Freitag, 3. Juni 2016

03./04.06.06.2016 Wasserschlacht im Schärenhafen (aktualisiert)

Wo fange ich an? Womit fing es eigentlich an? Ach ja...
... unsere Wasserpumpe sprang immer öfter an, um den Druck in den Leitungen zu erhalten ... erst mehrmals am Tag, dann mehrmals in der Stunde und zum Schluss minütlich. Das war nicht nur nervig, sondern auch beunruhigend.
Harry war schon aufgefallen, dass unser Wasserverbrauch in den letzten Tagen ungewöhnlich hoch schien. Dazu dieses andauernde Anspringen der Pumpe ... bei einem Blick, gestern Abend, in die Bilge dann der erste Schreck - Wasser. Vorsichtige Geschmacksprobe - eindeutig Süßwasser. Das Boot an sich ist also dicht.
Mit einem kleinen Ösfass (Schöpfbehälter) holte ich gut 30 l aus dem Boden des Schiffes. Die Ursache konnten wir so schnell nicht feststellen. Wir stellten vorerst die Pumpe nur noch bei Bedarf an und verschoben die Fehlersuche auf den folgenden Tag. Nach Tjörn war es nur ein kurzer Schlag; da blieb uns am Nachmittag noch Zeit.

Erstmal was Schönes, bevor ich weiter berichte. Die Fahrt nach Tjörn war sehr schön. Laue Temperaturen schon am Morgen, leider ein bisschen zu wenig Wind, aber traumhafte gute Sicht und strahlender Sonnenschein. Die knapp 25 sm versuchten wir so viel wie möglich unter Segel zu absolvieren - und das war schon die schwierigste Aufgabe, da es an Wind mangelte. Alles andere war einfach nur schön. Hier ein paar Fotos von unterwegs:








Das gab es unterwegs ...






Guck einer an, die Jungs von unserer Marine. 

Da lugt unser Ziel schon zwischen den Steinen hindurch ..

Skärhamn auf der Insel Tjörn

Unter Segeln ging es bis vor den Hafen, dann ging uns endgültig der Wind aus

In Tjörn, genauer gesagt im Hafen Skärhamn auf Tjörn, angekommen, sahen wir nach dem Festmachen in die Bilge. Mhm, schon wieder so viel Wasser. Wir bauten die Sitzbank im Salon ab und nahmen alle Bodenbretter über der Bilge hoch.



Harrys Vermutung war, dass einer der Anschüsse an den Wasserhähnen undicht geworden war. Also gingen wir auf die Suche:
im Bad im Heckbereich - nichts. In der Pantry (Küche) den halben Schrank leergeräumt und  .... nichts. Im vorderen Bad - hä, auch nichts. Alles überall trocken. Da schwante Harry noch eine Möglichkeit.

Er öffnete den Heckbereich von einer der Heckkajüten aus und hörte schon beim Öffnen der Klappe ein verräterisches Zischen und Plätschern; es war feucht und warm wie im Tropenhaus.

Die Cockpitdusche hing zwar in ihrer Verankerung (der weiße Schlauch rechts im Bild; hier ist die Dusche schon herausgezogen), brauste aber lustig vor sich hin - aus einem Spalt im Handgriff. Irgendjemand hat irgendwann das Wasser da draußen angestellt und die Dusche bzw. der Duschgriff konnte in den letzten Tagen dem Druck nicht mehr widerstehen und platzte auf.


Die feinen Wasserstrahlen hatten den gesamten Bereich der Ruderanlage inklusiver der dort verbauten Elektrik für den Autopiloten (der auch seit Tagen nicht mehr funktioniert) unter Wasser gesetzt.


"seegerechte" Originalverkabelung des Autopiloten durch den Bootsbauer?



Zum Glück kamen wir nach dem Einbau des Werkzeugschrankes sehr schnell an das benötigte Werkzeug heran.
Links im Bild sieht man ganz hinten die Öffnung zum Heckbereich und den Bereich der Ruderanlagen "durchscheinen".









