aller Müdigkeit  am Morgen legten wir kurz vor halb zehn ab und machten uns auf, den Sund hinunter nach Süden zu fahren.




Wie weit es heute gehen sollte, stand noch nicht fest. Da es am nächsten Tag wegen südlichen Winden nochmals eine Pause gab, sollte es ein "schöner" Hafen sein.
Zwischen Kopenhagen, Malmö und der Øresundbrücke war wieder ordentlich Verkehr:




So etwas hatten wir vorher noch nie gesehen:

Der kleine Schlepper zog einen ganzen Wohnblock hinter sich her.



Auch wenn der Wind etwas unstet war, ließ er uns doch die gesamte Strecke segeln. Kurz vor der Insel Møn, südwestlich unter dem Ausgang des Sundes, zog der Himmel immer mehr zu. Der Wind schlief in dem Moment ein, als wir sowieso den Motor anwerfen mussten, da wir auf der Südseite der Insel noch 4 Seemeilen Richtung Westen bis zum Hafen Klintholm fahren mussten. Perfekt!


Nach elfeinhalb Stunden und über 77 Seemeilen legten wir in Klintholm an. Davon waren nur 6 Seemeilen unter Motor, der Rest - alles gesegelt.


Nach einem Anlegerbier spazierten wir durch den Hafen zum Automaten, um das Liegegeld zu bezahlen. Da sahen wir eine "alte Bekannte":



Dieses Schiff der deutschen Marine hatten wir erst letztes Jahr vor Skärhamn auf Tjörn gesehen. Da gerade ein Besatzungsmitglied vor uns Richtung Duschen lief, sprach ich ihn einfach an und fragte ihn zu diesem Boot aus. Sehr nett und aufgeschlossen bekamen wir Auskunft, Es handelt sich um die kleinere Version eines Ausbildungsschiffes. Da die Gorch Fock immer noch in der Werft liegt, werden auf diesem Schiff Trainingsmaßnahmen wie Teambuildung und ähnliches durchgeführt. Und ja, letztes Jahr auf Tjörn war er auch dabei.
Da wir uns unterwegs schon was zu essen gemacht hatten, durften wir anschließend sofort in die Koje fallen.




Donnerstag, 22.06.17
Heute wird ausgeschlafen, geduscht, gegammelt, ein Post für den Blog geschrieben, spazieren gegangen, usw.
Morgen gehts auf die letzten 50 Seemeilen bis in den Heimathafen. Der Wind sollte uns mit 4-5 Bft aus West nochmals einen kompletten Segeltag bescheren.
Mal sehen, was Petrus sich für den letzten Tag noch einfallen lässt - er hat ja so einiges wieder gut zu machen.