Mittwoch, 7. August 2019

06.-07.08.2019_Ankern in den Schären_Teil 6

Dienstag, 06. August, Myrholmen – Gällnö-Hemfladen

Vom Donner geweckt, verlasse ich mein Bett, um mir im Cockpit ein Blick von der Lage zu verschaffen. Es ist kurz nach 8:00 Uhr. Der Himmel sieht etwas bedrohlich aus, das Wasser ist spiegelglatt, dann fallen die ersten Regentropfen. Mehrere Graureiher erheben sich in die Lüfte. Gut, es sieht mehr nach Flucht aus. Liegt es an mir, weil ich nur im Slip bekleidet bin oder weil ich unerwartet auftauche? Egal.
Wenig später wärmt der Backofen den nur 16°C warmen Salon. Es duftet nach Kaffee und frischen Brötchen. Draußen prasselt der Regen. Ich frühstücke und sehe mir währenddessen den Seewetterbericht auf dem Tablett an. Anschließend plane ich die heutige Route und lege potenzielle Ankerplätze fest, die zur angesagten Windrichtung passen.


Der Regen hat inzwischen aufgehört und die Sonne ist an der einen oder anderen Stelle hinter den Wolken zu erahnen. Das Wasser ist wieder spiegelglatt, als wäre nichts gewesen.

So habe ich heute den Heckanker aus dem Wasser gezogen. 


Ton und Reste einer kelpartigen Wasserplanze. Das lasse ich jetzt während der Fahrt in der Sonne trocknen. So lässt es sich am Ende besser reinigen.

Als ich die geschützte Bucht verlasse fällt mir auf, wir haben 4 Knoten Ostwind. Vorhergesagt waren 9 Knoten Südwind. So wird das heute sicher kein Segeltag, aber der Tag ist ja noch nicht zu Ende.

Habt Ihr Euch auch schon gefragt: „Wie baut man eigentlich auf einer Schäre und wie kommen die Baustoffe, Baugeräte und -maschinen dort hin?“ Nun, zum Beispiel mit einem solchen Spezialschiff, das nicht nur LKW transportieren kann, sondern ihnen ermöglicht, über eine Rampe direkt vom Schiff auf die Schäre zu fahren.


So geht es natürlich auch

Und dann war es soweit. Ein wenig Wind – direkt von achtern – das geht nur im „Schmetterling“ (ein Segel auf Backbord – das andere auf Steuerbord). Das erfordert sehr konzentriertes Segeln von Hand, denn bei nur wenigen Grad Abweichung von der Ideallinie fällt eines der beiden Segel zusammen (unseemännisch ausgedrückt).



Schärenromantik ist, wenn Du im Winter in diesem Pavillon mit einem heißen Glögg sitzt, und in den Sonnenuntergang schaust.



Wer hier lebt, sollte von Beruf her Schriftsteller sein, sonst hast Du einen aufwändigen Weg zur Arbeit.



Das ist die modernere Häusergeneration, wie wir sie schön öfter in der Nähe schwedischer Städte gesehen haben. Vorteil, sie gehen von weitem farblich in der Natur unter und die großen Fensterflächen lassen viel Licht und Wärme hinein.




Durch Zufall in der Ferne entdeckt. Auf diesem im Wasser stehenden Betonfundament befindet sich eine vielleicht 30 – 40 cm hohe Skulptur einer knienden Rubensdame. Neben ihr hat sich eine Möwe niedergelassen:


Ein stolzer Graureiher
Beeindruckend und bedrohend zugleich.

Mein heutiger Ankerplatz. Das Panoramabild verzerrt die Perspektive. In natura bin ich durch die Ufer fast eingeschlossen, wie auf einen Binnensee.


Wir befinden uns jetzt bereits im Stockholmer Schärengarten. Bevor ich Freitagmittag im Stockholmer Vasahamn einlaufe, habe ich nur noch einen Zwischenstopp am Donnerstag geplant. Einen Tag bleibe ich also noch hier.




Mittwoch, 07. August,  Gällnö-Hemfladen

Der Tag startet mit Sonnenschein bei leichter Bewölkung und angenehmen 23°C den gesamten Tag über. 

