Mittwoch, 7. Juni 2023

07. Juni 2023, Von Styrsö/Örholmen nach Oxelösund

 Mittwoch, 07. Juni


Heute beginnen wir den Tag mit einem Sonnenuntergang. Diese Aufnahme entstand gegen 21:30 in unserer gestrigen Ankerbucht. Zu dieser Zeit war noch alles relativ ruhig, aber wir erwarteten bereits stärkere Böen aus Ost. Da unsere Bucht recht gut gegen Ostwind geschützt war, waren wir recht entspannt. Katrin scherzte noch gegen 22:30, wo den die Böen bis 23 Knoten (6 Bft) bleiben würden, die der Seewetterbericht für dieses Seegebiet vorausgesagt hatte.

Wir wollen gerade ins Bett gehen, als wir feststellen, dass es deutlich aufgefrischt hat. Wir sind etwas überrascht, denn der Wind kommt aus Norden und trotz der umliegenden Schären hat sich sogar ein klein wenig Welle aufgebaut.

Unsere Ankerbucht hat genau zwei Haken. Erstens, sie ist nach Norden offen, also ungeschützt. Zweitens: Sie hat nach Süden hin einen natürlichen Kanal. Bei Ost- oder Westwind kein Problem.

Im Verlauf der nächsten Viertel Stunde dreht der Wind zwar noch auf Nordost. Das ergibt aber fast keinen Unterschied, denn unsere Bucht ist nicht so tief, dass sie uns Windschatten bieten würde. Außerdem haben Wind und Wasser die unangenehme Eigenschaft, Hindernisse zu umgehen, d. h. der Nordostwind bläst um die uns schützenden Granitfelsen herum und kommt dann letztendlich fast wie ein Nordwind bei uns an. Das aber zumindest etwas gebremst und so haben wir in unserer Bucht immerhin nur Böen bis 16 Knoten (4 Bft).

Hinzu kommt jetzt aber noch der Strömungseffekt des Wassers, welches aus Nord bis nordöstlicher Richtung durch den südlichen Kanal drückt.

Etwas besorgt schaue ich auf unseren GPS-Ankertrack, welchen wir permanent neben der AnkerwacheApp mitlaufen lassen. Dieser Track lässt deutlich erkennen, dass wir den Schwoienkreis, den wir den Tag über gezogen haben, langsam aber sicher nach Süden hin verlassen. Das Gute - wir ankern hier auf Tonerde mit etwas Kiesanteil. Das gibt dem Anker eine gute Haltekraft und so können wir zumindest davon ausgehen, dass der Anker nicht plötzlich ausbrechen wird, sondern nur langsam eine Furche durch den Seegrund ziehen wird, so ähnlich wie früher ein Pflug auf dem Acker. 

Unser Anker liegt etwa am blauen Pin auf 4,5 m Tiefe.
 

 Das Unangenehme: Etwa 20 Meter hinter uns beginnt der Seegrund in dieser Ankerbucht auf nur drei Meter anzusteigen. Wenige Meter dahinter befinden sich unterwasser liegende Felsen, während der Seegrund gleichzeitig auf Null ansteigt.

Kurz und knapp: Wir müssen hier weg! Es ist inzwischen etwa 23:00. Hier im Norden ist es zum Glück, zwei Wochen vor der Sonnwendfeier, auch in der Nacht nie ganz dunkel. Daher können wir uns noch recht gut orientieren (auf dem Foto unten bezüglich der Helligkeit nachempfunden).

Alle Navigationsgeräte laufen bereits und wir starten den Diesel. Zunächst muss der Ankerstropp gelöst werden, dann holen wir den Anker auf. Währenddessen drücken uns die Böen am Ankerplatz wie ein zu langsames Pendel hin und her. Als der Anker an Deck ist, hängen einige Kilogramm Tonerde daran. Da wir nicht sicher sind, ob sich ein voll mit dieser schmierigen Tonerde "verklebter Anker" überhaupt wieder in den Seegrund einfahren lässt, beschließen wir, ihn erstmal grob zu reinigen. Das übernimmt Katrin am Bug, während ich am Steuer zusehe, dass wir in der Nacht nirgendwo auflaufen.

Wir beschließen, den Anker dann einfach erneut etwa 30 Meter weiter nördlich in der selben Bucht zu setzen. Ich fahre einen Kreis und langsam auf den Punkt in der Bucht zu, den wir uns vorher ausgesucht hatten. Das Problem: Einen Anker kann man nur zu Wasser lassen, wenn das Boot keine Fahrt mehr macht. Dann lässt man ihn herab, während man mit etwa 1 km/h Geschwindigkeit rückwärts fährt, damit sich die Kette sauber am Grund ablegt und nicht einen Haufen bildet.

