Sonntag, 18. Juli 2021

06.07.2021 Von Neuhof nach Tjäro

 

Dienstag, 06. Juli 2021

 

Nach unzähligen Wetterrecherchen hatte ich mich gestern für ein Wetterfenster entschieden, welches mich, weitestgehend unter Segeln, in die Region Südost-Schwedens blasen sollte. Für den Nachmittag hatte ich mir noch einen Termin für einen Corona Test ins Stralsund gebucht. Eine Apotheke hatte diesen dort in der von mir benötigten englischen Übersetzung angeboten. So bin ich jetzt vollständig gegen Corona geimpft und habe einen negativen Coronatest. Es kann losgehen. Auf nach Schweden.

 

Um 08:15 starte ich den Motor, löse die Leinen und auf geht es. Noch während ich meinen Heimathafen in der Nähe von Stralsund verlasse, fällt mir auf, dass die Logge nicht funktioniert. Die Logge ist ein analoger Tachometer auf Booten und wird durch ein Unterwasser befindliches Geberrad angetrieben. Dieses simple und grundsätzlich gut funktionierende Patent kann jedoch leicht dadurch gestoppt werden, dass ein Fremdkörper das Geberrad in seinem Gehäuse blockiert. Auf dem freien Wasser fahre ich daher mehrfach abwechselnd rückwärts und dann wieder vorwärts. Da hatte sich bisher in solchen Fällen bewährt. Doch heute Fehlanzeige. Ich entschließe mich auf die Logge zunächst zu verzichten und mich später in Schweden darum zu kümmern.

 

Eine Viertelstunde später geht es weiter. Ich werfe einen Blick auf mein Tablet. Dort habe ich vor dem Start einen Track mit der von mir gewünschten Route erstellt. Ich hatte diesen Track auch beim Ablegen gestartet. Das Tablet setzt dann kontinuierlich GPS-Punkte auf die Karte, wodurch später die gefahrene Route nachvollzogen werden kann. Doch das Tablet hat im Augenblick keinen GPS-Empfang und somit passiert nichts. Was für ein Törnbeginn – und Erinnerungen an den Start 2019 werden wach. 

Ich fahre mangels Wind noch unter Motor, während der Autopilot Ari steuert. So habe ich Zeit unter Deck zu gehen und das Reservetablet zu aktivieren. Ich gebe erneut meine Wunschroute ein. Inzwischen hat das Tablet auch GPS-Empfang und zeigt mir meinen derzeitigen Standort als kleines, rotes Dreieck mit Kursstrich auf der nautischen Karte an. 

Zurück im Cockpit bemerke ich, dass der Plotter immer wieder mal sein GPS-Signal verliert, was er durch einen Piepton, der alle fünf Sekunden ertönt, akustisch mitteilt. Auf dem Display erscheint dann parallel der Hinweis: „GPS-Signal verloren“. Ich bestätige mit OK. Der Fehler ist zunächst weg, wird mich aber auf meinem Törn noch des Öfteren und in unterschiedlicher Intensität begleiten. Das verunsichert mich schon etwas. Die einzige Alternative wäre jetzt umzudrehen, zurück in den Hafen, … - … nein, nein, nein, … ich will jetzt gar nicht daran denken. 

Gegen 10:00, ich befinde mich noch im Strelasund kurz vor der Einfahrt in den Greifswalder Bodden, habe ich nun 10 Knoten Wind (3 Beaufort) aus SE (Südost). Bei einem Kurs von jetzt 90° segelbar. Ich setze Groß- und Vorsegel, schalte den Motor aus, 5 Knoten Fahrt (gute 9 km/h), das geht in Ordnung.

Strelasund, südlich Palmer Ort

 

Mittags briest es wie vorhergesagt auf. 14 bis 17 Knoten Wind, das entspricht 4 Beaufort. Ich befinde mich bereits auf dem Weg aus dem Greifswalder Bodden, Höhe Thiessow, in die freie Ostsee. 

Höhe Thiessow
 
Links unten auf dem Plotter liegt Thiessow.



Das Gerät links unten ist die Logge, die immer noch auf Null steht. Darüber die aktuelle Angabe der Wassertiefe: 7,7 m; unten in der Mitte, das Bedingerät für den Autopiloten, der aktuelle Kurs: 029°; unten rechts die Windanzeige mit der Windrichtung und der Windstärke: 14,2 Knoten.

Ich mache gute 7,5 Knoten Fahrt, rund 14 km/h. Im Augenblick sind es sogar 7,9 Knoten. Hier draußen hat die See geschätzt einen halben Meter (Welle). Da ich mich mangels richtigem Segelwetter, dieses Jahr noch nicht an das Auf und Ab gewöhnt habe, wird mir etwas flau im Magen. Da ich mir beim Einhandsegeln Seekrankheit nicht leisten kann, nehme ich vorsichtshalber eine Reisetablette.

