Montag, 25. Mai 2015

25.05.2015 In Lauerstellung

Weit war die Reise nicht, aber schön.

Der Tag begann mit einer kleinen Enttäuschung.
Laut Internet waren in Andijk heute beide Supermärkte geöffnet. Toll, uns fehlen noch ein paar Dinge. Also rein in den Ort. Der war schon verdächtig leer. Naja, Pfingsmontag halt. Schon am Parkplatz des ersten Ladens erkannten wir: das Internet lügt! Nüscht mit frischer Paprika und frischem Brot. Weder Lidl noch der Deka-Markt waren der Meinung, an einem Feiertag zu öffnen. Na gut, dann nicht.

Zurück zum Boot. Jetzt Frühstück. Allerdings bekam ich nicht so viel runter. Das schlechte Wetter beim anstehenden langen Schlag nach Cuxhaven beschäftigt mich doch ganz schön.
Nach dem Frühstück die wichtigste Handlung: Neubeflaggung des Bootes. In fast feierlicher Zeremonie wurde die niederländische Flagge vom Flaggenmast gelöst und die deutsche Flagge aufgezogen. Dann durfte der Skipper, als deutscher Eigner, die Flagge höchstpersönlich am Heck des Bootes befestigen:


Dann wurde das Boot für die anstehende lange Tour vorbereitet. Die Bordbatterien luden über Nacht, nun wurde Wasser nachgetankt. Harry kippt hier gerade eine Art Desinfektionsmittel aus dem Yachtbedarf mit rein. Bei Wassertanks weiß man nie ... 


Vor dem endgültigen Start fuhren wir noch in die zum Hafen gehörende Tankstelle und bunkerten auch noch Diesel nach. Beim Bezahlen wurde gleich noch eine neue Gasflasche eingekauft - jetzt waren wir komplett ... und die Geldbörse leer. 
Aber, nun endlich, ging es raus aus dem Hafen, die Segel gesetzt und ab durch die Mitte. Kein Traumwetter, aber schöner Wind um 4-5 Bft und trocken.





 



Fest in Makkum - letzter Hafen im Ijsselmeer vor der Schleuse Kornwerderzand - dem Übergang ins Wattenmeer. Das ist eine sehr große Marina, mit angeschlossenem Campingplatz , welcher ebenso riesig ist. Zwischen beiden liegt ein ... geöffneter(!) SUPERMARKT, yeah! Nach dem Bezahlen des Liegeplatzes, inkl. Strom, Wasser und W-LAN gleich rein und nochmal mit frischen Lebensmitteln versorgt.


Interessant, was auf der anderen Seite des Steges so vorbeikommt.

Unser heutiger Törn von Andijk nach Makkum. 22 sm in 3:50h. 
Zur Beruhigung noch ein Telefonat mit unserem "Fernberater" Alex. Der von mir errechnete Törn durch den ganzen Tidenkram passt. Morgen früh (sehr früh, so gegen 5 Uhr) gehts zur Schleuse und so der Schleusenwärter will, auch bald hindurch. Nee, Tidengewässer sind mir  echt zu anstengend. In der Ostsee liegend kann man losfahren, wann man will.

Ein Teil unserer Supermarktbeute landete anschließend in Topf und Pfanne. Bratwurst mit Reis und unserem neuen Lieblings-Ketchup "Berliner Currywurst".

Bis zum ebenso frühen Zubettgehen sprechen wir noch den langen Törn durch, schauen uns die ganzen 170 sm im Detail auf der Karte an und trinken ein "Schlafbier".
Es wirkt schon - gute Nacht.


P.S.: nicht sorgen, wir melden uns erst in 2 Tagen wieder. Ich rechne nicht damit, vor den friesischen Inseln UMTS-Empfang zu haben.

Sonntag, 24. Mai 2015

24.05.2015 Angekommen

Das erste Frühstück an Bord. Vor Stolz ewig grinsend saßen wir am Tisch und zelebrierten das fürstliche Mal: frisch (auf-)gebackene Brötchen aus dem Gasofen, lecker Kaffee aus der Kaffeemaschine. Ein Fest für die Sinne. Ich glaube, jetzt wir sind wir angekommen.