Um das Boot herum schwirren rund ein Dutzend blaue Libellen kurz über der Wasserfläche hin und her. Da sie sehr schnell fliegen, kann ich sie mit dem Fotoapparat nicht einzeln fokussieren. So entsteht nachfolgendes Bild, auf dem man überwiegend das Seegras erkennt. Es ist die Sorte Libellen, die ich bereits im Figeholm-Post verewigt hatte. Das hiesige Seegras wiederum, gehört zu einer robusteren Sorte. Für mich bedeutet es, dass es sich nicht, wie vor drei Wochen geschehen, um den Anker schmiegt und damit kaum ablösbar ist. Im Gegenteil kann man diese Sorte durch mehrmaligen Heben und Senken von Anker und Ankerkette weitestgehend lösen. Es sollte morgen also weder Überraschungen noch Probleme damit geben.



Meine heutige Kajaktour führt mich zwischen den einzelnen Inseln dieses Archipels hindurch.



Stellenweise wächst das Schilf in den Flachwasserbereichen so weit abseits des Ufers, dass es die Durchfahrten zwischen den Inseln schließt. Es entstehen neue Biotope. Das habe ich auch schon an anderen Ankerplätzen feststellen können (auch im Vergleich mit der Seekarte).


Heute bin ich beim Paddeln auf eine Familie von Wildgänsen gestoßen, die auf einem flachen Felsen einer bewaldeten Schäre, nahe des Ufers ihre Mittagsruhe machte. Ein Tier beobachtet, während die anderen augenscheinlich schlafen. Um sie nicht zu stören, habe ich den Fotoapparat nicht bemüht, sondern bin in einem kleinen Kreis um die Tiere herumgepaddelt ohne offensichtlich hinzugucken. Man hat mich registriert, ein zweites Tier hat den Hals gereckt, mich als ungefährlich eingestuft, also keine Flucht, weiterschlafen.
Warum ich das so ausführlich beschreibe? Es ist mein Eindruck, dass im Rahmen des Umweltschutzes Tiere gerne so dargestellt werden, als wäre eine Koexistenz mit dem Menschen nicht möglich. Daher bräuchten einige Tierarten sogar völlig isolierte Lebensräume, um nicht auszusterben. Ich halte das nur für bedingt richtig. Meiner Erfahrung nach geht es hier nicht um die Frage nach dem OB (… das so sein muss), sondern vielmehr WIE wir mit Wildtieren umgehen. Ein wenig Abstand, Respekt und Einfühlungsvermögen genügen in den meisten Fällen und die Begegnung ist für beide Seiten (Tier und Mensch) von „Interesse“. Tiere wissen ohnehin das wir da sind, bevor wir sie überhaupt bemerken. Das gilt für den scheuen Graureiher (siehe Blog vom 26. Juli, Saltö), für einen Steinbock, Gams oder Murmeltier in den Alpen, oder auch für diverse Haie, sobald du im Meer baden gehst. Sie wissen, dass du da bist! Du wirst registriert, ggf. beobachtet und manchmal hast du das Glück, dass man sich gegenseitig mit Neugier beobachtet. Das ist dann der Augenblick in dem Du Dein Handy zückst und schnell ein Foto, oder besser noch ein Selfie mit Tier schießt. Eine aufregende Begegnung für Mensch und Tier – oder nicht? Ich habe freilebende Seerobben in Dänemark gesehen, die sich sichtlich in der Situation geaalt haben, von diversen Menschen am Strand fotografiert zu werden. Respektsabstand vorausgesetzt und anfassen verboten – das versteht sich von selbst.
Die wahren Verbrechen an der Tierwelt gehen ohnehin nicht vom „Privatmann Mensch“ aus, sondern sind rein wirtschaftlich geprägt. 
Ich schweife ab.

Mal ein anderer Blick auf den Ankerplatz. Und ja, das ist Meerwasser – kein Binnensee!

Etwa 200 m von meinem Ankerplatz entfernt liegt diese kleine Restauration, die offensichtlich ganztägig gut besucht ist. Wer nicht ohnehin mit dem Motorboot unterwegs ist, lässt, wie einige der ankernden Segelyachten, sein Dinghi zu Wasser und rudert oder motort dort hin. Ein wahres Idyll.


Morgen geht’s es zur letzten Ankerbucht bevor ich am Freitag in Stockholm einlaufe. Ab nächster Woche berichten Katrin und ich dann wieder gemeinsam und zwar aus den Ålands, die zwischen Stockholm und Finnland liegen und dem großen Archipel vor Turku (finn. Festland).


