Mittwoch, 28. Juli 2021

28.07.2021 Figeholm

 Mittwoch, 28. Juli     KRANTAG“

 

Ich wache gegen sechs Uhr morgens, lange vor dem Klingeln meines Weckers auf. Heute ist Krantag. Um acht soll es losgehen. Eine seltsame Unruhe befällt mich. Kurz nach sieben trinke ich bereits meinen ersten Kaffee im Cockpit.

Die Pfützen der regnerischen Nacht stehen noch auf der Parkfläche. Ari ist mit dicken Wassertropfen bedeckt. Nur die hölzerne Sitzfläche im Cockpit beginnt schon langsam abzutrocknen. Der Himmel ist stark bewölkt und ab und zu kommt die Sonne, die noch tief steht, hervor. Ich mache ein paar Gegenlichtaufnahmen, während ich meinen Kaffee trinkt.

 



 

Eine innere Aufregung plagt mich, obwohl ja gerade jetzt alles auf dem Weg ist, wieder gut zu werden.

Auf dem Tisch im Salon habe ich ein paar Dinge bereit gelegt. Mein Portemonnaie, den Fotoapparat, die GoPro, eine Ersatzbrille, ein Taschenmesser, Loctite (Schraubensicherungspaste) und eine angefangene Rolle Küchenpapier. Daneben ein Wasserdichter Beutel in den ich alles reinpacken und mit an Land nehmen werde, denn wenn Ari gekrant am Haken hängt, komme ich an alle diese Sachen nicht mehr heran.

Ari selbst, hatte ich gestern Abend noch zusammen mit Andreas, einem Deutschen Segler, der zwei Plätze neben mir liegt, längsseits gedreht. Andreas hatte ich, weil wir ins Gespräch kamen, zu mir auf ein Bier eingeladen. Noch bis spät abends unterhalten wir uns im Cockpit.

Es ist alles vorbereitet.   Um drei Viertel acht ist der Kranwagen bereits da.

 


Was mich ein wenig wundert ist; es handelt sich um einen LKW mit Kranaufsatz und Ladefläche, so wie er in der Forstwirtschaft zum Beispiel zum Verladen von Baumstämmen eingesetzt wird. Der Fahrer steigt aus. „Good morning“ – „Hey-Hey“ …

„Do you think the crane will be strong enough to lift this boat” frage ich den Fahrer.

“How heavy is the boat” fragt er zurück. Etwas überrascht, das der Verantwortliche für diesen Kran, das Gewicht für die zu hebende Last seines Auftrags nicht kennt, entgegne ich „approximately 9.300 kg“. „Oh – The crane can lift up to ten tons“ ist seine Antwort.

Nah, dann ist ja alles gut, sage ich, während mir gleichzeitig deutliche Zweifel kommen.

 

Aber eigentlich stört den Fahrer der noch stehende Mast, wegen welchem er den Kranausleger nicht in die richtige Position bringen kann. Sein Chef habe gesagt, er habe bereits Boote dieses Typs mit stehendem Mast gekrant. Offensichtlich ist inzwischen auch der Kranfahrer unsicher geworden. Es erscheint ein Mann von Figeholms Marin. Beide beratschlagen sich auf Schwedisch. Das einzige was ich verstehe ist, dass mehrfach das Wort „Problem“ auftaucht. Man kennt „Problem“ also auch im Schwedischen. Auf seinem grünen dreirädrigen Moped kommt Matthias angefahren. Mit strahlender Mine.

Alle drei beratschlagen sich kurz auf Schwedisch. Der Kranfahrer setzt sein Telefonat mit der Kranfirma fort. Viel zu oft taucht mir das Wort „Problem“ in seinen Sätzen auf. Das Telefonat ist beendet. Die drei reden auf Schwedisch und scheinen sich irgendwie abzustimmen. Dann sagt der Kranwagenfahrer zu mir: „We will need a mobile crane“.

Ach, denke ich nur, was bitteschön hatte ich denn bestellt? Gut, bestellt hatte ich gar nichts, jedoch gegenüber Matthias mündlich und auch in meiner eMail immer wieder von einem Mobile-Crane gesprochen und dabei die zu hebende Last beziffert. Ich kann es mal wieder nicht fassen.