Doch kräftige Böen und ein aufgestopptes Boot vertragen sich nicht, und so vertreiben wir, während wir den Anker mit rund 20 m Kette setzen. Wir scheinen zwar ersteinmal fest zu liegen, aber die Position in der Bucht ist am Ende nicht viel besser als vorher.

Also wiederholen wir das gesamte Manöver. Kette per Elektrowinsch einholen, Anker aufholen, Anker reinigen, neuen Ankerpunkt suchen, mit geringer Geschwindigkeit anfahren, aufstoppen, Anker ablassen. Die Kette rasselt aus dem Kettenkasten in die Tiefe. Der Anker greift merklich im Seegrund, denn das Boot nickt am Bug ein wenig ein und der Plotter bestätigt, dass wir in etwa stillstehen, also keine Fahrt mehr rückwärts machen.

Kurzer Lagecheck: Wir liegen jetzt ungewollt deutlich westlich in der Bucht, die wenige 'zig Meter dahinter ebenfalls wieder zu flach für uns wird. Wir sind uns einig, das dass nicht die gesuchte Lösung ist und wiederholen das gesamte Procedere ein drittes Mal. Ich verlasse dieses Mal die Bucht, um die Zeit zu überbrücken, bis Katrin am Bug wieder alles für den nächsten Versuch klar gemacht hat.

Dieses Mal wollen wir es noch etwas nördlicher in der Bucht auf etwa sechs Meter Tiefe versuchen. Das tun wir dann auch. Ein paar Minuten nach Mitternacht schalte ich die Maschine aus. Wir liegen vor Anker. Der Anker scheint zu halten und unser Schwoienkreis ist mit ca. 25 Meter Kette in etwa dort, wo wir ihn haben wollten.


Das ist der Track der von uns in der Nacht gerutschten und gefahrenen Strecke, insgesamt gut 1,2 km Distanz.

Inzwischen ist es Mittwoch und wir sind im heutigen Tag angekommen. Akribisch beobachten wir, wie sich der kurz nach Mitternacht neu gestartete Ankertrack auf dem Tablet entwickelt. In der ersten halben Stunden formt sich ein Viertel-Kreisbogen heraus, ähnliche einer dicken Bratwurst. Das sieht schon mal gut aus. Um 02:30 Uhr beschließen wir dann: Der Anker sitzt und hält Wind uns Strömung stand. Es darf geschlafen werden, während die AnkerApp scharf gestellt ist.

Der neue Tag beginnt, als wäre nichts gewesen, mit Sonnenschein am wolkenfreien Himmel. Mit leicht verquollenen Augen und einem Pott Kaffee starten wir spät in den Tag. Heute soll es rund 20 Seemeilen weiter nach Norden, genauer gesagt, Oxelösund gehen.

Der Wind ist zum Segeln ideal, nur leider nicht in der von uns gefahrenen Richtung. Meist fehlen wenige Grad und es würde klappen. Tut es aber leider nicht. Und da wir erneut zwischen hunderten von Schären und Untiefen unterwegs sind, erübrigt sich die Frage nach dem Aufkreuzen. Es wird zunächst eine Motorfahrt.


Diese Segelyacht kommt uns mit Vor-Wind-Kurs entgegen. D. h. mit Wind genau von hinten. Das ist immer noch besser als Wind genau von vorne. Aber wir wollen nicht meckern. Die letzten Tage lief es ja wirklich gut bei uns.





Es geht vorbei an falunroten Häusern und unklaren Seezeichen ...

Falunrot oder auch Schwedenrot ist eine rote Dispersionsfarbe für den Außenbereich. Das Farbpigment Falunrot wird seit dem 16. Jhd. aus dem Abraum des Kupferbergbaues in Falun, Schweden, gewonnen.












Ja, und dann können wir tatsächlich noch sieben der insgesamt 21 Seemeilen segeln und zwar bis an den Hafen.

Es gibt hier viel Industrie und Schüttgutverladung. Aber morgen werden wir dann noch ein anderes Oxelösund kennenlernen.



Wir sind noch etwas von gestrigen Tag angeschlagen und es ist, als ich dies schreibe, auch schon wieder 22:30 Uhr.

Bleibt weiterhin neugierig. Wir sind es auch.