Dienstag, 6. August 2019

03.-05.08.2019_Ankern in den Schären_Teil 5




Samstag, 03. August 2019, Nynäshamn – Söder-Viken

Es war ein unspektakulärer Segeltag – aber, es war ein Segeltag! Kurz vor 11:00 Uhr verließ ich Nynäshamn zusammen mit einer ganzen Flottille anderer Segler, als hätten wir uns verabredet gehabt. Weil ich noch unter Motor fuhr, war ganz entspannt Zeit für ein paar Fotos.




Eine schwedische Fähre macht ihren Fahrgastwechsel. Links der Yachthafen. Vor der Fähre, ein Ende weiter rechts, liegt dann das Industriegebiet (s.u.). Der Camper ist weg, aber mein Sattelschlepper steht noch dort.





Und als der hier an mir vorbeiflog, kam mir der Gedanke, dass „Taxifahrer“ in Schweden auch kein schlechter Job sein muss. Vorausgesetzt auf dem Wasser …:



Ich hatte heute eigentlich guten Wind mit 4 Beaufort. Der kam mir allerdings, wie meist, mehr oder weniger direkt entgegen. Also kreuzte ich die gesamte Strecke. Da sich der Wind auf keine genaue Richtung einigen konnte, pendelte er so vor mir hin und her, was mich dann letztendlich in Schlangenlinien segeln lässt. Der heutige AIS Track dürfte lustig aussehen.





Der Tag hat mich Stockholm rund 15 Seemeilen näher gebracht, wofür ich wegen des Kreuzens über 20 Seemeilen gefahren bin. 17 Seemeilen davon gesegelt. Damit bin ich zufrieden. Ich habe eine schöne Bucht gefunden und eine Runde mit dem Kajak gedreht.
Luftlinie bin ich nur noch 19 Seemeilen vom Vasa-Gästhamn Stockholm entfernt. Um dort über das Wasser hinzukommen, sind es geschätzt aber noch etwa 50 Seemeilen Entfernung. Ich habe noch sieben Tage Zeit. Das halte ich für schaffbar :-)



Mein heutiger Ankerplatz

Flechten an einem Granitfelsen, fast wie gemalt




Sonntag, 04. August Söder-Viken nach Myrholmen (Björnö)

Morgens, 9:30 Uhr, in Schweden, gibt es …, nein – keine Knoppers, obwohl ich welche da habe. Sowohl die klassischen Waffeln, als auch die Riegel. Ich habe auf der bisherigen Reise überhaupt kaum genascht, muss ich gerade feststellen.
Dafür habe ich mich heute zum Frühstück mit meinem letzten Kardamom-Knut belohnt. Sechs hatte ich vorsorglich gekauft – man weiß ja nie. Nun sind sie alle. Ich muss dringen zu ICA. Aber mal ehrlich, sehen die Dinger nicht lecker aus? Tässchen Kaffee aus der Pressokanne dazu. Ein handfestes Frühstück, wie es alte Seebären lieben :-)





Wo war ich stehen geblieben? Genau, morgens, 9:30 Uhr, in Schweden, habe ich heute meine Anker gelichtet. Der Himmel ist grau, vereinzelt fallen ein paar Regentropfen und mit 13°C ist es heute noch vergleichsweise kühl.
Aus meiner Bucht auslaufend, habe ich auf meiner Steuerbordseite einen Kormoranfelsen. Während einige bereits nach der letzten Futtersuche ihre Flügel zum Trocknen spreizen, sind andere noch dabei ihr Frühstücksbuffet auf dem Wasser zusammen zu stellen. Nun lässt es sich nicht vermeiden, dass sich ab und zu meine Fahrroute mit der, der Kormorane schneidet. Sie flüchten, jedoch immer in meiner Fahrtrichtung, um sich dann einige Meter vor meinem Boot wieder in ihr Wasserbüffet zu begeben. Das wiederholt sich mehrmals. Hatte ich mal erwähnt, dass in Afrika Gnus ein ähnliches Ansehen genießen, was ihre Intelligenz betrifft?
Während ich wieder Mal unter Motor gegen den kaum vorhandenen Wind fahre, kommt mir dieses Boot mit einem wunderschönen roten Gennaker entgegen. Das ist ein Segel, speziell für raumen Wind (Wind von schräg hinten) mit 2-3 Beaufort. Es ist alleine in etwa so groß, wie die komplette Standardbesegelung eines Bootes zusammen. Funktioniert, wie alle Segel, leider nur nicht, wenn man gegen den Wind fährt.