Doch Matthias, wie immer mit strahlender Mine, sagt mir, dass man den Mobilkran gerade beauftragt habe und dieser heute um zehn Uhr hier vor Ort bereitstünde.

Der Kranwagenfahrer steigt in seinen LKW. Es ist kurz nach acht, als er abfährt. Gut eine Viertelstunde nachdem er gekommen war. Mit Matthias verabreden wir uns für zehn Uhr. Schweden sind wirklich lustige Leute.

 

Um 9:45 steht er dann auf dem Parkplatz vor dem Liegeplatz von Ari. Das ist ein Mobilkran, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. 

 

Jetzt habe ich keine Zweifel mehr, dass wir Ari aus dem Wasser bekommen. Weiche Knie bekomme ich jetzt nur noch bei dem Gedanken, was wohl die Kranstunde kosten wird, denn einen Preis hatte Figeholms Marin trotz meherer Nachfragen nicht konkret beziffert. Der Kran ist in Position gebracht. Die Stützen werden ausgefahren, Dann richtet sich der Ausleger das erste Mal auf in die Höhe. Ein imposanter Anblick.



 

Dann wird die Traverse zusammengesteckt, die über Ketten mit dem Kranhaken verbunden ist.


Unterhalb der Traverse hängen dann vier Nylonschlaufen die unter dem Rumpf von Ari durchgeführt und das Boot gleich anheben werden.












Ein Blick unter den Rumpf bestätigt ... - ... der Propeller ist weg. Die blanke Propellerwelle lukt aus dem Saidrive hervor.


Doch der neue Drehflügelpropeller aus Bremerhaven liegt schon bereit. Gut 12 kg Nitrilbronze - einfach schön anzusehen.


Zuerst wird die Saildrive Nabe auf die Saildrivewelle geschoben. Später wird dann der Propeler auf die Nabe geschraubt und mit 6 Schrauben gesichert.

Doch irgendetwas passt hier nicht. Die Nabe hat axiales Spiel. Viel axiales Spiel. Wir fangen an zu telefonieren. Matthias kennt da jemanden. Der Kranfahrer kennt jemanden. Ich rufe erneut Danny im Urlaub an, um mich zu erkundigen, ob es am Saildrive noch ein Teil gibt, das zusammen mit dem Propeller von der Welle gerutsch sein könnte. Ja, gibt es, ein sogenanntes Adapter-/Distanzstück, etwa zweieinhalb Zentimeter stark. Oh - nein - bitte nicht!


Gut, dass es Smartphones gibt ...

 




 Hier fehlt ganz klar etwas und die gesamte Kranaktion scheint darin zu enden, dass Ari zunächst wieder ins Wasser zurück gekrant wird, wir dann irgendwo das Distanzstück bestellen und nach der Lieferung die gesamte Aktion noch einmal von vorne starten. Ein Horrorszenario.

 

 

Matthias fährt kurz mit seinem Moped weg. Zeit, sich etwas zu unterhalten. Ich kommen mit dem Kranfahrer ins Gespräch. Er ist der Chef des Mobilkranunternehmens. Das Unternehmen, inzwischen 40 Jahre alt, hat er vor 10 Jahren von seinem Vater übernommen. Acht Mobilkranwagen nennt er sein Eigen. Wir sprechen über das Geschäft und die Philosophie von inhabergeführten Unternehmen. Nebenbei informiert er mich noch über das Gewicht von Ari. Konkret 10 Tonnen habe er an seinem Haken, Traverse und Zubehör bereits abgerechnet. Damit wäre Ari gut 500 Kilogramm schwerer als von mir angenommen. O.k.!

Die Menge um das Boot wird immer größer. Allgemeines Interesse an unserer Kranaktion entsteht in dem ansonsten sehr ruhigen Ort Figeholm. Ich habe jetzt Gelegenheit, nach den geschätzten Kosten für diese Kranaktion zu fragen. Wenn´s einer weiß, dann der Chef selbst. Rund einhundertfünfzig Euro umgerechnet ruft er je Kranstunde auf. Ich erkläre ihm das ich erleichtert bin und das für gefühlt günstig halte. Ob er den Preis anheben solle? scherzt er. Nein, nein, passt schon.