Harry & Katrin


Und so sieht es hier in diesem Augenblick aus, wenn wir an Backbord (die linke Seite eines Bootes in Fahrtrichtung) aus dem Salonfenster schauen ...


Gute Nacht!




Dienstag, 6. Juni 2023

06. Juni 2023, Von Håskö nach Styrsö/Örholmen

 Dienstag, 06. Juni


Der Sommer ist in Schweden eingekehrt. Ich steige kurz nach acht Uhr die fünf Stufen den Niedergang hinauf ins Cockpit. Strahlenblauer Himmel, wie auch die letzten Tage, aber eines ist anders. Es ist auch im Schatten warm und das Thermometer bestätigt 18°C.

Ein leichter Wind lässt Ari hin und her schwoien. Wir machen uns einen ersten Kaffee vor dem Frühstück und müssen feststellen: "Alles ist perfekt!"

Laut Seewetterbericht kommt stärkerer Wind, wie auch in den letzten Tagen, erst gegen 11:oo Uhr. Wir können den Tag also ganz gemächlich starten. Ringsherum in den Bäumen zwitschern die Vögel. Einen besonders prägnanten Gesang können wir dann mittels App als den eines Buchfinken identifizieren.

Zufälliger Weise machen wir dann auf Örholmen, unserem heutigen Tagesziel, dieses Foto von einem jungen Buchfinken-Weibchen.

 

Kein Vergleich zum letztjährigen Norwegentörn. Selten hatten wir nach 7:00 Uhr morgens abgelegt. Heute ist es Viertel nach elf als wir den Diesel starten. Gut zehn Minuten sind wir damit beschäftigt, den Anker zu bergen und anschließend zu reinigen. Wieder hatten wir Tonerde als Seegrund, weswegen unser Ankertrack, trotz einiger heftiger Böen am gestrigen Nachmittag, kein Rutschen des Ankers dokumentiert.


Nur 0,2 sm außerhalb unserer Bucht können wir bereits die Segel setzen.


Katrin ist beim Segeltrimm in ihrem Element. Phasenweise ist der Wind dann so schwach, dass sie die Schoten, wie bei unseren Segelschulbooten, ohne Winsch aus der Hand trimmen kann.


Mal machen wir 6 Knoten Fahrt. Mal sind wir in Schrittgeschwindigkeit unterwegs.


Hier fahren wir gerade vor dem Wind (mit Wind genau von achtern) im sogenannten Schmetterling (ein Segel links, das andere rechts).


Nach 10,5 sm Fahrt (rund 19,5 km) liegen wir bereits in dieser wunderschönen Bucht vor Anker. Da es fast deutsche Kaffeezeit ist, schiebt uns Katrin ein paar kleine Kardamom Knuts in den Ofen und zaubert uns dazu noch Espresso.

Damit die Kalorien keine so große Chance bekommen anzusetzen, machen wir uns im Anschluss mit SUP und Kajak auf den Weg, um die Gegend ein wenig zu erkunden.










Überall sieht man jetzt Vögel, die mit ihrem Nachwuchs unterwegs sind ...




Unsere erste Libelle in diesem Jahr, die wir vor die Linse bekommen ...




Ein Graureiher auf Beutefang




Und da das Katrin's letzter Ankertag für diesen Urlaub wird, feuern wir am Abend noch einmal den Grill an.



Die heutige Ankerbucht auf der Navionics Seekarte.
Wir befinden uns im Augenblick hier ...

 

Morgen wird es dann voraussichtlich nach Oxelösund gehen, wo wir dann noch einen weiteren Tag  verbringen wollen. Oxelösund ist auf den ersten Blick ein eher nicht so attraktiver Industriehafen. Wenn man etwas sucht und genauer hinschaut, gibt es einiges zu entdecken. Genau das werden wir tun.

 

Bleibt uns gewogen und weiterhin neugierig.

Harry & Katrin

... und der darf natürlich auch heute nicht fehlen ...


Montag, 5. Juni 2023

05. Juni 2023, Von Torrö nach Håskö

 Montag, 05. Juni


Der Screenshot des Wetterberichtes auf dem Handy sieht aus, wie jeden Tag. Gott sei Dank! Strahlender Sonnenschein heute und die nächsten Tage.