Anschließend kam nochmal richtig Arbeit auf uns zu. Alle Kisten und Tüten, welche wir gestern fleißig an Bord geschleppt hatten, mussten heute ausgepackt und der Inhalt an Bord verstaut werden.
Das das Ganze auch noch sinnvoll und praktisch einsortiert werden musste, machte es nicht leichter.





Ich weiß nicht, wie oft ich ein und denselben Gegenstand von hier nach da und dann nochmal umgepackt hatte, eh er seinen endgültigen Platz gefunden hat.

Aber wir sind fertig geworden. Es gab sogar Zeit für eine kleine Zwischenmahlzeit im sonnigen Cockpit.


Danach wurde es Ernst für Skipper Harry und seine Mannschaft (also mich). Die erste Fahrt allein mit dem Boot. Raus aus der Box, die Boxengasse runter und wieder retour., Anlegen/Ablegen üben. Wir mussten das Boot dabei so gut wie möglich kennenlernen. Wie reagiert es beim Gasgeben, Aufstoppen, wie groß ist der Wendekreis, usw.?  Als das Anlegen mehrmals hintereinander ganz gut klappte, fuhren wir raus aufs Ijsselmeer und setzten die Segel. Ach, schön. Sonnenschein, 3 Bft Wind und alles klappte. Segel raus, Segel rein, Wenden und Halsen, Am-Wind bis Vor-dem-Wind - alles eigentlich wie immer.
Wesentlich beruhigt ging es zurück in den Hafen und Harry legte erneut butterweich in der Box an.


Als ich anschließend nach dem Wetter für die nächsten Tage schaute, kam der erste Dämpfer. Ab Mitte nächster Woche wird es ungemütlich - da wollten wir gerade irgendwo zwischen Ijsselmeer und Cuxhaven sein; auf unserem zweitägigen Törn vor den friesischen Inseln. Schnell wurden Gezeitenkalender und Wetterberichte abgeglichen und dann doch der Joker vom Fach angerufen. Alex der Fachprofi guckt sich das Ganze mal an und morgen gleichen wir die Pläne ab. Es muss früher losgehen!
Auf alle Fälle wechseln wir morgen in den Norden des Ijsselmeers nach Makkum und gehen damit auf Poolposition - direkt vor die Schleuse Richtung Wattenzee (Wattenmeer). Dort wird morgen Nachmittag endgültig entschieden, wann und wie es weitergehen soll.


Samstag, 23. Mai 2015

23.05.2015 Hin und her und weg

Acht Uhr morgens. Ich konnte durch dieses Durcheinander im gestrigen Tagesablauf nicht schlafen. Schlag 6 Uhr war ich wach und gleichzeitig hundemüde. Was tun,  ohne den Herrn neben mir zu wecken?
Erstmal Wetterbeobachtung bei "Windfinder" (eine ganz gute App für alle Wassersportarten weltweit). Für den langen Weg von den Westfriesischen Inseln bis nach Cuxhaven brauchen wir zwei Tage,  also auch 48 Stunden möglichst ruhiges Wetter,  möglichst Südwestwind und gerne Stärke 4-5. Ach ja,  wenig Welle wäre auch nett. Im Großen und Ganzen passt das nächste Woche.  Nur am Donnerstag gibt es einen Ausreißer mit Starkregen und Windstärke 6-7. Zuviel für uns Neulinge -  was Boot und Nordsee betrifft.  Das kann ja noch spannend werden.... sind aber auch noch ein paar Tage bis dahin.  Abwarten und beobachten.
Und nun? Ich kann immer noch nicht schlafen und lasse jegliche Versuche sein.  Langeweile kommt auf. Also leise raus aus der Koje,  anziehen und Katzenwäsche und ab nach Stralsund.  Wir brauchen noch eine deutsche Flagge für die Bavaria und Frühstück. Mit bester Beute komme ich zurück,  werfe den Skipper aus der Koje und rufe Frühstück aus.
Danach beginnt das große Packen. Um Himmels Willen  -  was ist denn bloß alles auf diesen 24Fuß/7m untergebracht?! 
Wir finden beim Ausräumen keinerlei unnützen Kram, trotzdem ist das Auto am Ende komplett voll.




