Dienstag, 27. Juni 2023

26. Juni 2023, Mariehamn (Åland Archipel)

 Montag, 26. Juni


Seit gestern ist es geschafft, ich bin auf den Åland Inseln, genauer gesagt in Mariehamn.

Wappen von Mariehamn
Flagge Åland

Mariehamn ist nicht nur die einzige Stadt des gesamten Archipels der über 6.700 Inseln zählt, sondern auch gleichzeitig dessen Hauptstadt. Knapp 12.000 Einwohner leben hier und rund 30.000 im gesamten Archipel. Bei der Anzahl der Inseln wird jede Landfläche gezählt, die mindestens 0,25 ha (also 2.500 m²) groß ist.

Die Åland Inseln liegen zwischen Schweden und Finnland (siehe Karte oben). Die Ausdehnung gemäß des roten Kreises ist von mir geschätzt. Eine verwertbare Karte mit konkreten Informationen, wo Åland aufhört und Finnland beginnt, habe ich im Internet nicht finden können. Dafür aber den Hinweis in dem Åland-Reiseführer Wikivoyage, dass es hier praktisch keine Kriminalität gibt. 

Dort heißt es u. a.:  
In den Schärengemeinden werden bei Bedarf polizeiliche Aufgaben von der Küstenwache,  einem Fährenkapitän oder dem Postboten wahrgenommen. Kriminalität ist quasi nicht  existent. In ländlichen Gebieten ist es auch heute noch gebräuchlich, dass Häuser auch bei  längerer Abwesenheit nicht abgeschlossen werden. (...) Autos müssen nicht abgeschlossen werden, man lässt oft den  Zündschlüssel stecken.


Ein KFZ-Kennzeichen

 

Gestern Nacht hatte ich vor dem ins Bett gehen noch einmal gegen 02:30 die Kamera gegriffen, um dieses Foto zu machen ...


 

Ich liege hier inzwischen alleine am Außensteg der Marina. Rund ein Dutzend Gastboote befinden sich im Hafen, der mir als Alleinsegler für ein Anlegemanöver zu eng war.

Das grünlich bis türkisfarbene Wasser erinnert ein wenig an den Hardangerfjord.

Gegen Mittag mache ich mich auf den Weg und schaue mir Mariehamn mal genauer an. Mit Katrin war ich schon mal (ich glaube 2018) hier und an vieles, so stelle ich fest, kann ich mich noch sehr gut erinnern.

Ein Paar Impressionen ...






Ich weiß, wir hatten bereits eine im gestrigen Post, aber diese hier, hat sich so in Positur gestellt; da konnte ich nicht anders ...

Eine Weißwangen-Gans




Es gibt auffällig viele Grünanlagen in dieser Stadt. Plätze in kleinen Paranlagen, wie dieser (oben). Am südlichen Stadtausgang grenzt ein Wald mit Badestrand an und an verschiedenen Stellen findet man Alleen, bei denen man in der Mitte auf einem breiten Grünstreifen und unter dem schattigen Grün alten Baubestandes flanieren kann, während der Straßenverkehr im größeren Abstand rechts und links vorbeigeführt wird.


Echter Salbei in Blüte ...




Leberbalsam (sieht ein wenig wie eine Seeanemone aus)


In der Nähe des Osthafens befindet sich eine Fußgängerzone.


Zwischen neueren Gebäuden findet man ettliche alte/historische Holzhäuser im "Schwedenstil", die hier in der Regel aber nicht falunrot gestrichen sind ...





Und es gibt hier ein deutsches Honorarkonsulat ...


Mariehamn liegt übrigens auf einer Halbinsel. Die Ari liegt im Osthafen. Gut 6 km bin ich heute durch die Stadt gewandert. Bis zum Westhafen sind es Luftlinie nur 1,2 km.


Und dort, am Westhafen, sticht einem zuerst die POMMERN ins Auge.

