Samstag, 8. September 2018

07.+ 08.09.18 Ein bisschen in Eile

07.09. Örskär - Figeholm

Geschüttelt und davon sehr gerührt - so wachen wir heute morgen auf, nachdem uns der Handywecker um sieben Uhr angebrüllt hat. Die Bucht an sich war ja passend, aber wir hatten in der gestrigen Eile nicht bedacht, was hier an Schwell reinkommt. So wurden wir im Schlaf ordentlich durchgeschaukelt, was einer guten Erholung etwas im Weg stand.
Der Tag begann grau in grau - man merkt, dass der Herbst bald Einzug hält. Dichte Hochnebel stehen über Land und See. Wir gönnen uns noch ein mageres Frühstück, gehen an Heck und Bug Ankerauf und düsen bei bestem Segelwind aus der Bucht. Hui, da pfeifen Böen bis 23 Knoten (rund 40 km/h) durch die Schären und schieben den dicken Hintern von Ari mit über 6 Knoten Geschwindigkeit das Fahrwasser entlang. Leider bleibt uns dieser Spaß nicht lange erhalten. Nach drei Stunden fahren wir schon wieder unter Motor. Der Wind hätte zwar noch "gerade so"gereicht, aber die Welle vom Starkwind der Nacht steht noch und passt nicht so recht zu diesem lauen Lüftchen von 12 Knoten. Und das, wo heute wieder eine lange Strecke mit gut 50 Seemeilen vor uns liegt.
Klar, wir könnten auch kürzere Tagestrips machen, aber das lässt das Wetter und unser Terminkalender nicht zu. Am  19.09. (Mittwoch) müssen wir wegen wichtiger Termine am Ende der Woche spätestens in Neuhof sein. Und momentan kommt der Wind wieder genau da her, wo wir hin wollen - das Schicksal eines Seglers. Ich beginne, mir Sorgen zu machen ...
Heute, in Figeholm angelegt, haben wir die Pole-Position für die nächsten Tage - hoffen wir.

Der Hafen hatte uns schon bei unserem ersten Stopp hier vor drei Wochen gut gefallen. Im Gegensatz zu "damals" haben wir diesmal eitel Sonnenschein, als wir Ari im Gästehafen an der Heckboje festmachen. Der Hafenmeister begrüßt uns (das einzige Gästeboot) persönlich am Steg, mit Handschlag und einem freundlichen "You're welcome". Beim Bezahlen des Liegeplatzes bekomme ich einen kleinen Stapel Unterlagen in die Hand gedrückt. Neben der Quittung und dem Markierungsbändchen für das Boot noch ein Informationsblatt zum Hafen und zum Ort (nett!) sowie einen .... Notfallplan. Bitte was?! Er grinst und wiederholt auf deutsch "ihr Notfallplan".
Tatsächlich ist da drinnen alles aufgeführt, was wir in verschiedenen Gefahrenfällen machen sollen oder auch besser nicht. Na holla - das hatten wir ja auch noch nicht.



Hier noch ein paar Fotos von heute:


Endlich mal ein Adler, der stillsitzt ... 


Mikado für Fortgeschrittene: der Weg durch die Untiefen. Ein Tipp: grün ist rechts





Der Törn des heutigen Tages - leider nur zum Teil. Ich hatte vergessen, am Tablet rechtzeitig die Aufzeichung zu starten. Losgefahren sind wir beim Ankerzeichen im Bild ganz oben.