Eine Viertelstunde später ist Matthias wieder da. Er hat ein kleines Metallteil mitgebracht, das er auf die Saildrivewelle stecken will. Passt noch nicht ganz. Es wird noch einmal nachgemessen. Schon ist er wieder weg, um das Distanzstück, welches wie ein sehr dickes, zweieinhalb Zentimeter kurzes Rohr aussieht, noch einmal auf der Drehbank nachzuarbeiten. Wenn er das hinbekommt, spart er mir viel Geld und Aufregung in den nächsten Tagen. Und er bekommt es hin.

Als er zum zweiten Mal wieder zurück kommt, passt das Distanzstück ohne Spiel auf die Welle und die Nabe ohne Spiel ebenfalls. Der Propeller selbst ist schnell montiert. Ari hängt derweil ja noch am Kran und berührt nur mit einem kleinen Teil des Ballastkiels den Boden. Der Kran hebt Ari erneut an, schwenkt um rund 90° und schon geht es wieder runter ins Wasser.

Schnell sichere ich Ari mit den Festmachern, während die anderen Helfer schon einmal die Nylongurte lösen. Ich starte den Motor und legen den vorwärtsgang im Standgas ein. Der neue Propeller schiebt ganz klar nach vorne. Rückwärtsgang - und die Leine am Bug spannt und dehnt sich. Es hat funktioniert. Alles sieht danach aus, als wäre Ari jetzt wieder voll manövrierfähig. 

Mit Matthias stimme ich kurz die Zahlungsmodalitäten ab. Wir vereinbaren, dass ich innerhalb der nächsten Stunde bei ihm bin und im Laden per EC-Karte bezahle. Der Einfachheit halber, stellt er die Rechnung gleich inklusive Krankosten aus. Doch noch bin ich im Hafen und blockiere Teile der Bootstankstelle. Mein erstes Manöver wird das Anlegen an der Mooringboje. Andreas, mein deutscher Bootsnachbar, wir mir dabei von Land aus behilflich sein.

Ari lässt sich mit dem neuen Drehflügelpropeller recht neutral rückwärts an die Mooringboje dirigieren. Schnell den Mooringhaken eingeklickt, Vorwärtsgang und in die Mooringleine eindampfen. Ich gehe zum Bug und werfe Andreas die Landleinen zu. Alles läuft wie ein Kinderspiel. Ari liegt wieder fest in Figeholm, wie sie soll und darauf trinken wir beide dann erst einmal ein Anlegebier.

Später begleiche ich bei Matthias meine Schulden. Rund 950,- Euro kostet mich der Kraneinsatz inklusive der Arbeiten der beiden Männer von Figeholms Marin. Ein fairer Preis finde ich. 

Dennoch muss ich, was hier in den letzten zehn Tage gelaufen ist, erst einmal verarbeiten. Ich fühle mich, trotz des heutigen Erfolgs, ausgelaugt und müde. Zu oft folgte in diesen Tagen jedem kleinen Erfolg sofort der nächste Rückschlag. Ein Kneipbad der Gefühle.

Ich laufe zum Boot zurück und räume auf, denn heute erwarte ich noch auf Gerd & Christine. Die Beiden sind bereits in der Nähe auf Urlaub. Wir hatten geplant für einige Tage zusammen auf Törn durch die Schären zu gehen. Aufgrund des Propellerverlustes hatte sich das Vorhaben zunächst erledigt.

Doch kaum bin ich zurück an Bord, klopft es auch schon ans Boot. Es wird eine sehr unterhaltsame zweite Tageshälfte, die mir die nötige Ablenkung bietet und mich wieder auf andere Gedanken bringt.

 

 

 

 

Dienstag, 27. Juli 2021

27.07.2021 Figeholm

 Dienstag, 27. Juli

 

Gegen sechs Uhr morgens wache ich auf. Ich habe ausgeschlafen, obwohl ich erst nach Mitternacht ins Bett gegangen war. Draußen ist es noch immer trübe. Da mir nicht einfällt, was ich jetzt Sinnvolles oder Unterhaltsames tun könnte, schlafe ich einfach weiter.

