Deshalb werde ich meine Posts in den kommenden Tagen zusammenfassen, da der Laptop jetzt eine ganze Weile durchhalten muss. Aber Harry arbeitet schon an einer Möglichkeit, den Inverter an Bord fit zu bekommen. Dann folgen auch wieder mehr Fotos - vielleicht in einem reinen Foto-Post.
Fangen wir an:
Sonntag, 19.08. Kalmar nach Figeholm
Kurz nach 10 Uhr legen wir - etwas entspannter als beim Anlegen - in Kalmar ab. Unser Bootsnachbar (Schwede, geschieden, Überlebenskünstler, wohnt auf dem Boot) springt uns trotzdem vorsichtshalber bei und steht auf dem Steg bereit. Was mag er wohl von unseren Bootskünsten halten?? Egal, wir sind los - ab die Post Richtung Kalmarsundbrücke.
Wir passieren diese vorsichtshalber unter Motor. Nach unseren Erfahrungen von der Øresundbrücke kann es ziemlich tricky werden, mit aufgezogenem Segel unter solch großen Brücken durchzufahren. Die Physik des Windes um solch hohe Pfeiler herum ist sehr beeindruckend. Also durch unter Motor und die zweiten rund 40 Seemeilen des Kalmarsundes rauf nach Norden. Wir haben uns im Vorfeld der Fahrt ein paar Häfen und Ankerplätze von hier bis Stockholm in den elektronischen Karten markiert. Heute ist mein Traumziel Figeholm. Ein Naturhafen eines kleineren Orts, im Revierführer für die Ostschwedische Küste als "besonders reivoll" bezeichnet. Wir haben von Anfang an akzeptablen Segelwind. Bei 4-5 Beaufort aus Südwest geht es mit rund 6 Knoten Fahrt durchs Wasser den Sund hoch. Das Wetter macht heute einen auf besonders dramatisch. Große und kleine Regengebiete ziehen schnell über den Sund - die Regenlotterie beginnt.
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| Eine trifft uns sicher ... |
Wird es diese Wolke? Oder die da hinten? Oder - ojee, das große Ding da drüben? Es war egal, irgendeine würde schon treffen. Natürlich, als ich gerade Ruderwache hatte. Es begann mit einem sanften Nieselschauer und ging in eine deftige Starkregendusche über. Alles kein Problem - unsere Segelsachen sind gut und halten uns locker trocken. Doof nur, wenn es mit 23 °C einfach zu warm fürs Ölzeug ist. So stand ich dampfend warm im Cockpit und wurde mit arsc...kaltem Wasser begossen. Alles im Spaßbereich ... frieren wäre schlimmer.
Nach knapp 30 Seemeilen bogen wir zum Festland ab und fuhren 10 Seemeilen später in diesem Urlaub das erste Mal in die Schären ein. Hach, schön. Steine im Wasser können so toll aussehen. Nach weiteren 10 Seemeilen kamen wir in Figeholm an. Der Himmel zog gerade wiedermal zu. Wir schnappten uns deshalb die erste gute Anlegemöglichkeit an Heckbojen und klarierten das Boot auf. In dem Moment, als wir fertig waren, kam eine weitere heftige Dusche herunter. Wir machten es uns erst unter der Sprayhood und später unter Deck gemütlich. Die Landschaft ringsherum war so schön, dass wir immer wieder raussahen. Bezahlt wurde bequem per App, es war kein Gestiefel mehr zum Hafenmeister nötig.
Unterwegs hatte Harry übrigens noch ein mittelschweres Problem (vorerst) behoben. Das Thermostat unserer Kühlbox hatte den Geist aufgegeben. Der Inhalt hatte schon die kritische Grenze von 8 Grad erreicht. Harry, der MacGyver des Segelsports, überbrückte die Schaltung über den Thermostat - mit einem Draht an der Steuerplatine. Jetzt können wir händisch entscheiden, ob volle Pulle gekühlt werden soll oder nicht. Lebensmittel gerettet. Doof ist nur, dass die Box, je nach Umgebungstemperatur, nach 1 - 3 Stunden wieder von 4 °C auf 7 °C "hochheizt". Also schleppen wir das Funkthermometer (der Sender liegt in der Kühlbox) ständig mit uns rum und kontrollieren, ob wir die Kühlung gerade wieder an- oder abschalten müssen - was für ein Spaß, besonders nachts ...
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| Der Gästehafen von Figeholm |
Montag, 20.08. Figeholm - Äslö (vor Anker)
Bei wesentlich besserem Wetter standen wir gut ausgeruht auf, frühstückten, gingen im schnuckeligen Gästehafen ausgiebig duschen und machten zu guter Letzt das Boot klar. Von nun an ging es nur noch durch die Schären, was für ein Traum. Sommer, Sonne, blaues Wasser, 24 °C Außentemperatur - passt. Wir machten uns auch keine Sorgen mehr über fehlendes Licht am Abend - würden wir doch selbst ausreichend genug leuchten. Unser Weg führte uns direkt am Atomkraftwerk vorbei, welches beschaulich am Ufer stand .... grrg.
Unter heftigen Böen (nicht segelbar, da von vorn) fuhren wir die gewünschte Ankerbucht Äslö an. Hach ... toll. Ein Labyrinth aus mehreren kleinen und großen Buchten. Kaum war der Anker gesetzt und eingefahren, rollte ein heftiger Schauer heran. In seinem Schatten folgte nur noch Windstille. Und totale Stille. Kein Windgeräusch, keine Tiergeräusche - nix. Das Einzige, was man hören konnte, war das Rauschen des Blutes in den eigenen Ohren. Daran muss sich der Stadtmensch erstmal wieder gewöhnen. Zur Feier des Tages gab es scheibenweise tote Kuh mit leckeren Rosmarin-Bratkartoffeln und Schmandsoße - man gönnt sich ja sonst nichts. Wir saßen bis in die Dunkelheit im Cockpit, dann übernahmen die Mücken das Feld und wir flüchteten in die Koje.
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| In der Bucht vor Äslö |
Dienstag, 21.08 Äslö - Kårö (vor Anker)
Ein Traummorgen. Wieder Sonnenschein, durch den Nordwind etwas kühler (morgens 15°C, später 18 °C) frühstückten wir unter Deck, setzten uns aber mit dem zweiten Kaffee ins Cockpit. Wir ließen uns Zeit, der Morgen war einfach zu schön. Nach Abräumen, Abwaschen und Boot klarmachen ging es weiter, die Innen- und Außenschären nördlich von Oskarshamn hoch. Mangels Wind eine reine Fahrt unter Motor. Es gab viel zu gucken, zu werkeln und/ oder auszuruhen - sofern man nicht am Steuer stand. Nach gut 26 Seemeilen tuckerten wir in eine der vielen Ankerbuchten in diesem Gebiet. Wir sind mittlerweile nördlich von Västervik - Stockholm rückt immer näher. Auch hier ist wieder alles knuffig, eine kleinere Bucht - geformt wie ein spitzes C, nach Osten hin offen. Bis zum Abend bekamen wir noch zwei Nachbarn, ein schwedisches Segelboot und ein deutscher Segel-Katamaran.
Wir vertreiben uns die Zeit bis zur Nacht mit paddeln in der Bucht, schlafen, lesen, kochen, fotografieren ... Langeweile kam noch lange nicht auf.
Und so wird es auch in den kommenden Tagen weitergehen. Wir ziehen das Ankern vor und auch das Fahren durch die Schären statt durchs freie Wasser. Irgendwann am Wochenende oder kurz danach werden wir in Stockholm einfahren und das große Traumziel der letzten drei Jahre endlich erobern.
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| Unser schwedischer "Nachbar" am Eingang zur Bucht |




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