Auch der Wind ist wieder auf unserer Seite und so wird es ein entspannter Segeltag mit achterlichem Wind im Vorwindkurs werden. Wer hier bezüglich des Seglervokabulars nicht mitkommt, muss noch einmal die letzten Blogs zu Schulungszwecken wiederholen. 😋


Doch vor dem "Ablegen" müssen wir zunächst noch den Anker bergen. Zunächst wird der Ankerstropp enfernt (Bild unten), der das Boot in den kräftigen Böen, so sanft wieder eingefangen hatte, ohne dass die Ankerkette auch nur einmal geruckt hätte.


Jetzt wird der Anker, bzw die 25 m gesteckte Ankerkette über die elektrische Winsch eingeholt. Katrin steuert das Boot so, dass der Bug möglichst immer Richtung Anker zeigt, während ich unter anderem kontrolliere, ob der Anker zum Schluss auch sauber in seine Halterung einläuft.


Mal wieder ist die Ankerkette völlig sauber. Nur am Anker selbst kleben ein paar Kilo Ton, der hier in den nördlicheren Schären zunehmend auf dem Meeresgrund zu finden ist. Der Ton bietet hervorragenden Halt beim Ankern, muss dann aber später in der Regel mit etwas Aufwand wieder vom Anker entfernt werden. Ein Spachtel ist da geeignet, denn der Ton hat in etwa die Konsistenz von Fliesenkleber.

Wenn die Bucht groß genug ist, kann man zur Reinigung des Ankers alternativ auch zügig im Rückwärtsgang einen kleinen Kreis fahren, während der Anker nur noch etwa einen Meter tief im Wasser hängt. Die Drehgeschwindigkeit am Bug ist dann so hoch, dass die Wasserströmung die gröbsten Verunreinigungen am Anker entfernt.

Keine zehn Minuten nach dem Motorstart ist dann alles erledigt und wir verlassen die Bucht. Schön war es hier. So schön, dass diese Bucht in unseren Unterlagen einen besonderen Vermerk für eine mögliche Wiederkehr erhält. "Guter Ankergrund / Schöne Insel mit Wanderweg"


Der Törn wird dann eher unspektakulär. Das ist ja nichts Schlechtes. Mit 4,5 bis 5,5 Knoten Geschwindigkeit segeln wir entspannt unserem Tagesziel entgegen und machen diese fast schon belanglosen Fotos.

Eine Besonderheit gibt es dann doch noch. Während des Törn fällt dann zweimal das GPS-Signal auf unseren Tablets aus. Auch auf der Plattform "Marine Trafik", auf der man unsere Fahrt live verfolgen kann, führt unser Track über mehrere Inseln hinweg und nicht durch' s Wasser. Die Ursache bleibt ungeklärt, ist jedoch keine Ausnahme. Auch unsere Drohne hatte vor ein paar Tagen mehrfach während des Fluges den Kontakt zu den GPS-Satelliten und zu unserer Steuerkonsole verloren. Zuletzt als Drohne und Steuerkonsole keinen Meter mehr von einander entfernt waren.

Auf jeden Fall eine Warnung an diejenigen, die alleine mit Hilfe ihres Tablets die Routennavigation durchführen.

Nur die externe Marine-Antenne die zu unserem Navigationssystem gehört, läuft ungestört.



Der nächste Logbucheintrag steht an (Bild oben). Ich darf währenddessen den Törn genießen.



Nein, das ist nicht unser obligatorisches Anlege- oder Ankerbier. Man kann ja auch mal mit Fanta und Cola auf einen entspannten Törn anstoßen ...




Irgendwo in den Außenschären nördlich Valdemarsvik ...




Gut vier Stunden und 18 Seemeilen später liegen wir in unserer heutigen Ankerbucht an der Insel Håskö. Trotz der Windabdeckung nach Süden pfeiffen hier die Windböen noch mit 4 Bft. herein. Am Anfang ist uns etwas mulmig zumute, doch der GPS-Track bestätigt: "Der Anker hält!" zumindest im Augenblick ....



Das ist der bereits beschriebene Ankerstropp mit Gummipuffer. Ganz rechts, gelb, der Ankerball



Der heutige Track (oben) und unsere Ankerbucht (unten), inklusive der "Bootsfahrt über Land" (siehe gelbe Linie auf gelbem Grund)


Wir ankern am roten Dreieck.

Soweit zum heutigen Törn. In unserer Bucht haben wir gute Sicht Richtung Nordwesten und mit etwas Glück gibt es später noch ein schönes Foto vom Sonnenuntergang.

Gegen 22:30 Uhr ...


Bleibt gespannt und weiterhin neugierig - wir sind es auch!

Harry & Katrin