08.09. Figeholm - Borgholm (auf Öland)

Noch ein vorerst letztes Mal früh aufstehen. Der Wind ist uns für unsere Strecke nur mäßig gelegen. Am Anfang günstig aus Südwest kommend, dreht er leider ab Mittag nach und nach auf Süd - ja, da wollen wir hin. Also wieder gegen sieben Uhr raus aus den schön warmen Federn, kurzes Frühstück und in den Restminuten des nächtlichen Regenfalls das Boot zum Ablegen vorbereitet. Als der Regen aufhörte, legten wir ab und fuhren durch den Weg durch die Schären raus Richtung Kalmarsund. Kaum waren wir auf dem freien Wasser, stießen wir doch tatsächlich auf segelbaren Wind. Schnell die Segel hoch, das Seglergrinsen aufgesetzt und dabei die ersten Sonnenstrahlen genossen. Die Wolken lösten sich rasch auf, der Wind trieb Ari ordentlich voran - wir hatten Spaß.
Aufgrund des angesagten Winddrehers konnten wir nicht so einfach aufs Ziel drauflos, sondern mussten es uns mit zwei Kreuzschlägen erarbeiten. Segeln "auf der Kreuz" ist nicht mein Ding. Ständig fährt man gefühlt am Ziel vorbei, kommt nur langsam näher, fährt wieder dran vorbei  ... nichts für ungeduldige Menschen wie mich!

Borgholm auf Öland, wir kommen. Nach gut sieben Stunden und mit 41 Seemeilen im Kielwasser fuhren wir kurz vor halb fünf  in den schönen, großen und sehr leeren Hafen von Borgholm ein. Trotz kräftigen Seitenwindes legten wir sauber an und verschnauften erstmal bei einem Anlegerbier. Der Tag war sportlich! Bei Wind von 4 bis 6 Beaufort hatten wir, hoch am Wind (er kam so knapp es ging von vorn), dauerhaft ordentlich Schräglage. Das spürten wir am ganzen Körper, denn selbst das Sitzen im Cockpit war heute anstrengend - vom Steuern ganz zu schweigen.
Wir erlaubten uns, den Rest des Tages mit Kochen, Essen und Nichtstun zu vernieseln. Da morgen kräftiger Südwind den Sund hochzieht, kommen wir nicht weiter. Also bleiben wir hier und und schauen uns ein wenig im Ort um. Schon von weitem grüßte eine große Burgruine. Die muss natürlich erkundet werden.
Die Fotos des Tages:


Der Hafen Borgholm und die Burgruine vom Wasser aus.




Zick-zack den Sund hinab ... 


Donnerstag, 6. September 2018

05./06.09.2018 Wo bleibt der Elch?


05.08. Södertälje - Fifång
Mit wehenden Fahnen verließen wir den Hafen Södertälje. Nicht, weil ich noch immer keinen Weg gefunden hatte, unser Liegegeld loszuwerden, sondern weil die Jungs vom Kanalbau wieder ihre Arbeit aufnahmen ... bam-bam-bam - es werden Stützen in den Boden gerammt.
Nach ein paar Seemeilen ging das Umfeld von hässlichem Kanal ....



...wieder in malerische Landschaft über.


Akribisch suchte ich das Ufer ab. Es war hier so einsam, es gab so viel Wald mit Schilfgürtel am Ufer - es muss hier einfach Elche geben. Das Thema Elch Sichtung steht auf unserer Schwedenliste noch auf der to-do-Seite. Ha, ich seh was, da läuft was braunes durch den Wald zum Wasser. Ja, ja, jaaa.... zeig dich (die Kamera im Anschlag).... eine Kuh, mpfff. Bevor ich noch wahnsinnig wurde, kam zum Glück die Einfahrt in unsere heutige Ankerbucht. Ganz tief drinnen, kurz vorm Flachwasser hatte sich ein Bootsverein eine kleine Steganlage hingebastelt.


Da diese schon gut belegt war, warfen wir den Anker kurz davor ins Wasser, gruben ihn tief ein (mit dem Rückwärtsgang) und setzten uns bei schönstem Abendwetter mit einem Bier ins Cockpit. Man, waren wir müde. Wovon war uns irgendwie nicht klar. Schnell noch eine Pizza belegt, ab in den Ofen und mit einem schönen Glas Rotwein genossen. Das machte unsere Müdigkeit nicht gerade weniger. Also kämpften wir nicht lange und packten uns in die Koje - der nächste Tag sollte für uns mal etwas früher starten.