An einer Engstelle passiere ich relativ dicht einen Felsen, auf dem sich einige Möwen und Schwäne versammelt haben. Gut, denke ich mir, das macht sich heute gut im Blog. Aber – keines dieser Mistviecher schaut in die Kamera, lieber steckt sich der Schwan in der Mitte den Kopf in den Ar… (Entschuldigung):






Zwischen Dalarö im Norden und Ornö im Süden befindet sich an einer Gruppe kleinster Inseln, eine heißt: „Faglarö Island“, diese Wasser-Burganlage. Ein Name ist im Web nicht zu finden. Daher ist es vermutlich keine öffentliche Burg. Schön gelegen und in gutem Zustand ist sie allemal. Koordinaten (ca.): 59°05,9‘ Nord / 018°22.8‘ Ost





Autofähren, wie diese, fahren oft nur als „Brückenersatz“ zwischen zwei Straßenanbindungen, für einige hundert Meter oder wenige Kilometer, hin und her.








Alles, was man braucht:
Ein Dach über dem Kopf, Holzfeuer und mit dem Kanu zum Fischen rausfahren. Die Holzstelen rechts sind übrigens keine elektrische Oberleitung, sondern vermutlich etwas zum Aufhängen und Trocknen. Bärenfelle oder so … :-). Das kann man auch auf den höher auflösenden Originalfotos nicht erkennen.





Oder, wer es gerne etwas luxuriöser hat …, ist gerade keiner Zuhause, denn die Nationale weht nicht:





Und wieder einer, der mir mit Rückenwind entgegen kommt. Der hier fährt im sogenannten „Schmetterling“, d. h. ein Segel an steuerbord, das andere an backbord.



In dieser Bucht haben schon einige Boote festgemacht. Wie in Schweden oft üblich, wird in diesem Fall erst der Heckanker so ca. 30-40 Meter vor dem Felsen ins Wasser geworfen. Vorher sollte man ihn an eine entsprechend lange Leine geknotet haben, sonst ergibt es keinen Sinn. Währenddessen fährt man mit seinem Boot weiter auf die Schäre zu und lässt die Ankerleine langsam und auf Spannung auslaufen. Wenige zig Zentimeter vor oder auch über dem Felsen muss das Boot dann aufgestoppt werden, während eine zweite Person vom Bug des Bootes auf die Schäre runter oder rüber springt, um den Festmacher direkt am Felsen zu fixieren. Sind keine fertigen Ösen oder Ringe in den Granit gebohrt, so sucht man sich schnell eine andere Lösung. Ein in Ufernähe wachsender Baum tut es auch. Ist nichts vorhanden, so nimmt man Hammer und Schärennagel. Kein Witz. Es gibt im Bootszubehör tatsächlich Metallstifte unterschiedlicher Form, die zum Einschlagen in die Risse des Granits gedacht sind und ein Boot sicher halten sollen. Es dürfen auch mehrere Schärennägel verwendet werden. Macht sich einhand nur relativ schlecht.


Im Vordergrund die moderne Version der legendären Schärenkreuzer? Wer kennt sich aus?



Ja und dann bin ich auch schon da.




Dreieinhalb Stunden und 18 Seemeilen später. Mein heutiger Ankerplatz. Der gefällt mir richtig gut. Die Windabdeckung passt für den angesagten Nordost. Ein Fall für das Kajak und einen Extra-Tag hier in Myrholmen.




Montag, 05. August, Myrholmen (Björnö)

Nachdem über Nacht fast Windstille herrschte, hatte am frühen Morgen der Wind von NNO (NordNordOst) auf SSW (SüdSüdWest), also um 180°, gedreht. 

Weiß jeder, wo SüdSüdWest liegt?
Crashkurs Himmelsrichtung und Winkelgradeinteilung: Ich habe da mal eine sogenannte Kompassrose (auch: Windrose) mitgebracht. Genauer gesagt eine 16-Punkte-Kompassrose, da sie 16 Himmelsrichtungen kennt. Eine 4-Punkte-Rose z.B., zeigt nur Nord-Ost-Süd-West.