Die Pommern ist eine 1903 unter dem Namen Mneme gebaute stählerne Viermastbark (Windjammer). Sie ist ein Schiff der legendären Flying P-Liner und liegt hier heute als Museumsschiff.

Die Flying P-Liner der Hamburger Reederei F. Laeisz, waren berühmt für ihre unverwüstlichen leistungsstarken Frachtsegler. 83 Stück gab es insgesamt, Acht davon waren sogenannte Schwesterschiffe (mit gleichem Bauplan). Diese acht Viermastbarken waren Pangani, Petschili, Pamir, Peking, Passat, Pola, Priwall  und Padua (heute Kruzenshtern).

Ebenfalls als Museumsschiff liegt die Peking derzeit im Hamburger Hafen und die Passat in Travemünde. Die Padua (Kruzenshtern) läuft noch als Segelschulschiff unter russischer Flagge









Das Seefahrtsmuseum

Das Seefahrtsmuseum ist unbedingt einen Besuch wert, genauso wie ein Gang über die einzelnen Decks der Pommern. Mit viel Aufwand hat man die optischen Eindrücke unter Deck, noch mit starken akustischen Untermalungen versehen, so dass man als Besucher das Gefühl hat, anno neunzehnhundert-irgendwas auf einer Atlantiküberquerung dabei zu sein.



Direkt neben der Pommern begrüßt die Marina im Westhafen ihre Sportbootkunden.


Hier liegen im Gegensatz zum Osthafen alle Boote an der Mooringtonne. Die Abstände der Stege sind großzügig bemessen, so dass genügend Manövrierraum zur Verfügung steht. Der Osthafen ist nicht schlecht, aber recht eng.

Panorama (bitte nach rechts scrollen)


Eider-Enten


"Maibäume" dieser Art werden in Skandinavien zum Midsommar Fest aufgestellt.


Keine Kirche - "nur" ein interessantes Haus


Das Åland Lyceum (Gymnasium) wurde bereits 1845 gebaut.


Eine von mehreren Alleen

Die längste Allee, die ich hier gesehen habe, verbindet den Ost- mit dem Westhafen und ist rund 1 km lang. Diese, sicherlich schönere Allee, habe ich nur nicht aufgenommen, weil das Sonnenlicht so ungünstig stand.


Heute habe ich dann außerdem noch die ersten Vorräte für die Weiterfahrt gebunkert. Man ist schon erstaunt über die finnländischen Preise, das war mir auch noch grob in Erinnerung. Nicht, dass hier alles teurer wäre. Im Supermarkt, beispielsweise bekommt man die 500 g  Packung Kaffee für knapp 6,- €, wie bei uns zu Hause. Eine Packung Aufbackbrötchen, die schon vorgebacken sind, kostet hier sage und schreibe durchschnittlich 4,50 € für 200 g Inhalt (4 Brötchen). Ich hatte bei EDEKA für diesen Törn zuletzt eine 560 g Packung (8 Brötchen) für rund 1,50 € gekauft. Mit dem Preisfaktor 6 wird hier ein Aufbackbrötchen zum Luxusartikel, genauso, wie die Butter für 3,50 € für (nur) 200 g. Gleichzeitig scheinen Obst und Gemüse preislich ähnlich wie bei uns zu liegen. 

Für den Abend hatte ich mir dann noch in der Laundry eine Waschmaschine über das Hafenbüro reserviert. "Das macht dann pro Maschine 5,- €" sagte mir der freundliche junge Mann hinter dem Tresen. Gut denke ich, wie bei anderen Häfen auch. Denn dort, wo es kostenlos angeboten wird, sind meist die Liegegebühren auch entsprechend hoch. "Mir reicht eine Maschine" erwidere ich. "Das mach dann 10,- €" schallt es mir entgegen. Offensichtlich war mein stutziges Gesicht nicht zu übersehen, weswegen der junge Mann nachschiebt: "5 € für die Waschmaschine + 5 € für den Trockner". Das ist so eigentlich nicht üblich. Dafür war der Liegeplatz heute im Hafenbüro 2 € günstiger, als gestern am Automaten. 30 € für einen Liegeplatz in einer Hauptstadt, dass ist vergleichsweise günstig.