06.08. Fifång - Örskär
Segeln steht auf dem Programm  Also, auf unserem. Ob das Wetter das auch so sieht, wird sich noch zeigen. Kurz nach sieben steigen wir bestens ausgeschlafen aus der Koje und machen uns noch ein kurzes Frühstück. Noch ein wenig Aufräumen, Boot klarmachen und Ankerauf. Halb neun hatten wir die Insel schon hinter uns und fuhren zum Fahrwasser, welches uns südlich aus den Schären bringen sollte. Noch unter Motor, der Wind lag noch in den Federn.
Nach knapp 9 sm setzten wir Großsegel und Gennaker (das große bunte Vorsegel für schwache Winde) und ... bewegten uns immerhin vorwärts. 3,5 bis 5 Knoten (um die 7 bis 9 km/h) Geschwindigkeit sind jetzt nicht so der Bringer. Wir haben heute eine Strecke von über 60 sm vor uns, da geht Bummeln gar nicht. Also Großsegel runter, damit aller Wind ins Gennaker geht, noch ein bisschen Segeltrimm (Segelstellung verändern) und schon... kam mehr Wind auf.


Von da an düsten wir mit 5 - 7 ktn voran, was eine Ankunft vor Sonnenuntergang möglich machte. Wir hatten nicht viel Lust drauf, im Dunkeln in einer unbekannten Bucht vor Anker zu gehen
14 sm vor dem Ziel ging uns der Wind aus. Mit 6 - 7 ktn von schräg hinten ist eine dicke Bavaria nicht sonderlich zu beeindrucken. Gennaker runter, Motor an und der untergehenden Sonne entgegen.

Klarieren der Leinen vom Gennaker
Unsere Ankunt war eines kleines Rennen gegen die Sonne. Wer gewinnt? Liegen wir noch vor dem Sonnenuntergang vor Anker?





Und der Gewinner heißt: Ari!


Kurz vor Sonnenuntergang (hier oben: 19:37 Uhr) warfen wir den Anker - Mist, der rutscht. Wieder Ankerauf, an anderer Stelle neu gesetzt - hält. Aber jetzt würden wir von der einlaufenden Strömung in Richtung von Felsen getrieben. OK, Ankerauf (nein, wir haben keinen Hunger) und noch eine neue Stelle gesucht. Anker runter, eingegraben, den zweiten Anker diesmal mit ins Spiel gebracht und vom Heck aus versenkt, jetzt wieder ein Stück nach vorn fahren und beide Anker sind eingegraben.
Und noch vor dem Sonnenuntergang fertig. Erster!



Einer räumt das Deck auf, der andere macht Essen.... warm. Ja, heute gab es mal Dosenfutter. Und wir müssen leider zugeben, daß Kohlrouladen aus der Büchse echt lecker sind.

Hier noch, kurz vor dem Einschlafen auf der Tastatur, der heutige Track und ein lustiger Anker-Kringel:



Dienstag, 4. September 2018

04.09.18 Brückentag

Acht Uhr klingelte der Handy-Wecker. Heute aufstehen war irgendwie nicht schön. Der Abschied von Stockholm steht hämmernd vor der Tür.
Bei schönstem Wetter legen wir im Vasahamnen ab und tuckern langsam los. Wir verlassen Stockholm südlich von Södermalm. Auf unserem heutigen Weg bis Södertälje erwarten uns vier  Klappbrücken und zwei Schleusen, die unsere besondere Aufmerksamkeit benötigen. Alle anderen Brücken in Stockholm sind mit 25 m lichter Höhe hoch genug, um uns den Mast nicht vom Deck zu reißen. Normalerweise macht man vor einer Brücke ohne feste Öffnungszeiten an einem Steg davor fest und meldet per Funk, das man gerne durchfahren möchte. Das muss nicht immer sofort geschehen. Manchmal wartet der Brückenwart noch auf weitere Boote, damit sich die Unterbrechung des Verkehrs oben auf der Brücke auch lohnt.


