Freitag, 24. August 2018

23./24.08.2018 Inselbummelei

... oder " Ich kaufe ein Ö"

23.08.18 Håskö - Ekö
Weiter durch die Schären ... was sonst. Wir genießen das Fahren zwischen den großen und kleinen Inseln, fast alle sind bewaldet, nur wenige - eher große - sind bewohnt. Beschauliche Ferienhäuschen, oft versteckt zwischen den Bäumen, aber fast immer am Wasser, finden sich dagegen oft. Ich habe mir schon so einige ausgesucht. Zu gerne würde ich hier viel länger bleiben und das Leben in den Schären richtig kennen lernen.



Heute haben wir uns wieder eine Strecke von rund 20 Seemeilen (knapp 40 km) zurechtgelegt und ein paar Ankermöglichkeiten in der Karte markiert. Gegen halb elf geht es nach einem gemütlichen Frühstück los. Die Sonne scheint (noch), wird sich aber im Laufe des Tages immer mehr hinter den Wolken verstecken. Es wird wechselhaft und mit kleinen Nieselschauern sollte man rechnen.
Wir bummeln bei Windstärke 3 so vor uns hin, genießen die wechselhafte Landschaft und fotografieren uns 'nen Wolf. Vier Knoten (keine 8 km/h) Bootsgeschwindigkeit grenzen schon fast an Raserei. Nach drei Stunden geht uns der Wind aus und so fahren wir die restlichen 8 Meilen unter Motor. Das hat auch den Vorteil, dass am Ende des Weges die Batterie voll geladen und der Boiler voll mit 20 l heißem Wasser ist.
Wir steuern Håskö an , nachdem uns der erste Ankerplatz an Lilla Käringskär nicht so recht gefallen hat. Da für den Abend mit Böen bis 28 Knoten (Windstärke 7) aus Südwest zu rechnen ist, suchen wir eine hohe, stark bewaldete Insel mit einem geschützten Ankerplatz. Auch wenn der Wind aus Südwest kommt, weht er durch den Kapeffekt auf der Rückseite gerne noch herum und kommt dann dort aus West oder Ost herumgewedelt. Das alles sollte beim Suchen der perfekten Ankerstelle berücksichtigt werden.
Auf der Nordseite von Håskö werden wir (nach einiger Diskussion unter der Besatzung) fündig.
Da wir das erste mal auch einen Anker am Heck des Bootes (hinten) ausbringen werden, sprechen wir alle erforderlichen Manöver gründlich durch. Das Setzen des Bugankers (vorne am Boot) funktioniert nicht. Da wir nah an der Insel sind, kratzen wir nur Unmengen von Wasserpflanzen vom steinigen Grund und finden keinen Halt. Plan B: wir bringen mit dem Board eine Leine vom Boot an Land, ziehen diese dort durch eine der (dafür vorgesehenen) Ösen im Fels und bringen zusätzlich den Heckanker aus. Gesagt, getan. Der Heckanker hält wesentlich besser. Wir liegen fest.





Harry macht sich auf, die Insel ein wenig zu erkunden, ich geh paddeln.

Leider nur ein Handyfoto...


Danach genießen wir den Abend bis zu den ersten Sternen im Cockpit - dann ruft schon die Koje.

Hier der heutige Track vom Donnerstag - und die Suche nach einem geeigneten Ankerplatz:











24.08.2018 Ekö - Hökö
Was wären die Schweden nur ohne "Ö"? :-)
Heute geht es etwas früher los - für den Nachmittag sind Regen und Gewitter angesagt.
So starten wir bereits um halb neun. Die Leine zum Land ist schnell eingeholt, danach hievt Harry den 16 kg schweren Heckanker mit 5 m Kette an der Ankerleine zurück ins Boot. Mangels Wind laufen wir unter Motor hoch zum Festland südlich Oxelösund. Eine gute Gelegenheit, um unterwegs Frühstück zu essen. Die geschmierten Semmeln kommen fertig ins Cockpit, der Autopilot steuert und wir beide passen auf ihn und die Umgebung auf. Vor dem Land lässt uns der Südwestwind schön segeln.