Gegen 15 Uhr sind wir fertig ....  und mich beschleicht ein ganz doofes Gefühl. So ein bisschen wie Grabräuber.  Da hat uns dieses Boot seit 2011 jeden noch so dämlichen Segelfehler mit großer Gelassenheit verziehen,  hat unsere verrücktesten Törnideen mitgemacht und wird nun wie ein ungeliebter Gegenstand ausgeräumt und nächste Woche aus dem Wasser genommen.  Wir wollen uns nicht den Luxus von zwei Liegeplätzen leisten und werden sie vor dem Verkauf auch noch etwas aufpolieren. Irgendwie wirkt das auf mich gerade sehr schäbig.  Ich weiß, das ist Quatsch.  Trotzdem stehen mir die Tränen in den Augen,  als wir aus dem Hafen abfahren.
Der letzte Törn mit der Mariner war am langen Wochenende 1. Mai.  und ging rund Rügen -  gemächlich in drei Tagen. Bei idealem Wind hatten wir schöne Segeltörns,  aber auch die Faszination Windstille vor den sich im Wasser spiegelnden Kreidefelsen.
Dieser Abschied tut verdammt weh; trotz der Freude über das neue, viel größere Boot. 

Sonnenuntergang über der Wattenzee vor dem Ijsselmeer
Zurück in Andijk verbringen wir noch am Abend beim restlichen Tageslicht die riesige Fuhre unter Deck. Bis auf ein paar wichtige Sachen wird das Einräumen auf morgen verlegt.  Das große Boot bietet im Vergleich zur Mariner scheinbar unendlich Platz -  man muss gar nicht mehr so artig aufräumen. 
Und jetzt  heißt das erste Mal auf diesem Boot: ab in die Koje. Wir sind platt.  In den letzten eineinhalb Tagen sind wir gut 2100 km mit dem Auto gefahren, um alles in kürzester Zeit erledigen zu können.
Die kommenden zwei Tage wollen wir hauptsächlich für das Einüben von Segelmanövern und dem Proben von Anlegen und Ablegen in Box und  längsseits nutzen.  Bis zum langen Törn sollten auch die wichtigsten Handgriffe an Bord sitzen und das möglichst blind.

Gute Nacht!

22.05.2015 Freundliche Übernahme (Fotos aktual.)

4 Uhr
Der Wecker wirft uns aus den Betten. Der Start kostet uns nicht viel Zeit, denn das Auto wurde am Vorabend komplett beladen.  Also nur noch waschen, anziehen,  einen Start-Kaffee trinken,  das Handgepäck geschnappt, den Basilikum-Topf vergessen einzupacken und los.
Höhe Braunschweig / Hannover geraten wir in den morgendlichen Berufsverkehr,  aber es ist noch erträglich. Etwas später gibt es Frühstück bei McDoof in Bad Nenndorf; die Hälfte der Strecke ist geschafft.
12 Uhr
Im Hafen angekommen schauen wir als erstes nach,  ob das Boot noch da ist -  sicher ist sicher :-)
Bis zum Termin mit bisherigen Eigentümer und dem Händler (ca.  95% aller Bootsverkäufe laufen in den Niederlanden über einen Broker) gönnen wir uns eine kleine Mahlzeit im Hafenrestaurant und genießen die Sonne.  

















Da alle vertragsrechtlichen Themen vorab in zahlreichem Mailverkehr geklärt wurden,  ist die Vertragsunterzeichnung nur noch eine Formsache.  Wie abgesprochen gab es auch noch einen Krantermin zur Inspektion des Unterschiffs. Alles in Ordnung (für ein 10jähriges Boot):

Am Haken

Dem Eigner fällt die Trennung sichtlich schwer. Er ist seit 18 Monaten Witwer und gibt mit dem Boot auch eine Menge Erinnerungen weg.
19 Uhr
Während die Männertruppe bei der Bank war,  habe ich mir (Klapp-)Kiste für (Klapp-)Kiste aus dem Auto geholt und versucht, die ersten Sachen an Bord zu verstauen. Nach Harrys Rückkehr sind wir zwar offiziell Eigentümer dieses Bootes,  haben aber keinen Moment,  dies zu verarbeiten. Schon ging es los zum Supermarkt im Ort,  um Lebensmittel einzukaufen. Anschließend wurden auch diese verstaut und ab ging die Post zu Boot Nr. 1. Wir brauchen noch diverse Ausrüstung (Werkzeug,  Seekarten,  Bettzeug,  Kochkrams,  usw).  720km -  schnell gemacht.... 
23.05.2015, 1:30 Uhr
Ankunft in Neuhof.  Schlafsäcke raus und umgefallen. Was für ein Tag!
Fotos gibt es morgen,  wenn wir wieder in Andijk und damit am großen Boot sind.