 

Um Acht gibt´s dann den ersten Kaffee im Cockpit. 21°C und bedeckter Himmel sind hier sehr angenehm. Ich schaue auf´s Meer hinaus. Der Kopf ist leer. Heute liefert FedEx den Propeller. Das Thema hat an gefühlter Wichtigkeit verloren. Irgendwann heute wird er schon da sein.

 

Wäschewaschen ist angesagt. Nachdem ich in Kalmar schon einmal meine Kleidung durch den Waschgang gejagt hatte, ist heute großer Waschtag. Das heißt, neben der Kleidung und den Handtüchern auch die Bettwäsche. Für 10:00 sind beide Maschinen in der Laundry gebucht. Kurz vorher mache ich mich, wie ein echter Seemann, mit meinem Seesack voller Wäsche auf den Weg in den Hafen.

 



Am späten Vormittag blinzelt immer wieder die Sonne für Augenblicke durch die an sich geschlossene Wolkendecke. 24° - es ist unheimlich schwül. Ab 14:00 soll es Gewitter geben, dann folgt kräftiger Regen; um 21:00 soll der Spuk vorbei sein. Solange der Blitz nicht bei mir einschlägt, ist mir das alles recht. Ari ist noch von der letzten Überfahrt, von Öland nach Figeholm, salzverkrustet. Das ist elf Tage her. So lange hat es nicht mehr geregnet. Das Abspülen der Boote mit Frischwasser, ist in Schweden mehr oder weniger verboten. Ist ja auch richtig. Daher käme mir ein kräftiger mehrstündiger Regenguss gerade recht.

 

FedEx Statusmeldung: Der Propeller befindet sich im Auslieferfahrzeug .

Das Gute daran  -  das, kann jetzt nicht mehr passieren, den das Flugzeug ist ja bereits gelandet ...

Cast Away

 

Aber, wenn jetzt ...

 

Neue Versandstatusmeldung von FedEx um 12:49: "Hi. Your package was delivered!"

Die Versandstationen waren: Bremerhaven, Bremen, Hannover, Köln, Paris (Charles de Gaule), Kastrup (Dänemark), Stockholm (Arlanda), Figeholm.

Krantermin: morgen, Mittwoch, 08:00. 👍





Montag, 26. Juli 2021

26.07.2021 Figeholm (Tag 10)

 Montag, 26. Juli

 

Ich wache gegen acht Uhr auf. Der erste Gedanke, der meine grauen Zellen wie durch einem Tsunami flutet, ist der Propeller. Genauer gesagt, das Prozedere drum herum und die traurige Gewissheit, dass mal wieder nichts läuft und die Angst davor, dass sich das womöglich erst irgendwann in Wohlgefallen auflösen wird. Und Gnade dem, der mir dann mit einem Spruch kommt, wie zum Beispiel. „Siehst Du, ist doch alles gut gegangen!“ Aber noch ist es nicht soweit. Noch lange nicht.

Ich prüfe meinen eMail-Eingang nach einer Statusbenachrichtigung von FedEx zum augenblicklichen Aufenthalt des neuen Propellers und zum geplanten Liefertermin, hier in Schweden.   … - … NICHTS!   Gut – hatte ich auch nicht ernsthaft erwartet. Interessant ist aber, der verbliebene Optimismus trotz Depression. Man hofft tatsächlich, dass sich ja mal eine Kleinigkeit, wie zum Beispiel eine eMail, ohne mein weiteres Zutun, in meinem Postfach wiederfindet – ich sie öffne und sinngemäß lese: „FedEx freut sich, Sie über den aktuellen Status Ihrer Versendung informieren zu dürfen. Ihre Lieferung befindet sich gerade am Stockholmer Flughafen Arlanda und wird morgen, Dienstag, bis spätestens 18:00 zugestellt.“ Nein, lieber Harald, das ist zwar möglich, aber wir sorgen dafür, dass das niemals passieren wird. Gezeichnet: Deine kleinen, bösen Trolle.

Ich google die Kontaktdaten von FedEx im www.

Als nächstes stellst Du fest, dass augenscheinlich alle Mitarbeiter großer Unternehmen, die sich mit der Außenwirkung und Kundenkontakten beschäftigen, dieselbe Uni besucht haben müssen.

Über allem prangert der Titel:  FedEx   Get on the Play Store  (was immer das bedeuten soll). "Steig in das Spielwarengeschäft ein?"   Falls irgendjemand eine Idee hat - immer her damit.