 

Begegnungen mit der Großschifffahrt östlich von Rügen

Nordstream II, ebenfalls östlich von Rügen

Im Augenblick ist nichts zu tun. Der Autopilot steuert und ich habe Zeit einfach nur zu genießen. Ich befinde mich östlich Rügens mit einem schönen Blick auf die Insel. Kurs Bornholm. Der Wind hat beständig vier Beaufort. Gegen 14:00 eine Funkmeldung, Bremen Rescue hat eine Mitteilung zu einem StandUp Paddler in Not erhalten. Irgendwo in der Nähe von Lauterbach. Das liegt im Greifswalder Bodden, da wo ich herkomme. Der Funkspruch von Bremen Rescue richtet sich an ein Boot der Wasserschutzpolizei, das sich in der Nähe aufhält. Die Wasserschutzpolizei bittet um nähere Hinweise. Bremen Rescue: negativ.

Kurz danach. Funkspruch von Bremen Rescue: Jemand hat gemeldet, dass ebenfalls vor Lauterbach ein Kind in einem roten Schlauchboot abgetrieben sei. Die Wasserschutzpolizei stellt zunächst die Suche nach dem StandUp Paddler ein und sucht das Kind. Der Hafenmeister von Lauterbach setzt sich in sein RIB-Schlauchboot und sucht nach dem StandUp Paddler.

Da der Hafenmeister kein Funk an Bord hat, steht er über Mobilfunk mit einem Segler in Verbindung. Der Segler meldet über VHF (den maritimen Funkkanal), dass der Hafenmeister vor Lauterbach keinen StandUp Paddler sehen kann und gibt die Mobilfunknummer an Bremen Rescue und die Wasserschutzpolizei weiter.

Das Kind im Schlauchboot ist kurze Zeit später gefunden. Von dem StandUp Paddler fehlt jede Spur. Eine Stunde ist vergangen. Bremen Rescue hat einen neuen Hinweis. Es handelt sich um zwei StandUp Paddler und diese sollen sich nicht in der Nähe von Lauterbach, sondern östlich der Insel Vilm, in der Nähe der Entmagnetisierstation befinden. Die Suche wird verlagert. Auch andere Segler, die sich in der Nähe befinden, melden, dass Sie keine Paddler ausmachen können.

Inzwischen ist Rügen aus meiner Sicht schon deutlich in die Ferne gerückt. Gegen 15:30 meldet Bremen Rescue die Aufhebung der Suchaktion. Die Feuerwehr habe die beiden StandUp Paddler gerettet.

15:45: Bremen Rescue funkt eine polnische Segelyacht an. Ein Surfer in der Nähe von Glowe (nordöstliches Rügen) sei in Not. Wieder gibt es keine Details. „Please have a sharp look out” ist die Anweisung an die polnische Yacht. Mehrere Funksprüche folgen, doch der Pole kann zunächst niemanden in Not sehen.

Inzwischen bin ich etwa 15 Seemeilen (rund 28 Kilometer) von Rügen entfernt, als die Umrisse der Insel im Dunst verschwinden. 6 Seemeilen vor mir taucht an Backbord (links) auf Peilung 11:00 ein riesiges Feld mit Windrädern auf. Diese Windkraftanlage befindet sich auf etwa halber Strecke zwischen Rügen und Bornholm.

Die Logge läuft wieder

Im Hintergrund der Offshore Windpark zwischen Rügen und Bornholm

16:02, Bremen Rescue, die Suche wird eingestellt, der Surfer ist gefunden.

Kurz vor 18:00 kommt auf Peilung 01:00 die Westküste von Bornholm langsam in Sicht. Besser gesagt, erste Umrisse deuten sich an. Beiläufig nehme ich irgendeinen Warnhinweis, zu irgendwelchen Unterwasserarbeiten bei Bornholm unterbewusst auf und vergesse sie gleich wieder. Bei Halbwind von 4 Beaufort mache ich, inzwischen mit gerefften Segeln, so um die acht Knoten Fahrt. Die Lufttemperatur beträgt 21° C, Wohlfühltemperatur! Ich bin total entspannt und freue mich, dass die Törnplanung bezüglich des Windes so gut geklappt hat. Ich bin richtig schnell unterwegs. So darf es bleiben. Knapp die Hälfte der für den ersten Tag geplanten Distanz habe ich bisher geschafft.

Gegen 20:30 ein Funkspruch: „Ari, Ari, Ari – this is …“ bin ich gemeint? Die Frage an mich selbst ist natürlich nicht, ob unser Boot Ari heißt, sondern ob der Rufende am Funk tatsächlich Ari gesagt hat. Auf einem Segeltörn ist es aufgrund der Begleitgeräusche recht laut und daher nicht immer alles einwandfrei zu verstehen.

Kurz darauf ein weiterer Funkspruch: „Ari, Ari, Ari – this is …“. Ich nehme das Bedienteil unseres Außenfunkgerätes am Steuerstand in die Hand. „This is Ari“ melde ich, doch es kommt keine Antwort. Wenige Minuten Später: Erneut der Funkspruch: „Ari, Ari, Ari – this is …, come on“. Ich nehme meine Funke: „Ari is listening“. Keine Reaktion. Ich hege den Verdacht, dass unser Außenfunkgerät möglicher Weise eine Art Wackelkontakt haben könnte. Als ich zum vierte Mal angefunkt werde gehe ich schließlich unter Deck in die Navigationsecke. Dort ist unser „Hauptgerät“ und siehe da, man hört mich.

Der hier funkt mich an ...