Mittwoch, 20. Mai 2015

20.05.2015 Wildwechsel

Früher als geplant und erwartet ist es "passiert".
Wir stehen zwei Tage vor Übernahme einer Bavaria 39-3! Baujahr 2005!

Die Vorgeschichte:
Wachgerüttelt wurden wir durch ein verlockendes Angebot für diese Bootsgröße. Eignerboot, gehegt, gepflegt, liebevoll durch die Jahre gebracht, verlockend in der Ausstattung und im Preis. Leider war die Anzeige veraltet und das Boot schon verkauft. Da wir nun schon angefüttert waren, begaben wir uns mit Nachdruck auf die Suche. Was uns da teilweise angeboten wurde, war erschreckend. Runtergewirtschaftete Charteryachten mit alter, vernachlässigter Ausstattung, diversen heftigen Vorschäden und - bäh - total verdreckten Matratzen und Sitzpolstern. Wie viele Verkäufer sich auf Anfragen gar nicht meldeten, war fast noch erschreckender.
Im Zustand von genervt und zu oft enttäuscht entschlossen wir uns, das Thema "Vergrößerung" bis nach unserem 3-wöchigen Urlaub zu verschieben und noch einmal mit der Mariner rauszufahren.
Aber natürlich jetzt kommt das nächste gute Angebot rein. Die Kurzfassung davon: innerhalb von 10 Tagen haben wir verhandelt, am Ijsselmeer besichtigt, Probegesegelt, Geld lockergemacht und das Vertragliche geregelt. Der reinste "Wild-Wechsel". Das ist sie:




Schnell fiel mir ein, dass zwischen Ijsselmeer und Ostsee ein großes Stück Nordsee liegt.
Nordsee? Das Wasser da/Wasser weg-Gebiet? Tide, Strömung, Wattenmeer?! Ojee.
Miss Navigatore bekam ihren ersten Panikanfall. Davon haben wir doch kaum Ahnung; nur ein bisschen Theorieunterricht beim Seeschein. Keine Papierkarten. Keine Gezeitenkalender. Keine Praxis. Keine Ahnung. Keine ruhige Nacht mehr!
Aber danke der Hilfe einiger Mitglieder der Facebookgruppe "Segeln" und der besten Freunde der Welt - Ira und Kenneth - bin ich bestens mit Fachwissen und Reviertipps versorgt. Karten und Gezeitenkalender wurden für teuer Geld erworben, einen Teil der nötigen Literatur konnte ich mir ausborgen . Erst gestern übten Kenneth und Ira mit mir die notwendigsten Sachen. Mein Stundenplan: Nothäfen in den friesischen Inseln aussuchen und die Anfahrt durchsprechen, Berechnung von Start und Ende des langen Törns von den westfriesischen Inseln bis nach Cuxhafen, Umgang mit dem Gezeitenkalender und den Angaben in den Navionics-Karten, Verhalten am/im Nord-Ostsee-Kanal usw. Währenddessen schlug sich Harry mit Kaufverhandlung, der Bank, der ersten Bastelei (Anschluss fürs Tab am Navigationstisch) und der Versicherung herum. Gefühlt hunderte Mails und Telefonate, welche aber immerhin den Erfolg brachten.

Dank Ira´s Kontakt zum Revier- und Technikexperten Alexander W. wurden mir die letzten Zweifel genommen. Alles, was ich an Berechnungen bei der Törnplanung mutig entwerfe, werde ich mir von ihm nochmal bestätigen lassen. 
Die Ruhe ist wieder da ... und damit auch der nächtliche Schlaf.

Am Freitag, 22.05.2015, um 5 Uhr in der Frühe starten wir in Berlin, Ziel Ijsselmeer und Bootsübernahme. Danach mehr in diesem Blog ...