Alle Himmelsrichtungen die das Wort Ost beinhalten, werden grundsätzlich durch ein „E“ wie East ersetzt, damit eine Verwechselung von „O“ Ost und „0“ Null ausgeschlossen wird.






Die dazugehörige Einteilung in Winkelgrad beginnt und endet im Norden bei 000° bzw. 360°, was hier das Selbe ist. Die Gradzahlen steigen im Uhrzeigersinn an. East = 090°, Süd = 180°, West = 270°. Die Gradzahlen werden immer dreistellig geschrieben und jede Ziffer einzeln gesprochen. Westen liegt beispielsweise in „zwo-sieben-null Grad“.

Bei dieser 16-Punkte Kompassrose liegt demnach jede der angezeigten Himmelsrichtungen um 360° geteilt durch 16 Richtungen = 22,5° auseinander. Wenn wir einen Kurs von 112,5° fahren, dann geht es also in Richtung ESE (Ost-Süd-Ost). Ein Kurs von 315° führt genau Richtung NordWest.

Der Wind hatte also über Nacht von NNE auf SSW gedreht. Statt mit dem Bug in Richtung Wind zu liegen, blies er nun auf das Heck von Ari. So liegt das Boot unruhig und der kleinere Heckanker muss die Hauptlast tragen. Das ist beides nicht gut und daher startete ich mit einem Ankermanöver in den Tag. Das heißt beide Anker aus dem Wasser holen, das Boot um 180° drehen und dann die Anker wieder neu setzen. Da hierzu der Motor laufen muss, hatte ich als Abfallprodukt wenigstens gleich einigermaßen warmes Wasser und die Batterien etwas geladen. Der neue Tag konnte also losgehen.



Mein Liegeplatz:




Die beiden „Bälle“ im Wasser sind meine Ankerbojen unter denen der Anker liegt. So weiß ich, wo die Anker sind und die, die neu in die Bucht kommen und vielleicht ebenfalls ankern wollen, wissen es auch.


Gestern hatte ich ja beschrieben, wie man per Heckanker an einer Schäre festmacht. Heute habe ich zufällig diese vorbereiteten Ringe gefunden, an denen man dann die Bugleine belegen würde.



Hier bin ich nach meiner Kajaktour versehentlich auf den Auslöser gekommen.




Mein Archipel und Ankerplatz …
Einer der Wenigen, die tatsächlich bei allen Windrichtungen Schutz bieten.






Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.

 




Samstag, 3. August 2019

02.08.2019_Nynäshamn

Kurzentschlossen bin ich heute noch einen Tag in Nynäshamn geblieben, denn der noch ausstehende Weg nach Stockholm mahnt bei sieben Tagen Zeit nicht zur Eile. Und dann war da noch mein Hinweis im letzten Blog, das ich es hier weniger lohnenswert finde.

Irgendetwas gibt es immer, denke ich mir und ziehe erneut los. Damit hinterher niemand sagt, ich hätte keinen Blick für Details. Meine Ode an Nynäsham …

Nynäsham hat etwa 15.000 Einwohner und gehört von der Lage her bereits zur Provinz Stockholm. Was Nynäshamn nicht zu haben scheint, ist eine Altstadt (ein alter Dorfkern hätte mir auch genügt), denn weder zu Fuß noch im Internet finde ich irgendwo Historisches. An den Preisen der Restaurants und Minibars am Kai gemessen, erscheint diese Stadt wie ein schwedisches Sylt. Allerdings sind Restaurants – hier: „Restaurang“ – sowieso deutlich teurer als im deutschen Durchschnitt. Das wundert mich nur insoweit, als mir die Supermarktpreise in etwa vergleichbar zu Deutschland erscheinen und Schweden nach meiner Kenntnis nicht grundsätzlich höhere Einkommen haben. 

Dennoch sind Restaurants und Minibars sehr gut besucht. Am Tag sitzt man gerne bei derzeit 25° - 28° C mit einem Eis oder einem kühlen Getränk in der Hand auf dieser schön angelegten Holztreppe und schaut direkt in den Sportboothafen. Gut, ich kann es mir nicht verkneifen: An dieser Stelle befindet sich etwa 30 – 40 m entfernt eine Bootstankstelle, die Fäkalienabsauganlage sowie eine Reinigungsanlage, an der man seine Yacht mit den Hochdruckstrahler waschen kann. Eines von Beiden ist also nur suboptimal platziert. 