Ein Sicherheits-Begleitschiff eines großen Arbeitsschiffes, das sich rund drei Seemeilen vor mir befindet, hatte mich angefunkt. Aus irgendwelchen Gründen war wohl ein Sicherheitsabstand von 2,5 Seemeilen zum Arbeitsschiff einzuhalten, den ich zu verletzen drohte. „Please go on course zero-six-zero and follow us. So you will be safe”. Ich bestätige: “course zero-six-zero, I follow you”. Gott sei Dank kann ich aufgrund des bisherigen Halbwindkurses auf 060° abdrehen. Andernfalls hätte ich die Segel einholen und den Motor starten müssen. In einem zweieinhalb Meilen Radius führt mich das Begleitschiff nun gegen den Uhrzeigersinn um das Arbeitsschiff herum. Eine halbe Stunde später lande ich so fast vor dem Hafen von Rönne, einer Kleinstadt mit größerem Hafen an der Westseite Bornholms.

Das ist das Arbeitsschiff. Darüber eine interessante Wolkenformation.
 

Ein letzter Funkspruch des Begleitschiffes erreicht mich: „Ari, Ari, Ari. Now you are safe. Thank you for your cooperation“. Ich bedanke mich ebenfalls und segele meines Weges Richtung Norden.

Die Sonne geht bald unter ...

Auf dem Plotter ist hinter der Uhrzeit das Verkehrstrennungsgebiet zu erkennen.

 

Ich befinde mich nun zwischen Bornholm und einem VTG (Verkehrstrennungsgebiet) in dessen Nordwesten. Ein VTG ist eine Art Autobahn für die Berufsschifffahrt, besser gesagt die dicken Pötte der Berufsschifffahrt. Dort ziehen Containerschiffe, Tanker, Passagierfähren und dergleichen auf separaten „Fahrspuren“ ihre Bahnen. Ihre AIS-Signale kann ich auf meinem Plotter sehen. Klicke ich eines dieser Schiffe auf dem Plottermonitor an, so öffnet sich ein Fenster mit diversen Schiffsdaten. Woher, wohin, Kurs, Schiffsart, Schiffslänge und unter anderem für mich am wichtigsten …

CPA – Closest Point of Approach, bedeutet: Wie nahe werden wir uns kommen, wenn beide Fahrzeuge denselben Kurs beibehalten   und

TCPA – Time to Closest Point of Approach, bedeutet: Wann wird das der Fall sein.

Da ich wenig später den Kurs dieser Großschiffe nördlich des VTG kreuzen muss, sind die Informationen zu CPA und TCPA von entscheidender Bedeutung für mich und tragen auch ganz erheblich zur Entspannung bei, wenn man genau weiß, ob eine Begegnung eng wird oder wir in großem Abstand einander passieren werden. Der Clou – das Segelboot hat grundsätzlich „Vorfahrt“ gegenüber den motorgetriebenen Schiffen. Doch wer möchte schon einen Containerriesen herausfordern, der im Zweifel viele Kilometer „Bremsweg“ hat. Also ist jeder auf See bemüht, den anderen so wenig wie möglich zu behindern.

Es wird eine unspektakuläre Fahrt durch die Nacht.

Um 02:00, es ist Mittwoch, geht mir der Wind aus, wie es der Seewetterbericht vorher gesagt hatte. Ich hole die Segel ein und starte den Motor. Die weniger als 30 Seemeilen bis zum geplanten Ziel lege ich dann mit Maschinenkraft zurück. Rund fünf Stunden werden ich so bis Tjärö, einer inzwischen liebgewonnenen Insel an Schwedens Küste brauchen. Ich male mir bereits aus, wie der Anker in der Bucht von Tjärö fällt. Gleichzeitig kommt ein wenig Sorge auf. Der Ankerplatz könnte überfüllt sein, denn ist es Hochsaison und – wird der Anker auf dem Grund der Bucht guten Halt finden, denn in den Seekarten fehlen für diesen Ort diesbezüglich die Angaben.

Gegen Drei Uhr früh wird es zu dieser Jahreszeit schon langsam hell und ich langsam aber sicher müde. Zwei Stunden später fängt es an zu regnen. Der Regen wird mich, wenn auch nachlassend, bis kurz vor mein Ziel begleiten.

Sonnenaufgang

 

Als ich in die Ankerbucht von Tjärö einlaufe, liegen dort nur zwei Boote. Ich habe also ausreichend Platz zur Auswahl. Mit meinem ersten Ankerergebnis bin ich nicht zufrieden. Ich treibe zu dicht ans Ufer und habe nicht das Gefühl, dass der Anker gut hält. Also den Anker aufgeholt und noch einmal von vorne. Nach dem zweiten Versuche fühle ich mich besser. Um 07:29 trage ich ins Logbuch: „Motor aus – Anker auf 6 m Tiefe, Kettenlänge 25 m“.

Gegen 08:00 falle ich ins Bett und werde erst neun Stunden später aufwachen.