Wir stellten das Wasser ab und machten uns mit einem tiefen Stöhner an die Trockenlegung unseres Bootes; von hinten nach vorn. Erst wurde der Heckbereich der Ruderanlage getrocknet, dann der Bilgenbereich zwischen den Heckkajüten, später den Salon und den Bugbereich.





Gegen Abend hatten wir es geschafft. Wir würden aktuell garantiert den Preis für die sauberste Bilge erhalten. Nun noch alles wieder einräumen und endlich Essen kochen.
Zur Belohnung setzten wir uns zum Essen ins Cockpit, gönnten uns hinterher noch einen Kaffee mit Baileys-Schaum und anschließend noch einen leckeren kleinen Cocktail. Jetzt ist alles wieder gut ...



Heute, am 04.06.16, bleiben wir noch im Hafen, lüften das Boot weiter und warten auf den Windwechsel (heute aus Nord, morgen wieder aus Nordost und später West). Dann geht es wieder weiter gen Norden.


Hier noch unser Törn am Vormittag des 03.06.2016:


Donnerstag, 2. Juni 2016

02.06.2016 Einmal waschen komplett

Nach dem üblichen Morgenritual (Aufstehen, Frischmachen, Kaffee, Boot klarmachen) starteten wir gegen 8.30 Uhr und verließen Träslövsläge.
Das uns kein Super-Segeltag vorstand verriet uns schon die Wetterprognose: Wind mit max. 3 Bft. aus Nordost, leicht bewölkt und am Nachmittag örtliche Gewitter. Niederschlag in Göteborg (unser heutiges Ziel) aber nur 1,8mm/Tag. OK, ein Minigewitter gegen 14 Uhr - das bekommen wir gebacken.

Ab Varberg beginnt an der Westküste Schwedens so langsam die Welt der Schären.



Nach leider nur kurzem Segelgenuss schlief der Wind auf 2 Bft ein und wir kamen nur noch mit Motor und ein wenig Unterstützung des Großsegels voran. Zeit zum Rumalbern, denn motoren ist sehr langweilig.






Lilleland - eine etwas größere, sehr flache Schäre. Bisher sind wir immer weit draußen vorbeigefahren. Heute mal auf der Seite zum Festland hin. Die Nähe zum Festland bezahlt aber leider damit: dem "Bälleparadies". Bojen und Fähnchen, die die Krebs- und Hummerreusen der Fischer markieren. Slalom fahren war angesagt.
















Die Schären wurden häufiger, mal größer mal kleiner, und so hangelten wir uns von Leuchtfeuer zu Leuchtfeuer, um unseren Weg hindurch zu finden.




Ab Beginn des südlichen Schärengartens von Göteborg wurde es immer diesiger.



Aha, das sieht doch sehr nach Gewitter aus. Nun ging auch endgültig das Großsegel runter, nur der Motor blieb als Antrieb. Wir zogen die wetterfesten Segelsachen an und verstauten alles nässeempfindliche unter Deck. Zu guter Letzt kamen Handys, Tablet und Laptop in den Backofen. Kein Scherz - wir haben diesen Tipp aus einem Buch über Gewittersegeln. Das soll (eventuell) helfen, bei Bitzeinschlag die Geräte vor Zerstörung durch induktive Einwirkung zu schützen.

Punkt 14 Uhr - wie vom Norgweger (www.yr.no) vorhergesagt, krachte der erste Blitz vom Himmel. Kurz darauf fielen die ersten Tropfen. Allerdings waren diese so groß, dass schon die ersten die 1,8mm/Tag allein erfüllten.


Alles, was an Elektronik an Deck gebraucht wurde, musste in regenfeste Taschen.

 

























Zwischendurch gab es immer wieder mal kurze, territorial eng begrenzte, Regenpausen. Während es bei uns in Strömen goss, schien nicht weit entfernt die Sonne.