Im  Kunden-Support  habe ich die Möglichkeit, einem Virtual Assistent  meine Anliegen aufzugeben. Bitte nutzen Sie unsere  Online-Tools, um den Status Ihrer Sendung zu prüfen. 

Dann der Slogan: "Where now meets next"

Über einen Link käme ich direkt zum: "Small Business Hub" oder dem "Shipping Channel" wo ich mir im "Download-Center" Informationen zum "E-Commerce" runterladen kann, gleich dort, wo sich auch der "Global Citizenship Report" befindet und ich mich noch über den "Diverse Appeal" informieren kann, bei gleichzeitigem Hinweis, dass der "Toolkit" regelmäßig aktualisiert wird. Na, Gott sei Dank!

Wohlbemerkt – ich befinde mich auf der deutschsprachigen Webseite von FedEx, einer wahren Fundgrube für´s "Bullshit Bingo".

Nein – ich möchte gerne mit einer Person, einem Menschen, telefonieren! Irgendwo finde ich dann auch eine Telefonnummer, diese Rufe ich an. Ich erwarte die musikalische Untermalung eines typischen Callcenters mit dem Hinweis, dass gerade alle Leitungen belegt sind, ich zum nächsten freien Mitarbeiter durchgestellt würde – „please hold the line“ – „rester en ligne s ́il vous plait“ – oder dergleichen. Doch ich irre mich. FedEx löst das geschickter. Wozu eigene Mitarbeiter für telefonische Auskünfte vergeuden, wenn man unliebsame Nachfragen von Kunden auch nach dem System loswerden kann ...

-        Wenn Sie … - drücken Sie die 1

-        Wenn Sie … - drücken Sie die 2

-        Wenn Sie … - drücken Sie die 3   =>   will ich und drücke die 3

 

Wenn Sie … - geben Sie Ihre Sendungsverfolgungs-, Frachtbrief- oder Bestell-Nummer ein. Wenn ich diese hätte würde ich ja nicht anrufen. 

     Da ich möglicher Weise nicht in der vorprogrammierten Geschwindigkeit geantwortet habe, befinde ich mich wieder ganz oben in der Fragenschleife und die Tipperei am Mobilgerät beginnt von vorne. 

     Irgendwann drücke ich erneut die 3.

Wenn Sie … - geben Sie Ihre Sendungsverfolgungs-, Frachtbrief- oder Bestell-Nummer ein. Das hatten wir bereits. Option 3.2 habe ich jetzt nicht mehr in Erinnerung, aber ...

Wenn Sie … - werden Sie gleich zu einem Mitarbeiter durchgestellt. 💥 Jubel 💥  in meinen grauen Zellen. Ich bin ein wahrer Hacker und durch die Firewall von FedEx gedrungen. Für diese Leistung verleihe ich mir selbst die Ehrennadel in Gold des CCC (Chaos Computer Club).

Ich erläutere einer freundlichen jungen Dame mein Anliegen. Sie erklärt mir, dass FedEx keine eMails an Kunden versendet. Der Auftraggeber selbst erhalte eine Sendungsverfolgungsnummer. Mithilfe dieser könne man auf der FedEx Internetseite den jeweilig aktuellen Status einsehen. Ich bedanke mich für diese Auskunft. Der Blutdruck steigt.

 

Also hatte der SPW-Mitarbeiter das offensichtlich durcheinandergebracht. Ich rufe also bei SPW in Bremerhaven an. Es meldet sich, wie immer, die Auszubildende aus dem Empfang und Versand. Ich möchte den Sachbearbeiter sprechen. „Der ist nicht da – kann ich ihnen helfen!“ Ich erläutere mein Problem – sie bittet um einen Augenblick Geduld. Drei Minuten später erklärt Sie sinngemäß, dass sie mir doch eine eMail mit der Sendungsverfolgungsnummer geschickt habe. Ich habe nichts bekommen und auch ein späterer Blick in meinen Spam Ordner wird daran nichts ändern.

Sie gibt mir die Sendungsverfolgungsnummer telefonisch durch und tippt parallel die Daten auf der FedEx-Seite ein. Der Propeller sei seit gestern bereits in Stockholm am Flughafen Arlandia. Geplante Zustellung, Dienstag, 27.07.2021, vor 18:00 Ortszeit. Ich bedanke mich und lege auf.