17:00   Die beiden Boote haben inzwischen die Bucht verlassen, ohne dass ich irgendetwas gehört hätte. Ich gönne mir eine ausgiebige Dusche an Bord. Zum Abendbrot gibt es Pizza – ein fertiger Pizzaboden, den ich mit Öl bestreiche, Oregano, Rosmarin und Käse darüber, dann ab in den Gasofen. Zum Schluss kommt auf die fertige, heiße Pizza dann Serano Schinken. Ein Paar frische Tomaten schneide ich mir auf und esse sie dazu. Perfekt für mich!

Doch weil die Welt nicht ganz perfekt sein darf und die des Seglers schon gar nicht, meldet sich, zum Glück erst nach dem Essen, der Ankeralarm. „Das Schiff driftet ab“ ist dort zu lesen. Ich vergleiche diese Information mit den Trackaufzeichnungen von Plotter und Tablet. Im Augenblick sehe ich keinen Grund etwas zu ändern. Langsam wird es dunkel draußen und ich habe noch zwei, drei weitere Ankeralarme, die zwar nicht mit den Trackaufzeichnungen in Einklang stehen, aber ein Ankermanöver in der Dunkelheit möchte ich vermeiden. Daher entschließe ich mit noch einmal Anker auf zu gehen und ihn dann einige Meter weiter erneut fallen zu lassen. Gesagt, getan! Ich fühle mich jetzt besser und habe erst einmal Ruhe. Die Sonne ist unter gegangen.

Sonntag, 4. Juli 2021

Es ist wieder soweit

Es ist wieder soweit ...

Wie lange habe ich darauf gewartet, das schreiben zu dürfen?   Morgen sind es genau 21 Monate!

2020 war seglerisch für uns fast ein Totalausfall. 103 Seemeilen (rund 191 km) hatte die zurückgelegte Gesamtdistanz betragen. Coronabedingt, aber auch wegen der teils sehr zaghaften Winde an der Ostsee, hatten wir uns für Urlaub in den Bergen entschieden.

2021: Am 17. April das Boot geriggt. Am 18. April der Saisonauftakt mit rund 10 gesegelten Seemeilen. Dann erst einmal coronabedingte Zwangspause bis zum 29. Mai. Katrins Urlaub war schon zu einem Drittel vorbei, als wir endlich wieder als Bootseigner in Mecklenborg-Vorpommern einreisen durften. Zwei Wochen vor den "Normaltouristen". In diesen zwei Wochen erkundeten wir aufgrund der Einreiseverbote in Skandinavien die deutsche Ostseeküste und schauten uns einige Hansestädte an. 251 sm (= 465 km) waren wir auf dem Wasser unterwegs. Meist kaum schneller als in Schrittgeschwindigkeit. Tolles Sommerwetter , aber sehr wenig Wind. Immerhin ein Anfang. Doch seither - Wochenden fast ohne Wind. Die Prognose für die nächsten Tage - kaum besser.

Egal - es ist wieder soweit und ich will los! 3 Monate soll der Törn dauern und mich in die nördliche Ostsee, irgendwo zwischen Schweden, Finnland und vielleicht die Baltenstaaten führen. Wieder werde ich Katrin Mitte August in Stockholm treffen. Zusammen werden wir dann 5 Wochen dort verbringen, wo der Wind uns hinbläst.

Am Wochenende haben Katrin und ich noch ein paar Kleinigkeiten am Boot erledigt. Ari ist startbereit. Die Verpflegung kaufe ich morgen ein. Getränke, Diesel und Wasser sind bereits gebunkert. Etwas Statistik gefällig?

An Bord haben wir 270 Liter Diesel. Bei einem Verbrauch von knapp 3 Litern pro Stunde können wir damit fast 4 Tage unter Maschine fahren und würden in dieser Zeit, abhängig vom Seegang, etwa 550 Seemeilen (rund 1.000 km) Strecke zurücklegen können. Aber wer will das schon freiwillig auf einem Segelboot.

Es gibt zwei Wassertanks mit einem Gesamtvolumen von 360 Litern. Das Wasser nutzen wir zum Kochen und Waschen. Bei einem Verbrauch von ca. 25 Litern pro Person und Tag komme ich alleine gut 14 Tage aus, ohne sparen zu müssen. Moment mal. Rechnet die Wissenschaft statistisch nicht mit einem Verbrauch von eher 150 Liter pro Person und Tag? RICHTIG - aber große Teile des Wassers, das wir verbrauchen, schicken wir durch unsere Toilette. Auf einem Boot wird mit Seewasser gespült. Das restliche Wasser benötigen zu Hause Geräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler oder auch Balkon- und Zimmerpflanzen usw.

Getränke sind ein wichtiger Posten mit dem man richtig Geld sparen kann, wenn man Sie in Deutschland kauft. Besonders, wenn es um alkoholische Getränke geht und das Urlaubsziel Skandinavien ist. Gebunkert haben wir rund 180 Dosen Bier, 70 Flaschen alkoholfreies Wernesgrüner. Für meinen Geschmack das einzige alkoholfreie, das die Bezeichnung Bier zumindest annähernd verdient hat. 30 Liter Cola, 50 Liter Mineralwasser, 8 Flaschen Rotwein, 3 Flaschen Rum, 1 Flasche Gin, 1 Flasche Baileys, damit der Kaffee nicht so langweilig schmeckt und für meine Rückfahrt im Oktober eine Flasche Glühwein.