Und wieder schöne Häuser auf den Inseln

Knuffig

Mit 5-6 Knoten Geschwindigkeit bei 4 Beaufort Wind kommen wir bereits gegen 14 Uhr im Zielgebiet an. Da regnet es schon leicht. Mist - angesagt war das erst ab 15 - 16 Uhr. Die erste Insel taugt nichts: zu flach, zu offen, zu ungeschützt. Die Böen mit anfänglicher Windstärke 6 schießen hier kräftig in die Buchten. Fahren wir zur nächsten Insel rüber. Hier gefällt es uns schon besser. Von drei Seiten geschützt (Ost, Süd, West), etwas höher und gut bewaldet. Wir lassen den Anker fallen und graben ihn mit dem Rückwärtsgang tief in den tonartigen Seegrund - so hoffen wir jedenfalls.

Das kleine gelbe ist unser Ankerball - ein am Anker befestigter Gummiball zum Markieren der Position des Ankers

Das Wetter ist grau, es nieselt immer mal wieder, dann kommt die Sonne ein wenig durch - wir bleiben heute mal unter Deck. Gegen 20 Uhr sieht es Harry draussen blitzen, dann folgt schon der Donner. Sofort räumen wir Laptops, Tablets, Handys und Fotoapparate zusammen und packen sie in den kleinen Backofen - mit etwas "Tetris" passt alles rein. Wir hoffen, dass die Geräte dort bei Blitzeinschlag in den Mast etwas geschützt sind (Prinzip des Faradayscher Käfig).
Mit dem Gewitter kommen kräftig Böen rein, trotz der sonst gut geschützten Lage. Da draußen muss es ordentlich toben.

Da kommt das Gewitter angerollt


Ari wird am Anker ordentlich herumgeweht - der Anker hält, puh. Nach ca. 20 Minuten ist der Spuk vorbei und die Bucht wieder totenstill. OK, bis auf eine laute Ente und einen krächzenden Raben.
Wir telefonieren noch mit Freunden aus dem Heimathafen, welche sich Stockholm gerade per Boot vom Norden aus nähern. Das Treffen kommende Woche wird ein großes Hallo.

Hier in der Navi-Ecke schreibe ich den Post 
Morgen fahren wir, südlich von Stockholm bleibend, mal wieder in einen Hafen. Wir brauchen ein paar frische Lebensmittel und wollen die Wassertanks auffüllen. Noch ist das nicht dringend, es bietet sich nur gerade so an. Wir sind nun die fünfte Nacht hintereinander vor Anker. Meinetwegen könnte das noch ewig so weitergehen .... das Wasser im Tank reicht noch locker für weitere fünf Tage.

Der heutige Track - und wieder mit der Suche nach dem besten Platz zum Ankern:







Mittwoch, 22. August 2018

22.08.2018 Ganz auf die Ruhige

Nur keine Hektik, ganz langsam, nur die Ruhe ... das alles trifft auf den heutigen Tag zu. Wir haben total entschleunigt.

Nach einer erholsamen Nacht in unserer ruhigen Ankerbucht genossen wir ein langes Frühstück mit Brötchen und Rührei im Cockpit und ließen den Tag ganz ruhig angehen. Als letzes von den drei Booten hier legten wir gegen halbzehn ab und machten uns auf den Weg, weiter gen Norden, weiter gen Stockholm.

Bei Wind aus Süd bis Südwest eine sehr ruhige Sache. Auch die stärkeren Böen, die bis zu 21 Knoten (5 Beaufort) in der Spitze hatten, brachten uns nur noch besser vorwärts - aber alles in gemütlicher Ruhe. Bei unserem Weg durch die Schären befanden wir uns meist in der Windabdeckung einer der vielen Inseln, so dass zwar draußen auf dem freien Wasser der Starkwind tobte, hier "drinnen" aber gerade so Segelwind ankam.
Zweimal um die Ecke gefahren konnten wir zwei sich jagende Adler in der Luft beobachten. Später sahen wir nochmal einen einzelnen in der Luft. Das war schon faszinierend.





Der weitere Weg wurde nach anfänglichem Motoren gnadenlos "ausgesegelt". Ob viel Wind oder gar keiner, ob 6 Knoten Geschwindigkeit oder nur 2,5 ... wir ließen das Boot laufen, wie gerade von der Natur gewollt. Gerade dort, wo die Schären wegen ihrer dichten Aneinanderreihung kaum Wind durchließen, genossen wir bei wenig Fahrt die Natur und die seltenen kleinen Orte.