 

Das Positive – wir liegen noch im Zeitplan!

Das Negative – warum erreicht mich schon zum zweiten Mal in diesem Urlaub eine Nachricht nicht, auf die ich dringend warte? Wir erinnern uns an die nicht eingegangene Benachrichtigungs-SMS vom Baltic Shop in Kalmar! Gut – egal …

 

Ich rufe gegen 09:30 in Figeholms Marin an. Wir erinnern uns – am Freitag hatte ich eine eMail mit allen notwendigen Daten geschrieben, die zur Beauftragung des Mobilkrans notwendig waren. Ich hatte vereinbart, so glaubte ich, dass der Mobilkran für Donnerstag, 29. Juli, bestellt werden soll. Einen Tag Sicherheitspuffer, für den Fall, dass sich die Propellerlieferung doch verzögern sollte, hatte ich eingeplant. Ich rufe also in Figeholms Marin an. Ich erläutere mein Anliegen, kann aber nicht verstehen, wen genau ich am anderen Ende habe.  Nur so viel – man wisse nicht genau!  Okay, sage ich. Ich komme vorbei, um das persönlich zu besprechen.

Figeholms Marin AB
 

 Vor Ort frage ich eine Angestellte nach Matthias, dem Inhaber. Sie holt ihn aus der Werkstatt. „Has everything worked with the order of the mobile crane?“ frage ich.

Mit freudestrahlender, entspannter Mine fragt er zurück, wann der Propeller denn geliefert würde. „Tomorrow – before 6 pm, just as discussed“ – „When will the mobile crane come?” frage ich zurück. Er kann den Mann von der Kranfirma erst heute Abend erreichen. Er wird ihn anrufen und mich dann telefonisch informieren.

 

Mal wieder falle ich vom Glauben an die Menschheit ab. Es ist nichts passiert! Vor genau acht Tagen sprachen wir das erste Mal über die Beauftragung und die abzufragenden Konditionen für den Mobilkran.  NICHTS!   Es ist in dieser Zeit nichts passiert, obwohl ich mehrfach im Laden war, allerdings den Chef, abgesehen vom ersten Mal, nie persönlich erreicht hatte. Matthias jedenfalls, hat eine ganz entspannte Mine. Ich sehe ihm an, dass da nicht die Spur einer Unzuverlässigkeit, eines schlechten Gewissens oder Ähnlichem in sein Gesicht geschrieben steht. That´s business made by swedens. So wirst du vermutlich 110 Jahre alt. Zeitdruck und Verbindlichkeit sind vermutlich keine Worte, für das es eine Übersetzung in der schwedischen Sprache gibt.

 

Ich nehme noch Wetten an.

Werde ich heute Abend, wann immer das ist, eine Nachricht von Matthias erhalten, wann der Krantermin stattfindet?   UND

Wird es überhaupt einen Krantermin hier in Figeholm geben?

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An Nachmittag entschließe ich mich erst einmal wieder meine Hafengebühr für die nächsten drei Tage zu bezahlen. Also ab zum Hafenmeister, drei Häfen weiter, das sind aber auch nur geschätzte 500 Meter. Schon habe ich wieder die beiden Schüler, die hier ihren Ferienjob ausüben vor mir. Sie grinst schon als Sie mich sieht. Er kassiert heute ab. Es werden keine Fragen mehr nach der Bootsbreite und dem Herkunftsland gestellt, warum auch, ich bin ja heute den zehnten Tag hier in Figeholm. „That´s 900“ höre ich nur. Richtig drei Tage zu 300 SEK. Ich lege meine Karte auf das Lesegerät, bestätige mit der grünen Taste. A receipt? fragt mich der junge Mann. Yes, entgegne ich, denn womöglich könnte der hiesige „Zwangsaufenthalt“ versicherungsrelevant sein – ich weiß es noch nicht.