Gegen 22:00 färbte sich der Himmel langsam in Richtung Sonnenuntergang und ich war gerade mit der Wäsche fertig. Warum nicht eine abendliche Fotorunde, sage ich mir. Eine halbe Stunde später stehe ich dann wieder drüben am Westhafen, wo die Pommern liegt. Eine Auswahl ...





Der Yachthafen



Interessant, wie sich die Farben ändern, wenn man den Sonnenuntergang im Rücken hat.



Zum Abschluss das Restaurant-Schiff in "unserem" Osthafen gegen 23:30 Uhr.  Dunkler wird es die ganze Nacht nicht mehr, denn Mariehamn liegt schon leicht nördlich des 60. Breitengrades.

Das Bild oben ist bezüglich der Helligkeit in etwa realistisch, während die Fotos mit Sonnenuntergang deutlich zu dunkel sind, weil die Kamera bei Gegenlicht abblendet.

Morgen passt der Wind noch nicht für die Weiterfahrt, also bleibe ich hier. Das ist gut, denn es gibt hier noch ein sehr fotogenes altes Fischerdorf.

Bleibt mir gewogen und weiterhin gespannt.

Euer Harry



Montag, 26. Juni 2023

25. Juni 2023, Von Finnhamn nach Mariehamn (Åland Archipel)

 Sonntag, 25. Juni


Gestern Abend schaute ich noch einmal kurz nach 22:00 in den Seewetterbericht. In der Region um Finnhamn war schwacher Wind vorhergesagt, der auch wegen seiner aus Nord kommenden Richtung nicht zum Segeln taugt. Weiter draußen auf der freien See sollten aber 13 kn (4 Bft), in Böen 18 kn (5 Bft), ebenfalls aus nördlichen Richtungen, sein. Eine bessere Chance bekomme ich die nächsten Tage nicht, also starte ich am Sonntag früh. Nordwind ist nur bedingt gut, wenn man nach Nordosten muss, aber es sollte machbar sein.

Um 05:00 Uhr klingelt der Wecker. Gut er hätte geklingelt, wäre ich nicht schon vorher wach gewesen. Ich mache mir einen Kaffee und während die Brötchen im Ofen backen, bereite ich schon mal das Logbuch vor und trage unter anderem das zu erwartende Wetter für meine Fahrtroute ein.



 

Gegen 06:00 mache ich noch dieses Foto, denn das Wasser in der Bucht ist spiegelglatt und die Sonne steht noch tief. Beste Voraussetzungen für stimmungsvolle und farbenprächtige Bilder. Als seien die vor Anker liegenden Boote auf einem Spiegel festgefrohren. Draußen ist es feuchtwarm und so ist Ari komplett mit dicken Wassertropfen überzogen, obwohl es nicht geregnet hat.


Während meiner Vorbereitungen mümmle ich ein Brötchen notgedrungen noch am Morgen. Zwei weitere werden für den Törn vorbereitet. Um 06:28 bin ich klar zum ablegen und starte den Motor.


Oben: Hier bin ich schon rückwärts aus meinem Liegeplatz herausgefahren. Ari treibt, während ich die Festmacherleinen, die ich eben gelöst habe, ins Cockpit lege. Als alles verstaut ist geht es los. Zunächst quer durch das Feld der Ankerlieger ...


Am Ende der Bucht nehme ich jetzt die nördliche Ausfahrt. Durch einen recht engen natürlichen Kanal, der sich zwischen mehreren Schären befindet, geht es Richtung Fahrwasser. Grobe Richtung: NordOst ...