Die erste Brücke des Tages, keine Seemeile vom Hafen entfernt, öffnet am Tag immer 38 Minuten nach der vollen Stunde (9:38 Uhr, 10:38 Uhr, usw). Wir kommen an, sind ein wenig früh, halten uns an praktisch verlegten Leinen am Wartesteg fest ...



... und genießen die Morgensonne. Pünktlich öffnet sich die Brücke. Erst ändert sich das Lichtsignal von dauerhaft rot auf rotes Blinklicht, dann ist die Brücke hochgeklappt, das Lichtsignal wechselt auf grün und wir rauschen durch. 
Na, das war ja einfach.
Die Stockholmer fahren nicht nur gerne zur See, sondern auch Ski. Also basteln sie sich ihr Skigebiet direkt vor die Haustür:



Neubau, aber schön. Und praktisch!
Die Schweden sind weltführend im umweltverträglichen Wohnungsbau.

Als nächstes kommt eine Schleuse mit Brücke davor:


Hier wird "auf Verlangen" geöffnet. Verfahren siehe oben. aber simsalabim - kaum kommen wir vor der Brücke an, signalisiert man uns (durch Änderung des Lichtsignals) , dass die Brücke geöffnet wird und damit auch in die Schleuse eingefahren werden darf. Schwupps, rein, schön bis nach vorne fahren (Quatsch eigentlich, kommt eh keiner weiter) und das Boot festmachen. Nein, das brauchen wir auch nicht. Von der Schleusenwand hängen in kurzen Abständen blaue Leinen herab. Daran kann man sich gut festhalten und das Boot damit gegen ein Vertreiben sichern:



Schleusentür hinter uns zu, vor uns schon mal einen Spalt auf und das Süßwasser des nun folgenden Mälarensees in großen Schlucken eingelassen. Ab hier wird es ein wenig anstrengender, das Boot am Patz zu halten - das Wasser strudelt ordentlich in die Schleusenkammer. Nach ca. 0,5 m höheren Wasserstands geht das Tor ganz auf und wir tuckern weiter. So geht das den ganzen Tag über. Bis auf zwei Brücken klappte alles, ohne das wir uns vorher anmelden müssen. Man sieht uns. Bei einer Brücke haben wir ein bisschen Wartezeit, eh sie geöffnet wird, aber kein Problem - wir haben ja Urlaub. Der Tag verplätschert als beschauliche Fahrt unter Motor durch die Außenbezirke von Stockholm, ...


Warten vor der nächsten Brücke ... 
 

... dann westlich durch den ländlichen Teil des Mälarensees ...


Auch hier gibt es intensiven Fährenverkehr

So ein Angeber :-)
Der See hat endlos viele kleine und große Inseln


Das lädt zu vielem ein, nur nicht zum Segeln.

Na, dann malen wir halt Wellen in das Wasser.

Bleibt bloß weg. Ja, wir blieben verschont.


... und von dort wieder nach Süden, über den Södertälje-Kanal nach Södertälje. Hier ist es nicht mehr ganz so schön - Kanal halt, dazu noch in Schleusennähe als eine einzige Baustelle.


Warten vor der letzten Brücke , im Södertäljekanal


Hier dann das große Finale mit einer Schleuse und kleiner Brücke am Ausgang. Gleich dahinter fahren wir in den Gästehafen des Ortes ein ....



... ähm, ja ... fassen wir ihn einfach mal mit "ganz praktisch" zusammen. Leider haben wir bis in den Abend Schwierigkeiten, das Liegegeld zu bezahlen. Kein Hafenmeister, kein Automat, kein Briefkasten (zum Einwerfen des Geldes). Eine im Internet gefundene Rufnummer wird am anderen Ende auch nicht bedient. Mehr können wir nicht tun, auch wenn mir das wie Schnorrerei vorkommt. Immerhin nutzen wir den Steg und haben sogar noch Saft auf dem Stromkasten. Aber unsere Möglichkeiten, uns ehrlich zu machen, sind damit leider erschöpft. Das Saisonende in Schweden macht sich wohl bemerkbar.