Das macht rund 250 kg Zuladung alleine für die Getränke. Mit den Wasser- und Dieselvorräten liegen wir dann bei 880 kg. Mit den Nahrungsmitteln, Laptops, Fotoausrüstung, etc. ist die Tonne in etwa voll und Ari wiegt startbereit nun rund 9.500 kg. Regattatauglich geht anders, aber eben auch nicht mit so viel kulinarischen Genüssen.

Täglich studiere ich mehrfach die unterschiedlichen Wettermodelle der Seewetterberichte. Eines haben Sie alle gemeinsam: Zu wenig Wind und dazu noch aus ständig wechselnden Richtungen. In der nördlichen Ostsee sieht es etwas besser aus, als in der Region um Rügen. Das lässt ein wenig hoffen.

Sollte ich mich dazu entscheiden Dienstag Morgen loszusegeln, muss ich mir morgen, Montag, noch bis 17.oo Uhr in Stralsund einen Coronatest in englischer Sprache besorgen. Ohne diesen schickt mich die schwedische Küstenwache wieder nach Hause, sofern ich angehalten werde. Und es wird kontrolliert auf der Ostsee!


Donnerstag, 10. Oktober 2019

Statistik - Der Törn in Zahlen


Unterwegs war ich von Montag, dem 8. Juli bis Samstag, den 5. Oktober 2019. Das waren 89 Tage bzw. 12 Wochen und 5 Tage.

Zurückgelegt habe ich in dieser Zeit 1.440 Seemeilen (2.667 km). 854 Seemeilen (59%) unter Segeln, 586 Seemeilen (41%) unter Motor. Der Motor lief in dieser Zeit knapp 135 Stunden (rund fünfeinhalb Tage), größtenteils als Antrieb, aber auch im Leerlauf während der vielen Anker- und Hafen-Manöver sowie als Stromgenerator zum Laden der Batterien. Verbraucht habe ich auf diese Weise knapp 290 Liter Diesel, durchschnittlich 2,2 Liter pro Stunde.

Ein Etmal habe ich nur auf der ersten Etappe der Hinfahrt aufstellt. Es beträgt 160,7 Seemeilen, rund 298 km, in 24 Stunden Fahrzeit. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit hatte demzufolge rund 6,7 Knoten (12,4 km/h) betragen.

Unterwegs war ich in der östlichen Ostsee in den Ländern  Aland, Dänemark, Finnland und Schweden.
In den 89 Tagen habe ich 47 Orte besucht, davon 20 in Häfen und 27 vor Anker. Insgesamt habe ich 33 Tage vor Anker verbracht, 11 davon am Stück. Durchgehend 9 Tage lang habe ich in dieser Zeit kein Land betreten, sondern mir die Natur, außer vom Boot, nur per Kajak angeschaut.

Die Landkarte zum Törn mit allen Häfen und Ankerplätzen, die wir angefahren haben.
  Alle Häfen sind namentlich benannt.
  Die Ankerplätze aus Platzgründen nicht.

Der Hinweg ist rot, der Rückweg grün markiert.



Doch nach dem Törn ist vor dem Törn und so haben wir schon viele Ideen, wo es in den nächsten Jahren hingehen könnte. Dazwischen liegt aber erst einmal ein langer Winter, in dem sich die Segelaktivitäten auf Wartungsarbeiten und Optimierungen an der Ausrüstung beschränken.

Wenn es etwas zu berichten gibt, werde ich das tun. Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.

Dienstag, 8. Oktober 2019

04.+05.10.2019_Zurück zum Start

4. Oktober


Nun ist es soweit. Alle Vorbereitungen sind getroffen. Ich bin startbereit, aber es ist erst Mittag. Heute soll es nach rund 3 Monaten Ostseetörn auf die letzte Etappe Richtung Heimathafen gehen. Doch ich muss noch etwas warten. Seit Tagen suche ich mir passende Wetterfenster zwischen Starkwind und Flaute, so auch heute. Erst um 16:oo soll der Wind soweit gedreht und aufgefrischt haben, dass er mich mit Raumschotkurs (achterlichem Wind) 'gen Rügen schiebt. Im Augenblick jedoch, holt der Wind erst mal Atem. Später darf ich dann um die 18 kn (5 Bft) bis 28 kn (7 Bft) in den Böen erwarten. Die See ist mit einer signifikanten Wellenhöhe von 1,2 m vorhergesagt. Das ist noch absolut im Wohlfühlbereich. Nur der für die gesamte Nacht und Strecke vorhergesagte Regen ist es weniger. Abwarten, eine Vorhersage ist ja auch nicht mehr als eine Hochrechnung von Wahrscheinlichkeiten des Eintritts verschiedener Wetterszenarien und gibt ausreichend Raum für Überraschungen.