Das lässt die Touristen augenscheinlich unbeeindruckt und der Eine oder Andere ist einfach froh, mal eine Pause einlegen zu können …


In der Fischräucherei stehen die Menschen Schlange und in den kleinen Butiken nebenan gibt es den üblichen Tinnef, wie sonst nur in Touristenhochburgen üblich.


Im Internet finde ich den Hinweis, dass es in der nahen Gegend ein Tierreservat, das Käringboda, gibt. Ein Naturschutzgebiet mit „Wald, Bergblick und Weideland“ ist auf der Seite der Kommune zu lesen. Wo haben die sich den Berg geliehen frage ich mich und stelle gleichzeitig fest, dass die Entfernung fußläufig nicht passt. Ich muss mir etwas anderes suchen. 

Unterwegs sehe ich dann noch dieses Schmuckstück und beglückwünsche den Fahrer zu seinem top erhaltenen Youngtimer. 


Ist aber keine schwedische Sehenswürdigkeit, denke ich mir und suche weiter.

Dann geht es den Fährhafen entlang, wo phasenweise lange Autoschlangen, bzw. deren Insassen, auf ihre Verschiffung warten. Und was fällt mir auf? 


Eine polnische Fähre – eingetragen im Schiffsregister NASSAU. Nein, nicht der Luftkurort in Rheinland-Pfalz, der zum Bistum des ehemaligen und gut bekannten „First Class Bischoff“ Franz-Peter Tebartz-van Elst gehört. Nein, ich meine das Nassau auf den Bahamas. Auch bekannt als Steuerparadies. Erstaunlich das die EU das für eine innerhalb der EU Staaten verkehrende Fähre durchgehen lässt. Der Frachter aus dem letzten und vorletzten Blog hatte übrigens auch eine Eintragung im Schiffsregister NASSAU. „Ausflaggung“ nennt sich das ganze offiziell und hilft neben der Steuerumgehung auch noch dabei die Arbeitsrechte für die Besatzung überschaubar zu halten. Gern gewählt ist alternativ noch Valletta auf Malta, wo sich sogar rein postalisch und ohne Anreise eine Firma gründen lässt. Schaden, dass das mit dem eigenen Auto nicht funktioniert. Ich schweife mal wieder ab.

Nein, ich habe heute keine schlechte Laune. Ganz im Gegenteil. Also such ich weiter – nach den schönen Dingen und Augenblicken des Lebens und ich werde fündig. An einem Fußgängerweg zwischen Fährhafen und Supermarkt, ihr wisst schon – ICA, entdecke ich auf einer Wiese mit Wildblumen einige Schmetterlinge.



Ein Stück weiter, ein Anblick der sagt: „Es gab besseren Zeiten“. Nicht nur, dass dieses schöne Holzboot gestrandet am Ufer liegt. Auch das „Waterfront“, eine internationale Restaurant- und Beach Bar-Gruppe, ist, zumindest dieses, dauerhaft geschlossen.


Damit wirklich niemand sagen kann, ich hätte mich nicht bemüht. Hinter dem „Waterfront“ liegt ein verlassener Parkplatz. Neben einem Sandhügel entdecke ich diesen abgelegenen Weg. Später erkenne ich, dass es sich hier um einen ehemaligen, zugewucherten Bahndamm handelt. Wo mich dieser Weg wohl hinführen mag? Finden wir es heraus …



Was hier so verlockend nach Natur aussieht, ist nichts weiter als die kommunale Kläranlage. 

Aber so leicht lasse ich mich nicht unterkriegen und suche weiter nach etwas sehenswürdigen oder zumindest einem Detail für einen schönen Schnappschuss.

Ich bin in einer Art Industriegebiet. Dieser Sattelzug fällt mir aus zwei Gründen auf. 