Morgen geht es weiter, nun immer südlich, um am Ende des Tages hoffentlich wieder in einer schönen Ankerbucht zu liegen. Von dort arbeiten wir uns Stück für Stück die Küste herunter. Am 11.09. wollen wir am Zwischenziel Kalmar ankommen. Mal sehen, was Wind und Wetter dazu sagen.

Montag, 3. September 2018

01.-03.09.18 Stockholm (sehr lang!)

Ich fasse die drei Tage in Stockholm mal zusammen. Die Zeit hier war zu schön, um etwas Zeit für den Blog abzuknapsen - sorry :-)

01.09.18 Hästelholmssundet (vor Anker) - Stockholm
Lange hatten wir wir hin und her überlegt. Erst den Schärengarten, dann die Stadt? Oder erst die Stadt "abhaken" und dann in die Schären? Beides hatte seine Vor- und Nachteile.
Durch die Treffen mit unseren Freunden erledigte sich das von selbst. Man traf sich "draußen", in den Schären, weil beide Boote Stockholm schon kannten. Jetzt waren wir also dran.
Der Regen hatte sich über Nacht ausgetobt. Am Morgen kämpfte sich die Sonne durch die dicken Dunstwolken und versuchte, das klitschnasse Boot trocken zu bekommen.

Unser Ankerplatz Hästelholmssundet
Gegen halb elf gingen wir Anker auf und tuckerten unter Motor Richtung Stadt. Unterwegs änderte ich nochmals die geplante Route. Sie sollte nicht komplett die große Haupteinfahrt entlanggehen. Dort rauschen aufgrund der Breite die großen Pötte rein und das ist nicht immer nur imposant, sondern kann auch anstrengend werden. Neben diesen erwarteten wir am Ende der Saison nochmals viele Stockholmer, die das schöne Wetter für eine letzte Ausfahrt mit dem Boot nutzen. Ja, hier endet der Sommer sehr früh, am 31. August ist hier offizielles Ende der Sommersaison.

Da kommen sie, die Stockholmer Wochenendler



Auf unserem Weg kamen wir unter anderem an Vaxholm vorbei, der Knotenpunkt vieler Fährlinien von "draußen" in die Stadt. Schon von weitem kündigte die Festung Vaxholm den Ort an ...


... und dann kamen wir am Hafen von Vaxholm vorbei. Was für ein Verkehr. Es ist Samstag - nicht nur die Fähren rasten kreuz und quer vorbei, sondern auch Boote aller Größe und Art düsten das Fahrwasser entlang:







Die Einfahrt in das Stadtgebiet war nicht minder beeindruckend. Neben dem Trubel auf dem Wasser - Mini-Motorboot bis großes Kreuzfahrtschiff - nahm uns die Schönheit der Häuser in der Stadt schier den Atem. Stockholm ist schön! Kurz vor dem Erreichen unseres Zielhafens drehten wir eine Runde, um uns Stadtteile wie Katarina-Sofia (💓) oder Gamlan Stan vom Wasser aus anzusehen.





Von alt und neu verfolgt









Dann ging es zum Hafen - Stockholm Vasahamnen (Wasahafen), direkt neben dem Vasa-Museum. Nein, nicht dem Knäckebrot, sondern dem großen Kriegsschiff mit der kuriosen Geschichte ist dieses Museum gewidmet.
Der Hafen wirkte viel kleiner als er auf der Seekarte aussah. Und eng! Harry fuhr vor dem Hafen noch eine Zusatzrunde, weil wir schon von draußen sahen, das bereits zwei Motorboote auf Liegeplatzsuche waren. Wir hatten zum Glück gegen einen Aufpreis einen reservierten Platz und deshalb keine Eile. Dachten wir.
Als wir am reservierten Platz mit der Nummer 8 ankamen, war dieser besetzt. Nur Nummer 7 war noch frei, aber wegen zwei ziemlich großen Motorboten links und rechts sehr schmal. Egal, was nicht passt, wird passend gemacht. Boote schwimmen und können sanft zur Seite gestupst werden. Vom Kai winkte schon ein Mann mit Liste in der Hand - ah, der Hafenmeister. Ja, nehmt mal die sieben. Da hat wohl einer gepennt .... ! Harry fuhr ganz sachte rein, ich schob hier und da Fender dazwischen, half mit dem Bootshaken nach, Leinen rüber zum Holzkai - ha, fest! Welcome in Stockholm!