Um 16:1o ist es dann soweit. Ich starte die Maschine, lockere die Festmacher testweise und stelle fest, dass mich der Wind bereits vom Pier wegdrückt. So kann ich vorab die schützenden Fender einholen und dann die 3 Festmacherleinen nacheinander lösen. Soweit so gut, aber ich liege mit dem Heck zur Ausfahrt in einem relativ kleinen Hafenbecken. Yachten, wie die Ari, kann man unter Idealbdingungen auch fast auf der Stelle wenden. Segelschulmäßig "Auf dem Teller" durch mehrfaches Vorwärts und Rückwärts der Maschine oder durch einen beherzten Gasstoß bei voll gelegtem Ruder. Ich entscheide mich für letzteres, doch dass erweist sich als Fehler. Als sich nach fast vollendeter 180°-Wende der Bug durch den Wind schieben soll, erfässt mich eine der ersten stärkeren Böen des Tages. Folglich wird der Durchmesser meines Wendekreises größer und ich befinde mich plötzlich unangenehm nah an einem der festgemachten Motorboote. rückwärts ist kaum Raum, weil dort das Hefenbecken endet und so treibt mich der Wind längsseits gegen das Motorboot. Glücklicher Weise hat dieses nicht nur zwei Fender draußen, sondern auch noch eine längsseits über die gesamte Länge verlaufend Gummilippe. Dort drückt sich Ari gegen. Als die Böe vorüber ist nutze ich die Chance, mich aus der Situation unter leichten Gasstößen und einigem Quitschen des Gummis zu befreien. Das hätte auch einen bleibenden Schaden an einem der Boote hinterlassen können. Glück gehabt!


Als ich den Hafen Nexö verlasse, hat sich schon etwas Welle aufgebaut. Bis zum Setzen der Segel muss ich noch einige hundert Meter gegenan. Das schaukelt und spritzt ordentlich. Wenig später ist das Großsegel voll gesetzt und ich notieren im Logbuch: "16:28 - Motor aus" und natürlich den Rest aller erforderlichen Daten. Noch bin ich nur mit unter 5 Knoten unterwegs, doch aufgrund der angesagten Böen, möchte ich nicht mehr Segel setzen. Außerdem möchte ich auch nicht zu früh ankommen, sprich, nicht zu schnell sein. Katrin möchte nämlich zum Einlaufen in Neuhof sein. Geplant habe ich für die anstehenden 100 Seemeilen eine Fahrzeit von 16 bis 17 Stunden. Ich wäre dann zwischen 8:oo und 9:oo morgens in Neuhof und Katrin will ja von Berlin aus anreisen.




Die Nachtfahrt verläuft recht unspektakulär obwohl die Windspitzen 32 Knoten erreichten, und die das ungereffte Groß problemlos wegsteckte.

Auf den großen Schifffahrtslinien zwischen Bornholm und Rügen ist heute Nacht nicht viel los und so treffe ich nur wenige dicke Pötte. Als ich dann gegen 6:oo morgens in den Greifswalder Bodden (südöstlich Rügens) einlaufe, wird es langsam hell. Regen habe ich auf der Fahrt immer nur vorübergehend gehabt. Die überwiegende Zeit blieb ich trocken. Das geht natürlich nicht und so erwischt mich anderthalb Stunden vor der Ankunft auf Höhe  Palmer Ort  ein eisiger Schauer samt Starkwind. Das Thermometer zeigt noch 9°C Lufttemperatur, während ich das Gefühl habe, mir würden gleich die Hände am Steuerrad anfrieren. Doch eine Viertelstunde später ist alles vorbei und der Wind ist weg. Ich hole das Großsegel ein. Unter Motor geht es jetzt die letzten 6 Seemeilen bis in den Heimathafen.

Bei der Anfahrt sehe ich schon jemanden am Schwimmsteg stehen. "Das kann nur Katrin sein" und so ist es dann auch. Um 8:40 liege ich fest in unserer Box und schalte den Motor aus.

99,2 Seemeilen in 16,5 Stunden ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von genau 6 Knoten. Nicht rekordverdächtigt, aber ich war ja auch nur unter Großsegel unterwegs. Dafür war es ein sehr entspannter und sicherer Törn.

Ein paar statistische Daten zur gesamten Reise reiche ich in den kommenden Tagen nach.


Donnerstag, 3. Oktober 2019

02.+03.10.2019_Südwärts, südwärts, bis Bornholm!

Mittwoch, 2. Oktober


Um fünf Uhr früh klingelt mein Wecker, denn ich möchte bei Sonnenaufgang bereits den Hafen verlassen. Heute steht ein Törn von 90 Seemeilen an, und der Wind einigermaßen günstig. So bleiben mir rund zwei Stunden für Frühstück und Törnplanung. Um kurz nach sieben knipse ich im Hafen noch das folgende Foto, kurz bevor die Sonne aufgeht.

Vorbei am südlichsten Zipfel von Öland ...

Der Tag beginnt mit 4 Beaufort und einer ordentlichen Welle gegen die ich im Anwindkurs anzufahren habe. Das ergibt keine rekordverdächtigen Geschwindigkeiten und so ziehen sich die Meilen bis Bornholm.

 Sie kommen von rechts und von links ...
... mal kleine Wellen ...

... dann wieder größere ... 

Hinein in den Sonnenuntergang ...

Es ist Zeit die Positionlichter einzuschalten. Die am Bug sieht man nur, weil sie gerade die Gischt bunt färben.

Durch Spritzwasser auf der Linse fast wie ein Aquarell
Um kurz vor 23:oo mache ich dann im südlich gelegenen Nexö, Bornholm, fest. Nach einem schnellen Abendessen falle ich wie tot in die Koje. Es ist erstaunlich, wie das dauernde Schaukeln durch den Wellengang am Körper zehrt.