 

So, Pflichtteil erledigt, ach ja ich wollte mich noch für morgen in die Laundry-Liste des Hafens eintragen. Das erledige ich jetzt noch schnell. Im Waschmaschinenraum stehen zwei Waschmaschinen und zwei Trockner. Ich trage mich für morgen für beide Waschmaschinen ein. Großer Wäschetag. Ich will aber auch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und hier in Figeholm ist die Nutzung der Waschmaschinen im Liegeplatzpreis inbegriffen. Wer mitgerechnet hat, weiß, dass ich, die heutige Zahlung mitgerechnet, inzwischen mit rund 360,- € so was wie ein Anteilseigner des Hafens bin. Da darf man auch mal den kostenlosen Service ohne schlechtes Gewissen nutzen.

 

Auch das wäre erledigt. Es ist Kaffeezeit in Deutschland und ich entscheide mich, mir im nahegelegenen Coop, das sind von hier aus keine 250 Meter, ein … - … nein, kein Kardamon-Knut zu holen, die gibt es hier nämlich nicht, sondern ein Daim Eis. Der Coop liegt an einem schönen, wenn auch kleinen, Park. Die Parkbänke sind alle frei. Ich nehme mir die am idyllischsten gelegene und genieße dort meine Eistüte direkt am Wasser. Es ist heute ein trüber Tag mit dennoch 25° C. Mir fallen die wunderschönen Spiegelungen auf den Wasserflächen des Parks auf. 

 

Auch hier ist ringsherum Meerwasser ...

 

 

Nachdem ich jeden Bissen an mein Eis gefeiert habe, entscheide ich, doch noch schnell die Kamera vom Boot zu holen und hier ein paar Fotos zu machen. Etwa zehn Minuten später bin ich wieder zurück. Als ich gerade in die Seitenstraße zu Coop einbiege, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie ein Auto neben mir aufstoppt, das Fenster auf der Beifahrerseite öffnet sich gerade.

 

Da habt ihr euch aber den Falschen ausgesucht, denke ich noch. Ich kenne mich hier in der Gegend doch auch nicht aus. Doch dann erkenne ich, wer in dem schwarzen Pickup sitzt. Es ist Matthias. Er strahlt mich an, wie immer. Er habe mit dem Krandienst gesprochen. Es ginge Mittwoch und Donnerstag, aber Mittwoch wäre besser. Der Mann vom Krandienst habe gesagt: „Warte bis du morgen den Propeller hast – dann machen wir den Termin klar“. Ich stimme zu und bedanke mich. „That´s really good news“. Matthias fährt zu Coop einkaufen – ich gehe weiter fotografieren und schreibe Katrin erst einmal eine Nachricht. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Die Kuh ist hiermit noch nicht vom Eis, aber der Strick schon einmal um ihren Hals gelegt.

 

Ein paar Impressionen aus Figeholm …

 

Haus der alten Dame.
 

Ein Vater fahrt mit seinen beiden Söhnen einkaufen  -  mit dem Boot  ...

...  zu Coop, da habe ich nicht schlecht geschaut.

 

Sinnbild: Bessere Zeiten
 

Gelber Fingerhut (Digitalis lutea)
 

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Dieses Foto braucht keinen Titel


Sinnbild für´s Leben. Der geebnete Weg und der Trampelpfad. Beide enden unbekannt.

Rosenkäfer (ich weiß, ich hatte ihn schon im Blog - aber ist der hier nicht schön?)



Der Trauermantel (Nymphalis antiopa)

Leider ist das Foto von schlechter Qualität und trotzdem in meiner heutigen Auswahl. Der Trauermantel saugt nur selten an Blüten, sondern überwiegend an Baumsäften und Fallobst. Gefunden hatte ich ihn am Fuße einer leicht blutenden Eiche, wo er sich an deren Saft labte. Er sitzt dort mit zusammengefalteten Flügeln und öffnete diese alle 5 - 10 Sekunden für den Bruchteil einer Sekunde. Dann musste der Auslöser gedrückt werden. Von etlichen Versuchen ihn mit geöffneten Flügeln zu zeigen, ist dieses Foto noch das beste. Die Unterseite dieses Schmetterlings ist unspektakulär.



Essigbaum

Da,  gaanz hinten, möchte ich mal wieder hin ...






Das Hexenhaus
 

 Das war meine heutige Fotoauswahl.  Danke für´s anschauen!

 

 Bleibt mir gewogen und weiterhin neugierig.