Das große Gebäude im Hintergrund ist das Vasa-Museum


Da durch die Reservierung (übers Internet) schon alles vorab bezahlt war, holten wir uns beim Hafenmeister nur noch ein paar Hafeninfos, setzten uns danach ins Cockpit und genossen ein geteiltes Anlegerbier. Prost Stockholm, endlich haben wir dich geschafft!
Danach gingen wir in den einen knappen Kilometer entfernten Supermarkt und holten uns ein paar frische Lebensmittel. Nach der Rückkehr testeten wir das Servicegebäude des Hafens beim Duschen (dem hohen Preis angemessene Qualität) und ich startete einen kleinen Wäschemarathon. Da die (drei) Waschmaschinen bzw. deren Nutzung im Preis enthalten sind, kaperte ich mir gleich zwei davon und anschließend den riesengroßen Trockner. Am Abend brutzelten wir uns "Burger deluxe" mit viiieeel Fleisch und Bacon und allem, was dazu gehört. Lecker...



Harry stiefelte abends nochmal los, um von der Hafenumgebung ein paar Abend-/Nachtfotos zu machen.




Irgendwann polterte er wieder aufs Deck - im wahrsten Sinne des Wortes. Er war ziemlich verletzt. Im Dunkel der anbrechenden Nacht war er an einem Kai in ein Loch getreten und hatte sich dabei am Bein geprellt und den Handballen aufgeschnitten. Ich kümmerte mich um die medizinische Versorgung und steckte den armen Kerl anschließend ins Bett. Aus der morgigen Stadtbesichtigung wird wohl nichts werden ...


02.09.18 Das alte Stockholm
Strahlender Sonnenschein weckte mich. Die Behandlung des Gestürzten (Schmerzmittel, Desinfektion, Kühlung) zeigte Erfolge. Harry humpelte zwar, war aber "gehfähig". So ging es nach einem guten Frühstück auf, Stockholm vom Nahen zu betrachten.



Erste Station - da keine 300 m entfernt - das Vasamuseum. Hier steht die restaurierte Vasa, ein riesiges Kriegsschiff (Schiffstyp Galeone), das 1628 nach nur 20 minütiger Jungfernfahrt in den Wasser der Stadt versank. Hier klicken, dann kann man mehr dazu erfahren.
Als wir zum Haupteingang kamen, erblickten wir eine riesig lange Schlange Wartender. Aber vom Vorbeilaufen am Vortag wussten wir, dass man trotzdem nicht lange wird warten müssen. Keine 15 Minuten und wir standen vor dem beeindruckenden Schiff. Gut, zu schlecht zum Schwimmen, aber  auch nach Jahrhunderten noch imposant. Die Ausstellung rund um das Schiff war aufwendig und liebevoll gestaltet. Man erfuhr nicht nur alles über den Bau, die kurze Jungfernfahrt und das Versinken, sondern auch über das Auffinden 1956, die Bergung 1961 und die Restauration. Auch das Leben in Stockholm zur Zeit 1628 wurde sehr schön dargestellt.

