Geröstet und gesalzen war die beste Beschreibung unseres Zustandes, als wir gestern Abend im Hafen Lohme einliefen.
Aber, fangen wir vorne an ...
Ystad, 7:30 Uhr - der Handy-Wecker ruft uns aus den Federn. Aber nicht für uns.
Wir haben am Vorabend Bob und Elaine aus Cardiff durch ihr etwas schwieriges Anlegemanöver kennengelernt. Ich saß im Cockpit und hörte die typischen Geräusche eines nicht so gut laufenden Anlagemanövers: Motortuckern, Getriebe schalten, Motortuckern, Getriebe schalten, Motortuckern, usw. - man hörte nur nicht das übliche Aufjaulen des Bugstrahlruders. Oh, ein Leidensgenosse. Ich buddelte mich unter unserem Sonnensegel hervor und ging auf unser Vorschiff. Tatsächlich versuchte eine große Yacht, in einen der Liegeplätze an den Schwimmstegen links von uns reinzukommen, denn am Kai war alles voll.
Der Wind schob den Bug des Bootes immer wieder nach links, der Kurs Richtung freie Box war aber geradeaus. Der Skipper wirkte noch recht entspannt, doch die englische Flagge am Heck wedelte schon fast auf unserem Vordeck, so nah waren sie uns gekommen.
Da ich von unserem Boot aus nicht helfen konnte, machte ich mich auf den Weg, um den beiden am Steg gegenüber beim Anlegen zu helfen. Schon von weitem sah ich Harry, der auf seiner Fototour durch den Hafen ebenfalls das Ganze beobachtete und sich schon auf den Weg zu den Schwimmstegen gemacht hatte.
Zusammen schafften wir es, das englische Boot an den Schwimmsteg zu bekommen. Es gab viel Dank auf englisch (von ihm) und auf deutsch (von ihr).
Später standen beide bei uns am Boot, bedankten sich erneut für die Hilfe, hatten noch ein paar Fragen zum Hafen Ystad und nach weiteren Liegemöglichkeiten Richtung Karlskrona ... und luden uns letzten Endes auf einen Dankestrunk auf ihr Boot ein. Daraus wurde ein wunderschöner und unterhaltsamer Abend mit zwei echten Weltenbummlern. Bob und Elaine sind bereits im Rentenalter und tingeln seit Jahres die Weltenmeere ab. Sie schwärmten von den Inseln der westlichen Karibik, von Vietnam und Laos, den Südpazifischen Inseln, und, und, und ....
Und so kam es, dass wir am nächsten Morgen für sie etwas früher aufstanden, um ihnen beim Ablegen zu helfen. Die Plätze an den Schwimmstegen sind nicht für diese Bootsgröße über 40 Fuß gedacht und deshalb war alles ein wenig zu eng.
Wir selbst hatten vor, erst gegen 11 Uhr abzulegen, damit sich der Wind bei unserer Ankunft auf Rügen wenigstens etwas beruhigt hat - jedenfalls laut Wetterbericht.
Gesagt, getan. Bei strahlendem Sonnenschein und Wind mit 4-5 Beaufort düsten wir aus der Bucht von Ystad. Der Wind kam aus Südwest, wir wollten nach Süd => das hieß 55 Seemeilen gegenan segeln. Und gegenan heißt kräftig Schräglage. Kaum aus der Bucht heraus steigerte sich der Wind auf 5 Beaufort mit Böen in 6. Die Welle ließ nicht lange auf sich warten und zog nach. Auf halber Strecke stand der Wellenkamm auf Höhe unseres Seezauns, also rund 1,5 m hoch. Die hohen Dreiwellen, die immer dazugehören, hatten dann locker 2 m. Wenn alles passte, klatschte die anrollende Welle auf den Punkt an die Bugseite und ergoss sich mit der vollen Ladung Wasser bis ins Cockpit. Bei einem dieser Güsse stand mir hinterher das Wasser im rechten Ohr ... und im Kragen.
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| Gerade raus aus der Bucht vor Ystad ... mögen die Spiele beginnen. |
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| Man beachte das nasse Teak und die Tropfen am Steuerstand. Die ersten Duschen wurden schon überstanden. |
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| Sie da oben, er da unten - Schräglage bei Böen mit 23 Knoten Wind (= 6 Bft) |
Aber es war alles im Spaßbereich. Die Sonne schien, das einschießende Wasser war lauwarm und wir kamen gut voran. Nur die dauerhaft starke Schräglage war sehr anstrengend. Wir wechselten uns ca. jede Stunden ab, mal auch etwas später. Entweder hatte man gerade zuviel Spaß oder fühlte sich noch nicht müde. Die Freiwache filmte und fotografierte, meistens jedoch verzog sie sich in den Salon und schlief ein paar Minuten.
Nach 56 sm liefen wir acht Stunden später im Hafen Lohme ein - mit gerösteter Haut und über und über eingesalzen von den Wasserduschen.
| Unser Törn von Ystad (Swe) nach Lohme auf Rügen |
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| Ari, oben am Aussenkai, das zweite Boot von rechts. |
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| Abendlicher Blick über die Hafenmauer |
Lohme - ein Hafen des spektakulären Hafenkinos. Die Boxen sind hier sehr tief, selbst große Boote vertreiben bei seitlichem Wind sehr schnell, ehe die Leinen zwischen Dalben, Boot und Steg fest sind. Aber ausgerechnet heute legten wir einen wahren Sahne-Anleger hin, trotz des Westwindes, der mit 4 Beaufort durch den Hafen rauschte und uns im Liegeplatz seitlich traf.
Darauf einen Eimer Spaghetti (Mircoli für 5 Personen)! Wir hatten seit dem Frühstück nichts gegessen, die freudige Aufregung unterwegs war Schuld. Ein gelungener Seetag, welcher uns heute morgen allerdings einen kräftigen Ganzkörper-Muskelkater bescherte.
Ein kleiner Wermutstropfen ist meine Verletzung von gestern. Ich habe mir beim Abstützen in einer Welle den rechten Daumen stark überdehnt. Scheint nichts Ernstes zu sein, keine Schwellung, keine Verfärbung - tut aber ordentlich weh. Da wir heute einen Ruhetag einlegen, kann sich ein Salbenverband um die Angelegenheit kümmern.
Heute, 05.06.18, bleiben wir in Lohme, genießen die Ruhe des Naturhafens (trotz der Baustelle am Hang) und erholen uns bei kleinen Spaziergängen oder einfach am Boot.







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