Erstens scheint er Überlänge und eine außergewöhnliche Achsverteilung zu haben, zweitens erinnert er mich an den amerikanischen Actionfilm „Tango und Cash“. In diesem 1989 erschienenen Film mit Kurt Russel (Gabriel Cash) und Sylvester Stallone (Raymond Tango) kommt es zu einer Verfolgungsjagt in der Tango mit seinem PKW (ich glaube es war ein Maserati) einen Sattelschlepper stoppt, der in meiner Erinnerung genau so ausgesehen hat. Er zieht seinen Revolver, zielt auf den Tank des Tanklastzuges und drückt ab. Natürlich ist der Tanklastzug nicht explodiert, sondern durch das Loch rieselt der weiße Koks auf den dunklen Asphalt. Ja, ist halt ein „Männerfilm“ für alle unter 30. Dieser Truck hier hat allerdings nur 90 – 3082, flüssig N.A.G. geladen. Zu gut deutsch: Epoxy Harz, vermutlich für die Herstellung von Klebstoff, offiziell zumindest. Einen Revolver, um das zu testen habe, ich gerade nicht zur Hand.

Ich suche also weiter nach dem Schönen.

Diese Bucht befindet sich direkt steuerbord des Sattelschleppers, also auf seiner … nah? … genau, rechten Seite.

Industrieromantik vom Feinsten. Denkt Euch jetzt einfach einen Sonnenuntergang hinzu und die Stimmung ist perfekt – oder? Jede Frau schmilzt dahin, wenn Du mit ihr im Auto sitzend in dieser Bucht auf den Sonnenuntergang wartest. Nein, nicht … ?


Dann achtet mal auf das Wohnmobil am linken Rand des Fotos. Das nennt man auch „Hard Core Caravaning”

Gut, Schluß für heute, ich gebe es auf und bleibe dabei. Nichts Sehenswertes in Nynäshamn. 

Der Yachthafen – ja, ganz nett und unterhaltsam. Heute am Freitag, spielen sogar mehrere kleine Bands auf. Leider zeitweise zur selben Zeit, was den Hörgenuss doch arg begrenzt. Ja, ich höre schon Katrin mit mir schimpfen: „Kannst Du auch mal was positiv sehen“? Okay, ich versuch`s. 

Die hier spielenden Bands sind, trotz ihrer wirklich guten Musikcover, zeitweise eine echte Herausforderung, selbst für Multi Tasking fähige Ohren, die separat hören, abspeichern und nacheinander genießen können. 

Morgen geht es weiter.
Bleibt mir gewogen und weiter neugierig.


01.08.2019_Oxelösund - Nynäshamn

Nach den eher gemächlichen Etappen der letzten Tage, sollte ich heute meinem Ziel Stockholm einen großen Schritt näher kommen. 

Es war ein taktischer Törn, was die Planung betraf, denn seit rund zwei Wochen hat sich eine stabile Wetterlage mit Wind aus Nord-Ost bis Ost aufgebaut. Ungünstig, wenn man segeln möchte und das Ziel im Nordosten liegt. Heute, so sagte der Seewetterbericht, sollte sich ein kleines Fenster auftun, welches ganz gut segelbaren Wind aus Nord brächte. Mit einem harten Amwindkurs (Wind von ungefähr 35° schräg vorn) würde ich das gerade so aussegeln können, vorausgesetzt, der Wind ist stark genug. Da unterschieden sich die einzelnen Wettermodelle deutlich in ihrer Vorhersage. Eines hatten alle gemeinsam. Ich musste Oxelösund gegen 4:00 Uhr – 5:00 Uhr verlassen haben. Das Windsystem würde dann hinter mir direkt in eine Leichtwindphase mit drehenden Winden übergehen. Nur in diesem Zeitfenster und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, könnte ich diesen Wind nutzen. Vorausgesetzt, die Wettervorhersage irrt nicht.

Um 2:30 Uhr, noch bevor mein Wecker klingelte, wachte ich auf. Und weil die Vorfreude groß war, prüfte ich noch einmal, ob sich an der Wettervorhersage etwas geändert hatte. Das war nicht der Fall. Zahnbürste in den Mund gesteckt, Frühstück und Verpflegung für Unterwegs vorbereitet und während ich das Logbuch für den heutigen Tag schon mal mit den grundlegenden Daten füllte, schob ich mir neben dem Kaffee noch ein Marmeladenbrötchen in den Mund. Wer mich kennt weiß, was das für mich um diese Uhrzeit bedeutet. Gegen 3:45 Uhr bereitete ich das Ablegemanöver vor. Für 3:58 Uhr notiere ich im Logbuch: „Motor an“. Wir haben wenig Wind im Hafen. Für das Ablegen ist das gut – gleichzeitig frage ich mich, ob der Wetterbericht doch wieder mal daneben liegt, denn eigentlich sollte es jetzt bereits merklich aufbriesen. Egal, jetzt bin ich unterwegs und fahre so oder so weiter.