Das Modell in Originalfarbe ... 
... und das Original, verblasst nach langer Zeit im Wasser


Nach gut zwei Stunden erblickten wir wieder das Tageslicht und liefen am Wasser entlang nach Gamlan Stan, der Altstadt, dem geschichtlichen Kern Stockholms. Wir wandelten durch kleine enge Gassen, gönnten uns Kaffee und Kuchen in beschaulicher Gegend, fanden den gut versteckten Aussichtspunkt "Katarinen Gångbro" auf der Nachbarinsel Södermalm und gingen dann über eine andere Ecke der Altstadt bis zum königlichen Palast. Hier setzten wir uns auf einer Treppe am Wasser in die Sonne und teilten uns eine unterwegs gekaufte kalte Dose "Mariestad" - gutes schwedisches Bier. Zurück ging es wieder am Wasser entlang bis zum Hafen.
Am Ende standen 14 km Fußmarsch auf unserem Tacho und dementsprechend kaputt kamen wir am Boot an. Nach kurzer Siesta gab es einen riesengroßen Topf voll Spaghetti mit Butter und viel Parmesan, dazu Rotwein. Stockholm muss gefeiert werden.
Wir waren müde, aber auch sehr glücklich. Stockholm ist so schön! So viele schöne Häuser, wunderschöne Parks, nette Menschen, Lebensfreude.
Abends schauten wir noch unsere hunderte Fotos durch und sortierten dabei kräftig aus.
Eine "kleine" Auswahl:

Guten Morgen Stockholm!

An einem Kai mit Schiffen, auf denen teilweise sehr kreativ gewohnt wird

Fähren, Fähren, Fähren ... sie fahren auch weit in den Schärengarten hinaus


In den Gassen von Gamlan Stan









Kaputt vom langen Tag, aber sehr selig

Das Vasamuseum von außen

03.09.18 Stockholm, zweiter Tag
Der gestrige Tag steckte uns noch in den Knochen. Gut, das wir uns heute für eine Stadtrundfahrt per Boot entschieden hatten. Am Frühstückstisch erledigte ich per Internet die Buchung und Bezahlung, so dass wir nur noch zum knapp einen Kilometer entfernten Anleger laufen mussten. Ab Mittag ließen wir uns mehr als zwei Stunden "Die Brücken Stockholms" zeigen. Das wir dabei auch einen Teil des morgigen Weges durch diverse Klappbrücken und eine Schleuse fuhren, kam uns sehr entgegen. Jetzt sind wir entspannt, was diesen Weg angeht. Danach trollten wir uns noch ein wenig durch den eher nördlichen Teil der Stadt. Natürlich unbedingt in die "Salushallen", eine Markthalle mit vielen Ständen mit vielen leckeren Sachen. Wir gönnten uns dort die sehr edlen Varianten von "Brot mit Roastbeef" und "Brot mit  Lachs",  ehe wir am späten Nachmittag - fast ohne ein neues Foto - wieder am Boot ankamen.
Hier standen noch ein paar Vorbereitungsarbeiten für die morgige Abfahrt an. Boot aufräumen und entmüllen, Wassertanks auffüllen, Duschen gehen, und, und, und.
Harry geht gleich ein letztes Mal auf Foto-Tour - auch die Abendstimmung hier und bei diesem Wetter ist fantastisch.



Morgen (Dienstag, 04.08.) werden wir Stockholm am Morgen über das südliche und westliche Stadtgebiet verlassen, über den Mälarensee in den Kanal gen Süden nach Södeertälje fahren und so endgültig die Rückfahrt antreten.
Ein Abschied, der weh tut. Wie schreib mir ein guter Freund mit Schmunzeln "... ja, es gibt auch schöne Großstädte ..." - Mistkerl 😋 aber Recht hat er. Ich bin zwar eine echte Berliner Pflanze, aber Stockholm ist im Kern wirklich schön, um Einiges schöner als Berlin. Mein Herz hängt spätestens seit meiner Zeit in Hamburg sehr am Norden.
Aber auch in Schweden gibt es aufgrund der Probleme mit den vielen Asylbewerbern einen Rechtsruck, kurz vor den Wahlen am 09. September. Ich wünsche mir, Schweden bekommt das besser hin als wir.

Noch haben wir gut zwei Wochen Zeit. Da uns das Wetter anscheinend gewogen ist, dreht der Wind pünktlich von ständig Südwest auf nördliche Richtungen. Schauen wir mal, wie lange uns dieses Glück erhalten bleibt.