Donnerstag, 3. Oktober


Um 8:oo holt mich mein Wecker aus dem noch komaähnlichen Schlaf. Nach einem Kaffee und einem Blick in den Seewetterbericht entscheide ich, heute noch nicht in die Heimat zu fahren. Der Wind würde mir heute nach zwei Drittel der Strecke von noch insgesamt etwa 100 Seemeilen ausgehen. Die Knochen tun mir weh, mein rechtes Handgelenk schmerzt und muss geschont werden. Ich lege mich in die Koje und wache erst am Nachmittag wieder auf. Jetzt fühle ich mich zumindest ausgeschlafen, der Rest schmerzt immer noch.

Zeit für etwas Bewegung, die ich mir beim Gang zum Hafenmeister und auf einer kleinen Fotorunde durch den Hafen verschaffe. Der Liegeplatz kostet 280,- Dänische Kronen inkl. Electricity. Der Hafen selbst vermittelt den Eindruck, er haben schon deutlich bessere Zeiten gesehen. Alles ist alt und sieht auch so aus. Und, mir fehlen die schwedischen Blumenkübel. Für eine Nacht wird es gehen.




Hafenbecken reiht sich an Hafenbecken ...
Und dann finde ich doch noch eine Perspektive, aus der alles nicht ganz so trostlos wirkt:

Das liest sich auf einer komunalen Seite ganz anders:

Nexø

Ganz im Osten von Bornholm liegt die mit knapp 4.000 Einwohnern, zweitgrößte Stadt der Insel, Nexø. Einst um den kleinen Hafen gegründet, hat sich Nexø bis heute zu einer bedeutenden Hafenstadt entwickelt. Das Stadtbild von Nexø bietet eine harmonische Mischung der Gebäude aus Alt und Jung sowie Hafenmilieu und lebendigem Treiben am Marktplatz. Dort kann man gut durch die kleinen Geschäfte bummeln, in einem der Cafes und Restaurants einkehren oder einen Museumsbesuch machen. Für Urlauber auch sehr wichtig, in Nexø findet man Geldautomaten verschiedener Banken. Auch Nexø hat eine schöne Kirche. Das Gebäude aus der Spätgotik ist im Vergleich zu den anderen Kirchen auf Bornholm jedoch recht jung. Um die Kirche herum zeigt sich Nexø von seiner verträmten Seite. Enge Gassen, Kopfsteinpflaster und die Farbenfrohen Fachwerkhäuser bilden die Kulisse für schöne Urlaubserkundungen.

Da hat natürlich jeder Tourist eine andere Betrachtungsweise.

Das Einzige, dass hier aus meiner Sicht unbedingt einen Besuch lohnt, ist der am westlichen Stadtrand Nexøs  gelegene Schmetterlingspark. Dort sind in einem ehemaligen Gewächshaus über 1.000 Schmetterlinge aus aller Welt zu bestaunen und da diese an den Menschen gewöhnt sind, auch leicht zu fotografieren.

Morgen geht es zurück in die Heimat. Der Wind soll laut Wettervorhersage günstig stehen. Für die anstehenden 100 Seemeilen (rund 185 km) plane ich 15 Stunden ein (aber was läuft schon nach Plan?). Nach einer vorübergehenden Schwachwindphase mit drehenden Winden, soll sich gegen 17:oo ein beständiger Nordostwind mit 15 bis 22 Knoten Starke einstellen. Das verspricht zumindest eine schnelle und einigermaßen entspannte Fahrt. Wenn ich hier gegen 18:oo starte sollte ich um 10:oo in Neuhof, dem Heimathafen, sein. So die Theorie.

Ich bleibe gespannt und weiterhin neugierig, wie das ausgeht.



01.10.2019_Waschtag

Dienstag, 2. Oktober


Ein Tag, eigentlich ganz nach meinem Geschmack. Das Segel schon am Hafenausgang setzen können, ganztags segelbarer Wind mit 5 - 6 Beaufort, relativ glatte See, da sich hier im Kalmarsund bei Südwestwind keine hohe Welle aufbauen kann.

Doch dann wurde es sportlich. Ich war mit ordentlich Krängung unterwegs und musste per Hand steuern, da sich der Autopilot etwas zickig anstellte. Mit etwas Sorge beobachtete ich das Kajak auf dem Vordeck. Dieses ist nur mit einer dünnen Leine am vorderen Tragegriff des Kajaks angelascht. Das war auch bisher nie ein Problem. Offensichtliche hatte ich den ganzen Urlaub über nie Starkwind von steuerbord gehabt, denn jetzt begann das Kajak über das Vordeck zu wandern. Das hatte es bisher nie getan. Natürlich wäre es sinnvoll gewesen es überhaupt mal festzuschnallen, dachte ih mir jetzt. Aber hätte, würde, sollte, hilft mir jetzt auch nicht weiter. Ich musste also einen Kurs finden, den der Autopilot steuern konnte, zum Beispiel mit Wind von achtern. Das tat ich dann auch und nutzte die Zeit, um mit einer zweiten Leine das Kajak zu sichern. Dieses Manöver hatte mir allerdings einige hundert Meter Höhe gekostet, weswegen es jetzt noch schwieriger geworden war, meinen Zielort ohne lästiges Aufkreuzen zu erreichen.