Meins ;-) - da möchte ich wohnen




Nach 26 Seemeilen durch dichtes Schärengebiet und die dünner gesäten Außenschären kamen wir in der ausgewählten Bucht an. Im Norden der Insel Håskö gehen drei nebeneinander liegende kleine Fjorde unterschiedlich tief in die Insel hinein. Ich wollte gern zu der östlichsten - und hatte damit einen Volltreffer gelandet. Seht selbst:



Wir liegen knapp 400 m tief im Inselinneren, gut geschützt vor den kräftigen Böen aus Südwest heute Nacht.
Nachdem der Anker tief in den Grund gefahren war, saßen wir glücklich grinsend bei einem geteilten Bier im Cockpit und genossen diese fantastische Aussicht. Anschließend paddelte ich Harry samt Fotoausrüstung an Land und erkundete selbst die beiden südlichen Enden dieser tiefen Bucht und kletternd den Felsen in der Mitte. Ein schwedischer Einhandsegler kam derweil zu uns in die Bucht und freute sich über die Hilfe beim Anlegen am Felsen.



Der restliche Abend verlief wie schon der ganze Tag: ruhig. Nach einem guten Essen setzten wir uns ins Cockpit und warteten, bis die Mücken wieder mit großer Armee die Herrschaft übernahmen. Immerhin durften wir noch bis kurz nach neun draußen bleiben :-)

Hier noch unser entspannter Track und ein Kartenausschnitt mit der heutigen Ankerbucht und unserer Position:






Dienstag, 21. August 2018

19.-21.08.2018 In den Schären

Hier in den Schären gibt es zwar tendenziell wesentlich besseren Internetempfang als zum Beispiel rund Rügen, aber auch wenig Stromversorgung, wenn man vor Anker liegt. Klar :-)
Deshalb werde ich meine Posts in den kommenden Tagen zusammenfassen, da der Laptop jetzt eine ganze Weile durchhalten muss. Aber Harry arbeitet schon an einer Möglichkeit, den Inverter an Bord fit zu bekommen. Dann folgen auch wieder mehr Fotos - vielleicht in einem reinen Foto-Post.
Fangen wir an:

Sonntag, 19.08. Kalmar nach Figeholm
Kurz nach 10 Uhr legen wir - etwas entspannter als beim Anlegen - in Kalmar ab. Unser Bootsnachbar (Schwede, geschieden, Überlebenskünstler, wohnt auf dem Boot) springt uns trotzdem vorsichtshalber bei und steht auf dem Steg bereit. Was mag er wohl von unseren Bootskünsten halten?? Egal, wir sind los - ab die Post Richtung Kalmarsundbrücke.
Wir passieren diese vorsichtshalber unter Motor. Nach unseren Erfahrungen von der Øresundbrücke kann es ziemlich tricky werden, mit aufgezogenem Segel unter solch großen Brücken durchzufahren. Die Physik des Windes um solch hohe Pfeiler herum ist sehr beeindruckend. Also durch unter Motor und die zweiten rund 40 Seemeilen des Kalmarsundes rauf nach Norden. Wir haben uns im Vorfeld der Fahrt ein paar Häfen und Ankerplätze von hier bis Stockholm in den elektronischen Karten markiert. Heute ist mein Traumziel Figeholm. Ein Naturhafen eines kleineren Orts, im Revierführer für die Ostschwedische Küste als "besonders reivoll" bezeichnet. Wir haben von Anfang an akzeptablen Segelwind. Bei 4-5 Beaufort aus Südwest geht es mit rund 6 Knoten Fahrt durchs Wasser den Sund hoch. Das Wetter macht heute einen auf besonders dramatisch. Große und kleine Regengebiete ziehen schnell über den Sund - die Regenlotterie beginnt.

Eine trifft uns sicher ...