Es ist bereits so hell, dass die Lichter im Frachthafen mehr wie die Kerzen an einem Weihnachtsbau alles einfach noch schöner machen, auch wenn man ohne sie gut sehen kann. Ein großes Frachtschiff treibt gerade geräuschlos auf den Kai zu, um dort anzulegen. Wie von Geisterhand, den nirgendwo kann ich einen Menschen sehen. Ich mache Schnappschüsse mit dem Fotoapparat und die GoPro läuft parallel. Wir haben gerade mal 14°C, aber ich empfinde alles als optimal. Die Temperatur, die Stimmung, die Vorfreude. Um 4:25 Uhr soll die Sonne aufgehen. Bis dahin möchte ich, um im Zeitrahmen zu bleiben, Oxelösund schon zwei, drei Meilen hinter mir gelassen haben.

Und dann sind sie da. Der Wind und der Sonnenaufgang. Ich setzte die Segel in ihrer vollen Fläche und mache bei drei Windstärken sechs Knoten Fahrt. Damit könnte ich für heute gut leben.



Wenige Minuten nacheinander kommen mir zwei große Frachtschiffe entgegen. Ansonsten bin ich mal wieder alleine. Alles ist perfekt. 


Weil wir eine fast durchgehende Wolkendecke haben, macht die aufgehende Sonne ihr Lichtspiel und ich genieße den Anblick. Es ist noch nicht mal 5:00 Uhr. Ab sechs Uhr wird der Wind deutlich auffrischen. 



Am Vormittag habe ich dann in den Böen fünf Beaufort, als Grundwind jedoch um die drei Beaufort. Das macht die Sache etwas ruppig, denn ich lasse die volle Segelfläche zunächst noch gesetzt, um nicht innerhalb dieses Windgebietes „nach hinten durchgereicht zu werden“ und am Schluss in der Flaute zu verhungern. Doch an diesem Tag soll alles gut werden. Der Wind nimmt sogar noch zu. Böen bis 22 Knoten, Windstärke sechs. Jetzt muss ich reffen und verkleinere die Segelfläche auf geschätzt 70%. Es baut sich im Laufe der Zeit eine See von gut einem Meter auf. Ari schneidet sich mit gemäßigter Krängung (Schräglage) durch die Wellen. Was für ein Spaß. Ab und zu kommt ein kleiner Teil der Welle, die vorne gegen den Bug klatscht, auch auf dem Luftweg hinten im Cockpit an. Das darf so sein und wird genossen.


Nach dreiviertel meines Weges muss ich von meinem Ost Kurs auf Nord abdrehen. Da dort der Wind herkommt heißt das, Motor an oder unter Segeln aufkreuzen. Ich entscheide mich für Letzteres. Dadurch verdoppelt sich in etwa die noch zu fahrende Strecke, aber eben auch der Spaß, weil ich nicht motoren muss. Und so schaffe ich es an diesem Tag 48 Seemeilen der insgesamt 56 Seemeilen segelnd im Kielwasser zu lassen. Als ich im Hafen ankomme ist es gerade mal Mittag. Was für ein Tag.

Die schwedische Version einer Seebrügge?
Nachdem ich Klarschiff gemacht und mein Liegegeld (hier 350,- SEK) beim Hafenmeister bezahlt habe, gönne ich mir erst mal ein Eis. Wir haben hier nämlich schon wieder 25°C im Schatten und Schatten ist hier im Hafen nicht. 

Natürlich ein „Daim“-Eis, wenn ich schon in Schweden bin.
Nynäshamn

Es folgt ein kurzer Stadtbummel, den ich hier als weniger lohnenswert empfinde. Am Abend gönne ich mir an einem Imbiss noch ein Hamburger Menü und weil alles selber zubereitet wird, sind der Hamburger mit 200 g Fleischeinlage und die Fritten richtig lecker und der perfekte Abschluss für diesen ebenso perfekten Tag. Das Ganze samt Cola für umgerechnet unter 12,- EUR. 



Pläne für morgen habe ich noch nicht. Wie auch. Es ist 23:00 Uhr durch und ich schreibe gerade diese Zeile für den Blog Blogs. Wahrscheinlich geht es morgen aber wieder Ankern. Ich werde mich selbst überraschen.