Mitten im Kalmarsund wurde ich dann von einem kleinen Schwarm etwa sperlingsgroßer Vögel in einem Abstand von nicht mehr als 10 Metern überholt. Diese kämpften genau wie ich gegen den Wind und waren auch nicht wesentlich schneller. Irgendwie ging mir durch den Kopf, was wohl Walt Disney aus dieser Szene gemacht haben würde und welche textlichen Inhalte er die Vögel hätte denken oder sprechen lassen.

Von Kalmar aus gesehen wird der Sund nach Süden hin deutlich breiter und die Wellen höher. Dadurch wurde der Bug von Ari vielfach überspült. Das war zunächst ein Heidenspaß, der dann sein Ende fand, als ich im Zielhafen die Bugkajüte betrat. Ein Riegel des Oberluks hatte sich ein wenig gelöst, so dass ein guter Teil des Meerwassers beim überrollen des Bugs ins Innere gelangte.

Damit die Matratze so nass wurde, wie unten zu sehen, musste das Wasser zuvor erst einmal durch zwei übereinander liegende Bettdecken sickern.


Meine Trockenaktion - Es war ein Waschtag für Boot und Bettwäsche


Mein heutiger Hafen, Grönhögen, befindet sich an der Südwestküste von Öland. Als ich bei ordentlich Dünung in den Hafen einlaufe mache ich mir Gedanken, ob die Tiefe der Einfahrt wohl ausreichen wird. Doch alles geht gut und der Hafenmeister steht bereits bereit um mich einzuweisen und mir die Leinen zu belegen. "My Name is Peter" begrüßt er mich mit Handschlag. Überhaupt kümmert er sich wie ein Vater um seinen einzigen Gast des Tages. Als er dann auch noch mitbekommt, dass mein Bettzeug nass ist, darf ich einige Sachen kostenlos in den Trockner stecken. Doch es ist schon spät und als ich die Decken nach einer Stunde aus dem Trockner hole sind sie nicht trocken, sondern nur deutlich weniger nass. Damit Peter nach Hause kann, sage ich nichts und trockne den Rest im Boot fertig. Schlafen muss ich heute so oder so in der Gästekajüte, denn die Matratzen passen schlecht in den Trockner.





Während der Trockner noch arbeitet, mache ich einen kurzen Rundgang durch den Hafen und auch zum Strand. Ich entdecke einen nicht mehr als Kniehohen Apfelstrauch voll mit Miniäpfeln.




Surfer gab es heute nicht zu sehen ...




... dafür aber einige Versteinerungen. Typisch Öland.



Leider habe ich morgen keine Zeit weiter zu suchen. Ich muss zurück in den Süden.

Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.


30.09.2019_Ein Tag in Pastell

Montag, 30. September


Um kurz nach 11:oo verlasse ich Sandvik und schieße noch ein Abschiedsfoto. Schön war ´s hier ...


Der Tag hat an Wind nicht viel zu bieten. Es herrscht fast völlige Windstimme, das Wasser ist glatt. Ein Motortag. Doch, da auch immer die Sonne zwischen den Wolken hindurchscheint, ergibt sich ein wunderschönes Naturspektakel. Eine Traum von Pastell.

Bei encycolorpedia.de steht hierzu:
"Die Farbe pastellblau mit dem hexadezimalen Farbcode #6a93b0 ist ein Farbton von Cyan-blau. Im RGB-Farbmodell enthält #6a93b0 41.57% Rot, 57.65% Grün und 69.02% Blau. Im HSL-Farbraum hat #6a93b0 einen Farbtonwinkel von 205° (Grad), 31% Sättigung und 55% Helligkeit. Diese Farbe hat eine ungefähre Wellenlänge von 481.35 nm."

Aber, frei nach Ricola:  "Wer hat´s erfunden?"   Die Franzosen!   Im 16. Jahrhundert wurden jährlich aus den Blättern des rund einen Meter hohen Färberwaids, der im Frühling das Lauragais (liegt zwischen Toulouse und Montpellier) in ein gelbes Blütenmeer verwandelt, die begehrteste Farbe des Mittelalters gewonnen: Pastelblau (schreibt sich auf französich übrigens nur mit einem "l").

Ich lasse einfach die Fotos sprechen ...





Einen in der Ferne treibenden Fender nehme ich vorsichtshalber auf. Ich kann aber auf dem Foto nichts genaues erkennen. Auch Minuten später schwimmt das schwarze Ding unbewegt an der Wasseroberfläche und verschwindet langsam aus meinem Blick. Erst abends beim Auswerten der Schnappschüsse erkenne ich, was ich da sah ...


Damit ist meine Wunschliste, abgesehen von der noch offenen Schule von Schweinswalen, vollständig abgehakt.

Schlossruine Borgholm, gebaut im 11. Jh., durch ein Feuer zerstört im 19. Jh.

 Hindurch unter der Kalmarsundbrücke bin ich auch schon in der gleichnamigen Stadt, dem Ziel des heutigen Tages.







Gleich morgen früh wird es weiter gehen.