Wird es diese Wolke? Oder die da hinten? Oder - ojee, das große Ding da drüben? Es war egal, irgendeine würde schon treffen. Natürlich, als ich gerade Ruderwache hatte. Es begann mit einem sanften Nieselschauer und ging in eine deftige Starkregendusche über. Alles kein Problem - unsere Segelsachen sind gut und halten uns locker trocken. Doof nur, wenn es mit 23 °C einfach zu warm fürs Ölzeug ist. So stand ich dampfend warm im Cockpit und wurde mit arsc...kaltem Wasser begossen. Alles im Spaßbereich ... frieren wäre schlimmer.
Nach knapp 30 Seemeilen bogen wir zum Festland ab und fuhren 10 Seemeilen später in diesem Urlaub das erste Mal in die Schären ein. Hach, schön. Steine im Wasser können so toll aussehen. Nach weiteren 10 Seemeilen kamen wir in Figeholm an. Der Himmel zog gerade wiedermal zu. Wir schnappten uns deshalb die erste gute Anlegemöglichkeit an Heckbojen und klarierten das Boot auf. In dem Moment, als wir fertig waren, kam eine weitere heftige Dusche herunter. Wir machten es uns erst unter der Sprayhood und später unter Deck gemütlich. Die Landschaft ringsherum war so schön, dass wir immer wieder raussahen. Bezahlt wurde bequem per App, es war kein Gestiefel mehr zum Hafenmeister nötig.
Unterwegs hatte Harry übrigens noch ein mittelschweres Problem (vorerst) behoben. Das Thermostat unserer Kühlbox hatte den Geist aufgegeben. Der Inhalt hatte schon die kritische Grenze von 8 Grad erreicht. Harry, der MacGyver des Segelsports, überbrückte die Schaltung über den Thermostat - mit einem Draht an der Steuerplatine. Jetzt können wir händisch entscheiden, ob volle Pulle gekühlt werden soll oder nicht. Lebensmittel gerettet. Doof ist nur, dass die Box, je nach Umgebungstemperatur, nach 1 - 3 Stunden wieder von 4 °C auf 7 °C "hochheizt". Also schleppen wir das Funkthermometer (der Sender liegt in der Kühlbox) ständig mit uns rum und kontrollieren, ob wir die Kühlung gerade wieder an- oder abschalten müssen - was für ein Spaß, besonders nachts ...

Der Gästehafen von Figeholm


Montag, 20.08. Figeholm - Äslö (vor Anker)
Bei wesentlich besserem Wetter standen wir gut ausgeruht auf, frühstückten, gingen im schnuckeligen Gästehafen ausgiebig duschen und machten zu guter Letzt das Boot klar. Von nun an ging es nur noch durch die Schären, was für ein Traum. Sommer, Sonne, blaues Wasser, 24 °C Außentemperatur - passt. Wir machten uns auch keine Sorgen mehr über fehlendes Licht am Abend - würden wir doch selbst ausreichend genug leuchten. Unser Weg führte uns direkt am Atomkraftwerk vorbei, welches beschaulich am Ufer stand .... grrg.
Unter heftigen Böen (nicht segelbar, da von vorn) fuhren wir die gewünschte Ankerbucht Äslö an. Hach ... toll. Ein Labyrinth aus mehreren kleinen und großen Buchten. Kaum war der Anker gesetzt und eingefahren, rollte ein heftiger Schauer heran. In seinem Schatten folgte nur noch Windstille. Und totale Stille. Kein Windgeräusch, keine Tiergeräusche - nix. Das Einzige, was man hören konnte, war das Rauschen des Blutes in den eigenen Ohren. Daran muss sich der Stadtmensch erstmal wieder gewöhnen. Zur Feier des Tages gab es scheibenweise tote Kuh mit leckeren Rosmarin-Bratkartoffeln und Schmandsoße - man gönnt sich ja sonst nichts. Wir saßen bis in die Dunkelheit im Cockpit, dann übernahmen die Mücken das Feld und wir flüchteten in die Koje.

In der Bucht vor Äslö


Dienstag, 21.08 Äslö - Kårö (vor Anker)
Ein Traummorgen. Wieder Sonnenschein, durch den Nordwind etwas kühler (morgens 15°C, später 18 °C) frühstückten wir unter Deck, setzten uns aber mit dem zweiten Kaffee ins Cockpit. Wir ließen uns Zeit, der Morgen war einfach zu schön. Nach Abräumen, Abwaschen und Boot klarmachen ging es weiter, die Innen- und Außenschären nördlich von Oskarshamn hoch. Mangels Wind eine reine Fahrt unter Motor. Es gab viel zu gucken, zu werkeln und/ oder auszuruhen - sofern man nicht am Steuer stand. Nach gut 26 Seemeilen tuckerten wir in eine der vielen Ankerbuchten in diesem Gebiet. Wir sind mittlerweile nördlich von Västervik - Stockholm rückt immer näher. Auch hier ist wieder alles knuffig, eine kleinere Bucht - geformt wie ein spitzes C, nach Osten hin offen. Bis zum Abend bekamen wir noch zwei Nachbarn, ein schwedisches Segelboot  und ein deutscher Segel-Katamaran.
Wir vertreiben uns die Zeit bis zur Nacht mit paddeln in der Bucht, schlafen, lesen, kochen, fotografieren ... Langeweile kam noch lange nicht auf.
Und so wird es auch in den kommenden Tagen weitergehen. Wir ziehen das Ankern vor und auch das Fahren durch die Schären statt durchs freie Wasser. Irgendwann am Wochenende oder kurz danach werden wir in Stockholm einfahren und das große Traumziel der letzten drei Jahre endlich erobern.