Das Licht und die teilweise Windstille sorgten für eine schöne Stimmung in den Regenpausen:





Aber nach dem Regen hieß vor dem Regen. Dieses nächste, vorerst letzte, dafür aber sehr heftige Schauergebiet war im Anmarsch - wieder begleitet von seinem eigenen kleinen Gewitter. Zum Glück fanden nur wenige Blitze ihren Weg nach unten - das Meiste spielte sich in den Wolken ab.



Dieses Feld kam nicht nur mit Regen, sondern auch heftigem Wind. Dieser nahm von jetzt auf gleich von 5 auf 23 Knoten zu. Die Sicht im Regen war schlecht, keine 200 m meldete mir der Steuermann.

Und so sah das mittenrin aus:

... und so hinterher:




Nach gut zwei Stunden Waschen ohne Schleudern hatten wir es geschafft. Wir waren durch den südlichen Schärengarten durch ...

.... und hatten unseren Hafen (Öckerö) im nördlichen Schärengarten erreicht.



Wir fanden ein beschauliches Plätzchen direkt vor dem Büro des Hafenmeisters und den dahinter liegenden nagelneuen Sanitärgebäuden. Wir schafften gerade noch ein kleines Anlegebierchen im Cockpit inklusive Trocknung der nassen Sachen, da kam schon das nächste Gewitter durch.

Nach dem x-ten Regenguss ist es jetzt ruhiger geworden. Mehr Boote kamen auch nicht mehr in den Gästehafen, so dass sich die vielen Ohrenquallen um uns herum sorglos treiben lassen konnten:




 Die Sonne geht langsam unter - und wir in die Koje





Hier noch unser heutiger Törn - morgen geht es richtig in die Schären. Tjörn, Orust, Hamburgsund - wir werden eine nach der anderen besuchen.


Mittwoch, 1. Juni 2016

01.06.2016 Verwirrend ...


01.06.2016 Die nördlichste Barfußroute

Nach einem gemütlichen Abend in Halmstad und anschießend noch im Cockpit ...







ging es heute morgen nach einem Kaffee kurz nach 8 Uhr schon wieder auf Tour.
Bye, bye, Halmstad - hier war es wirklich schön.


Am Ausgang des Hafens: Jeder macht es sich so gemütlich wie er kann ...



Später am Tag gab es ein verspätetes Frühstück - Eierbrötchen
         -> Bild rechts :-)



Der Wind war gut segelbar. Angesagt waren 3 Bft, in Böen 4 - und die waren tatsächlich am wedeln.

Der Tag entpuppte sich als traumhafter Segeltag.
Fuhren wir noch in langen Sachen und Segelhose los, sorgte eine unerbittliche Sonne und blauer Himmel schnell für einen kompletten Garderobenwechsel.
Barfußsegeln in kurzen Sachen - einfach nur toll.


Die 4er Böen kamen mehr wie eine lange Brise auf lockerem Am-Wind-Kurs rein, so das Ari immer wieder schnell die 7 ktn erreichte. Zwischendurch gab es allerdings auch immer wieder Flautenfelder. Da wir heute eine eher kurze Strecke von nur 35 sm vor uns hatten, saßen wir die Schwachwindphasen einfach aus. Nur in ärgster Flaute ging ab und zu der Motor an, um das Boot zum nächsten, schon gut ersichtlichen, Windfeld zu schieben.

Nach genau 7 Stunden liegen wir in einem unserer Lieblingshäfen der schwedischen Westküste, in Träslövsläge


Das Wasser ist hier so klar, dass man den Ohrenquallen noch in mehr als 1,5 m Tiefe beim Schwimmen zusehen kann.
Kleiner Hafen, schöner Liegeplatz, klares, sauberes Wasser, kostenloses W-LAN - was will man mehr?!

Es ist hier, für schwedische Verhältnisse, mit 27 °C ziemlich warm. Da wir noch von der Brutzelei auf dem Wasser aufgeheizt sind, fliehen wir nach einem Anlegerbier sofort unter die Dusche.

Morgen werden wir weiterfahren - auch wenn die Windprognose mit 3 Bft nicht gerade nach vielen Seemeilen aussieht. Mal schauen, wie weit wir kommen.

Unser heutiger Track: