Sogar das Wetter spielt mit uns in einer Mannschaft und bringt statt tröger Hitze "normale Temperaturen" und segelbaren Wind auf den Weg.
Wohin soll es gehen? Auf diese Frage antworten wir normalerweise mit "wohin der Wind uns lässt".
Dieses Mal, nach Blick auf die Wetterkarten, heißt es zielsicher STOCKHOLM. Wir haben fünf Wochen Zeit für Schären, Wind, Sonne und Schweden pur.
Da wir den größten Teil der der Vorbereitungen für Boot und Proviant bereits am letzten Wochenende erledigt hatten, lief der eigentliche Urlaubsstart stressfrei ab. Chefin und Kollegen ließen mich am Mittwoch frühzeitig von der Leine, so dass wir bereits am Nachmittag mit den letzten frischen Lebensmitteln beladen aus dem "real" in Stralsund kamen. Als alles Eingekaufte und Mitgebrachte verstaut war, blieb noch genügend Zeit für ein schönes Abschlussbier.
Am Donnerstag legten wir bei schönstem Sonnenschein und leichtem Wind um halb neun Uhr morgens in Neuhof ab. Unser Plan: über den östlichen Strelasund und den Greifswalder Bodden raus, dann südlich Bornholm herum auf dessen Ostseite und von dort hoch Richtung Kalmarsund, der südlichste Teil von Schwedens Westküste.
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| Was für eine Schönheit - gesehen auf dem Greifswalder Bodden |
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| Großes Gewusel am östlichen Ende des Greifswalder Boddens .... |
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| ... hier wird für die neue Gas-Pipeline aus Russland gebuddelt. |
Wir sind keine großen Helden, was Nachtfahrten angeht. Nein, nein, wir können gut genug sehen, kennen uns mit der Navigation gut aus, können auch die großen und kleinen Boote an ihren Lichtern gut deuten, aber ... die Sache mit dem Schlaf ist echt anstrengend. Also eher, der wenige Schlaf. Man kann in einer Zweier-Crew schlecht acht Stunden durchschlafen, weil das für den anderen bedeuten würde, acht Stunden am Steuer zu stehen. So teilen wir uns am Tag in 2-Stunden- Wachen und in der Nacht in 4-Stunden Wachen ein.
Hinzu kommt noch, dass der Wind, von schräg hinten kommend, sich in der Nacht zwar schöne 10 Knoten (4 Beaufort) hatte, in den Böen aber bis 28 Knoten (7 Beaufort) gehen sollte. Das ist Nachts nicht so schön, da man weder die Welle noch seine Segel sehen kann.
Aber alles egal, wir haben das durchgezogen. Es gab bei klarem Himmel einen traumhaften Sonnenuntergang ...
... anschließend eine sternklare Nacht mit tausenden Sternen und sogar freiem Blick auf die Milchstraße. Was es nicht gab, waren die angesagten Starkwindböen. Der Wind blieb bei 13-16 Knoten (4 Beaufort). Allerdings muss es südöstlich von uns heftiger gewesen sein, denn die Welle kam mit knapp einem Meter Höhe fast zu hoch für unsere Windverhältnisse rein. Ari quittierte das mit heftigem Rollen (Schaukeln über die Längstachse) bis zur Einfahrt in den Zielhafen.
Der gute Harry hatte seine Nachtwache sogar verlängert, weil ich momentan etwas angeschossen bin. Um drei Uhr löste ich ihn nach 6 Stunden Wache gehen dann aber doch ab und genoss die letzte Stunde Sternenhimmel, bevor ich mich gut eineinhalb Stunden am Schauspiel des Sonnenaufgangs von der Dämmerung bis zum ersten wärmenden Sonnenstrahl ergötzen konnte. Das macht trotz aller Müdigkeit endlos gute Laune, ich strahlte mit der Sonne um die Wette.
Um 10:30 Uhr legten wir im noch leeren Hafen Sandhamn an.


Bis hierher waren es 170 Seemeilen, für die wir 26 Stunden gebraucht haben. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen stiefelten wir 1,5 km in den Ort, gönnten uns ein Eis und anschließend ein lecker Abendbrot: selbstgemachte Burger.
Sandhamn liegt am südlichen Eingang des Kalmarsund. Mit der langen Überfahrt hatten wir auf dem Weg alle uns schon bekannten Häfen auf Bornholm und in Südschweden ausgelassen und betraten endlich mal wieder unbekanntes Terrain. Von hier aus geht es nun in kleineren Schritten die Ostküste weitere 170 Seemeilen hoch , bis wir Stockholm erreichen.
Damit haben wir am zweiten Urlaubstag bereits die Hälfte der Strecke bis Stockholm geschafft - das war uns jedes Gähnen wert.
Hier noch unser Törn auf der Karte:







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