Nach gut zwei Stunden Motorfahrt komme ich dann in das Hauptfahrwasser, dass Stockholm in östlicher Richtung an die Ostsee anbindet. Hier sind immer reichlich Kreuzfahrtschiffe unterwegs. Dieses hier fährt gerade nach Stockholm ...

Das Hauptfahrwasser (siehe auch Karte ganz unten) verläuft von Stockholm aus in nordösticher Richung und hat etwa die selbe Ausrichtung, wie der Kurs, den ich nach Mariehamn schaffen müsste. Natürlich schlängelt sich so ein natürlicher Wasserlauf durch die Landschaft und so merke ich, dass ich draußen auf der freien See aufgrund des Nordwindes den Kurs nach Mariehamn gerade so nicht schaffen werde.

Daher entscheide ich mich auf der Fahrt, meine Route noch einmal anzupassen. Ich greife mir das Tablet und such mir eine nördlichere Ausfahrt auf die freie Ostsee heraus. Die ist schnell gefunden. Dadurch starte ich meine Überfahrt 10 sm, rund 19 km nördlicher, weswegen ich nach Mariehamn einen um 18° günstigeren Kurs habe und dann ganz entspannt und deutlich schneller segeln kann.


Die letzten Schären bevor die offene See kommt ...


Nach etwas mehr als 30 sm kann ich endlich die Segel setzen und der Diesel verstummt für die nächsten Stunden. Welch Wohltat. Vom östlichsten Teil Schwedens bis zum Beginn der Åland Inseln sind es nur 32 sm (rund 60 km). Etwa auf halber Distanz überquere ich gegen 14:00 eine Zeitzone. Ab hier gilt nicht mehr die Mitteleuropäische sondern die Osteuropäische Zeit, also +1 Stunde (siehe auch Karte ganz unten). Für die nächsten Wochen ist es bei mir also immer eine Stunde später.


Bevor ich den Wirtschaftraum der Ålands erreiche muss ich noch die Gastlandsflagge wechseln. Die schwedische kommt runter (oben) und die Ålandflagge wird gesetzt (unten). Die Ålands sind eine politischer Autonomie Region Finnlands. Die Haupstadt ist Mariehamn, die offizielle Sprache schwedisch und die Währung ist der Euro.


Das erste was man von den Åland Inseln sieht, ist dieser ehemalige Förderturm eines Untertagebaus (Gearbeitet wurde untertage wohl unter dem Meer, wenn ich dass richtig in Erinnerung habe. Leider habe ich die Webseite mit diesen Infomationen nicht mehr gefunden) ...


Als ich kurze Zeit später die Segel einhole, haben wir unsere 15.000 'ste Seemeile auf dem Meer gesegelt (knapp 28.000 km). Ab hier sind es dann noch einmal 10 sm Motorfahrt nach Mariehamn, denn der Weg führt Richtung Norden, wo der Wind herkommt.

Um 18:15 (MESZ) also hier 19:15 liege ich nach knapp 12 Stunden fest im Hafen von Mariehamn und schalte die Maschine aus.


Dieser schöne Kutter ankert direkt vor meinem Hafen.

 

Weißwangen-Gänse





Der Track meines heutigen Törns mit ein paar Zusatzinformationen ...

Distanz: 67,6 sm nach GPS (über Grund) - 72,8 sm nach der Logge (durch das Wasser). Die Differenz von 5,2 sm entsteht hier durch den Gegenstrom, weil der Nordwind das Wasser gerade nach Süden aus der Ostsee drückt, ich aber in die Gegenrichtung gefahren bin.


Es ist schon wieder halbzwei Uhr nachts. Ich glaube, ich kann jetzt noch gar nicht schlafen. Ich bin zu aufgekratzt. Es war eine schöne Fahrt - also die 32 sm unter Segeln 😉


Morgen schaue ich mich hier mal ein wenig um und mache bestimmt noch das eine oder andere Foto.

Bleibt gespannt - ich bin es auch.

Euer Harry