Unser schwedischer "Nachbar" am Eingang zur Bucht

Sonntag, 19. August 2018

18.08.18 Touchdown im Zwischenziel

Bestes Wetter nach einer verregneten Nacht.
Nach 12 Stunden komatösen Schlafs stehen wir munter, zufrieden und sehr erholt gegen 7.30 Uhr auf. Draußen scheint schon wieder die Sonne und trocknet fleißig das Bootsdeck.
Wir gönnen uns ein gemütliches und langes Frühstück unter Deck, klarieren das Boot auf und tuckern gegen 10:30 Uhr raus aus dem Hafen.
Der Wind meint es auch heute gut mit uns - wir haben perfektes Segelwetter: 20°C, Sonnenschein und ein sportliches Lüftchen mit 4-5 Beaufort (Bft) aus Südwest. Das brauchen wir auch. Unsere Dicke (das Boot!) ist bei raumen Wind (von schräg hinten) etwas träge und benötigt schon ordentlich Schub, um auf vernünftige Reisegeschwindigkeit zu kommen. Es dauert auch nicht lange und wir schießen bei bis zu 23 Knoten (6 Bft) Wind mit 8 Knoten Geschwindigkeit durchs Wasser. Die Welle baute sich bis auf einen Meter Höhe hinter uns auf und half mit, den dicken Bootshintern durch Wasser zu schieben.




Nach gut sieben Stunden Rauschefahrt und 39 Seemeilen im Kielwasser fuhren wir in den Hafen von Kalmar ein. Kalmar war ein wichtiges Zwischenziel für uns. Von hier aus sind es nur noch knapp 140 Seemeilen bis Stockholm, 200 Seemeilen liegen schon hinter uns - am dritten Urlaubstag, nicht schlecht.


Der Hafen war, wie zum Wochenende schon erwartet, ziemlich voll. Da fanden wir in einem Nebenbecken noch einen schönen Platz zum Festmachen an Heckbojen. Wie soll ich's sagen ... die Leine war Schuld. Zu guter Letzt lagen wir nach 20 Minuten Korrektur und etwas Hilfe von zwei Stegnachbarn endlich fest und machten drei Kreuze - und konnten auch schon wieder drüber lachen. Blöde Leine!!


Harry ging auf ein Dankeschön-Bier mit zwei Büchsen zum Nachbarn und ich wuselte ein bisschen unter Deck herum. Dann noch auf, für eine Stippvisite in die nahe Stadt. Und wieder einmal landen wir ungeplant in einer Großveranstaltung. Es sah nach Triathlon aus. Die ersten Teilnehmer schoben schon ihre Karbonräder durch die Gassen, da liefen so manche abgekämpfte Sportler noch durch die Altstadt. Was für ein Fest. Da es auch durch Nebengassen ging, führte die Strecke direkt an den Gärten der Restaurants vorbei. Jeder vorbeilaufende Teilnehmer wurde frenetisch bejubelt.





Zurück am Boot hatten wir Hunger. Abendbrot unter Deck, noch ein wenig Abendluft schnuppern im Cockpit, Fotos des Tages ansehen .... noch ein wenig Blog schreiben und wir fallen müde und zufrieden in die Koje.


Morgen geht es nochmal auf einen ähnlichen langen Schlag. Der Wind - so wie heute - kommt einfach zu günstig für unseren Kurs, um ihn ungenutzt zu lassen.

Hier noch unser Track von heute - leider nicht ganz von Beginn an:




Samstag, 18. August 2018

15.-17.08.2018 Traumstart ins Schärenglück

Endlich , der lange und lang ersehnte große Urlaub bricht an.
Sogar das Wetter spielt mit uns in einer Mannschaft und bringt statt tröger Hitze "normale Temperaturen" und segelbaren Wind auf den Weg.
Wohin soll es gehen? Auf diese Frage antworten wir normalerweise mit "wohin der Wind uns lässt".
Dieses Mal, nach Blick auf die Wetterkarten, heißt es zielsicher STOCKHOLM. Wir haben fünf Wochen Zeit für Schären, Wind, Sonne und Schweden pur.

Da wir den größten Teil der der Vorbereitungen für Boot und Proviant bereits am letzten Wochenende erledigt hatten, lief der eigentliche Urlaubsstart stressfrei ab. Chefin und Kollegen ließen mich am Mittwoch frühzeitig von der Leine, so dass wir bereits am Nachmittag mit den letzten frischen Lebensmitteln beladen aus dem "real" in Stralsund kamen. Als alles Eingekaufte und Mitgebrachte verstaut war, blieb noch genügend Zeit für ein schönes Abschlussbier.
Am Donnerstag legten wir bei schönstem Sonnenschein und leichtem Wind um halb neun Uhr morgens in Neuhof ab. Unser Plan: über den östlichen Strelasund und den Greifswalder Bodden raus, dann südlich Bornholm herum auf dessen Ostseite und von dort hoch Richtung Kalmarsund, der südlichste Teil von Schwedens Westküste.

Was für eine Schönheit - gesehen auf dem Greifswalder Bodden

Großes Gewusel am östlichen Ende des Greifswalder Boddens .... 

... hier wird für die neue Gas-Pipeline aus Russland gebuddelt.



Wir sind keine großen Helden, was Nachtfahrten angeht. Nein, nein, wir können gut genug sehen, kennen uns mit der Navigation gut aus, können auch die großen und kleinen Boote an ihren Lichtern gut deuten, aber ... die Sache mit dem Schlaf ist echt anstrengend. Also eher, der wenige Schlaf. Man kann in einer Zweier-Crew schlecht acht Stunden durchschlafen, weil das für den anderen bedeuten würde, acht Stunden am Steuer zu stehen. So teilen wir uns am Tag in 2-Stunden- Wachen und in der Nacht in 4-Stunden Wachen ein.
Hinzu kommt noch, dass der Wind, von schräg hinten kommend, sich in der Nacht zwar schöne 10 Knoten (4 Beaufort) hatte, in den Böen aber bis 28 Knoten (7 Beaufort) gehen sollte. Das ist Nachts nicht so schön, da man weder die Welle noch seine Segel sehen kann.
Aber alles egal, wir haben das durchgezogen. Es gab bei klarem Himmel einen traumhaften Sonnenuntergang ...


... anschließend eine sternklare Nacht mit tausenden Sternen und sogar freiem Blick auf die Milchstraße. Was es nicht gab, waren die angesagten Starkwindböen. Der Wind blieb bei 13-16 Knoten (4 Beaufort). Allerdings muss es südöstlich von uns heftiger gewesen sein, denn die Welle kam mit knapp einem Meter Höhe fast zu hoch für unsere Windverhältnisse rein. Ari quittierte das mit heftigem Rollen (Schaukeln über die Längstachse) bis zur Einfahrt in den Zielhafen.
Der gute Harry hatte seine Nachtwache sogar verlängert, weil ich momentan etwas angeschossen bin. Um drei Uhr löste ich ihn nach 6 Stunden Wache gehen dann aber doch ab und genoss die letzte Stunde Sternenhimmel, bevor ich mich gut eineinhalb Stunden am Schauspiel des Sonnenaufgangs von der Dämmerung bis zum ersten wärmenden Sonnenstrahl ergötzen konnte. Das macht trotz aller Müdigkeit endlos gute Laune, ich strahlte mit der Sonne um die Wette.
Um 10:30 Uhr legten wir im noch leeren Hafen Sandhamn an.




Bis hierher waren es 170 Seemeilen, für die wir 26 Stunden gebraucht haben. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen stiefelten wir 1,5 km in den Ort, gönnten uns ein Eis und anschließend ein lecker Abendbrot:  selbstgemachte Burger.


Sandhamn liegt am südlichen Eingang des Kalmarsund. Mit der langen Überfahrt hatten wir auf dem Weg alle uns schon bekannten Häfen auf Bornholm und in Südschweden ausgelassen und betraten endlich mal wieder unbekanntes Terrain. Von hier aus geht es nun in kleineren Schritten die Ostküste weitere 170 Seemeilen hoch , bis wir Stockholm erreichen.
Damit haben wir am zweiten Urlaubstag bereits die Hälfte der Strecke bis Stockholm geschafft - das war uns jedes Gähnen wert.

Hier noch unser Törn auf der Karte: