Sonntag, 4. Juni 2023

04. Juni 2023, Torrö Naturreservat

 Sonntag, 04. Juni


Wir starten unseren Tag mit einer Tasse Kaffee, die wir im Cockpit einnehmen. Da wir am Morgen Ostwind haben und sich der Bug vor Anker in Windrichtung dreht, sitzen wir hinter unserer Sprayhood am Heck im Schatten. Das ist bei strahlend blauem Himmel trotz der 13°C sehr angenehm, denn man holt sich nicht schon früh einen Sonnenbrand. Wir haben ja heute noch einiges vor.


Nach dem Frühstück werden wir wieder mit Kajak und SUP aufbrechen und an Land übersetzen. Es soll später in den Süden von Torrö gehen.

In Västervik hatten wir uns unter anderem auch einen Basilikumtopf und einen Salat mit Wurzelballen geholt. Beide hatten wir sorgfältig im Schatten der Sprayhood gepflegt. Heute, nach einer Wochen, dürfen sie das erste Mal an die Sonne. Nach unserer Erfahrung reagiert zumindest das Basilikum sensibel bei der Umstellung von Kunst- auf Sonnenlicht.


Fast jedes Jahr hatten wir so einen Topf dabei. Am Anfang bekam er von Katrin sogar einen Namen: "Basili". Prompt war er dann zu schade zum Essen. Seither ist die Pflanze immer namenlos.


Zeit für' s Frühstück und da der Wind gegenüber gestern gedreht hat, haben wir heute eine andere Aussicht.

So, nun geht' s aber los. Wir setzen in einen Seitenarm unserer Bucht über. Hier ist es, im Gegensatz zu den Böen am Boot, fast windstill.


Oben: Das ist der Track unserer heutigen Wanderung über gut 4 km. Das Boot habe ich allerdings falsch herum ins Bild gesetzt, denn wir haben Ostwind ... egal.




Wir folgen dem gut markierten Rundwanderweg. Oft geht er über gletschergeschliffene Granitfelsen. Rechts und links finden wir dicke Moospolster und Flechten. Das Moos ist hier überall völlig ausgetrocknet und knirscht ähnlich wie gefrohrener Schnee, wenn man drauftritt.


In der nächsten kleinen Bucht steht ein Privathaus. Der Wanderweg führt nur wenige 'zig Meter daran vorbei. Zäune gibt es hier nur, wenn es um Viehhaltung geht.




Apfelblüten, mitten im Wald


Einige hundert Meter weiter kommt man an diesem Süßwassersee vorbei. Was hier auf dem Foto so tiefblau schimmert, ist Wasser, das in Ufernähe tiefrot schimmert. So kenne ich eigentlich nur Torfseen.


Ganz im Osten der Insel kommen wir an diesem ehemaligen Lotsenhaus vorbei. Es steht an dem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Schärenfahrweg, den wir auf dem Weg nach Valdemarsvik noch vor wenigen Tagen hier entlangfuhren - ohne zu wissen, dass wir hier mal landen würden.


Blick nach Osten, Richtung Gotland ...

Eine Schwertlilie






Über mangelnde Fotomotive können wir uns nicht beschweren.


Irgendwann sind wir dann leider schon am Ende unseres Rundweges, machen unsere schwimmenden Untersätze klar und paddeln zu Ari zurück.





Während ich hier schreibe ist es gerade mal 17:oo Uhr. Der Diesel tuckert für 90 Minuten, damit wir wieder genügend Strom und heißes Wasser zum Duschen haben.

Ob es heute einen spektakulären Sonnenuntergang geben wird, wissen wir natürlich nicht. Daher nehme ich mal drei Fotos, die Katrin gestern Abend geschossen hat.



Erst gegen 23:15 Uhr kommt der Mond hinter einem Wald hervor und beginnt, sich in der Bucht im Wasser zu spiegeln.


Mit diesen Bildern verabschieden wir uns für heute. Morgen geht es weiter zur nächsten Insel.

Bleibt gespannt, wir sind es auch.

Harry & Katrin




Samstag, 3. Juni 2023

03. Juni 2023, Torrö Naturreservat

 Samstag, 03. Juni

 

Die Nacht vor Anker war ruhig und wir haben wie die Murmeltiere geschlafen, während unsere AnkerApp darüber wachte, dass wir trotz der zeitweise kräftigen Böen nicht abgetrieben werden. Doch der Anker hält, obwohl uns der Wind bereits in alle Himmelsrichtungen gedreht hat. 

 

Oben: Blick Richtung Osten auf die freie Ostsee. Wer hier mit Kurs 90° direkt nach Osten fährt, kommt nach rund 75 sm (139 km) mit Abstand von nur einem Kilometer an Farö, der nördlichsten Spitze Gotlands, vorbei. Nach 243 sm (450 km) würde man auf den südlichsten Küstenabschnitt Estlands, ein wenig nördlich der Grenze zu Lettland, treffen. Ich schweife ab.


Das Torrö Naturreservat liegt ganz im Süden des Schärengartens von Östergötland bzw. Valdemarsvik. Die Insel Torrö kann man zu Fuß auf den rund 6,5 km langen Rundwegen erkunden. Eine Anfahrt mit dem Kfz ist möglich.

Quelle: https://www.naturkartan.se

 
Wir hatten bisher nur einen Kaffee und holen jetzt das Frühstück nach, während wir diesen Blick haben ...

... und ab und zu segelt ganz in der Ferne ein Boot vorbei ...


Das Wetter ist uns weiterhin hold. Die Sonne scheint am leicht bedeckten Himmel bei 14° und Tageshöchstwerten um 18°C. Das Wasser wird jedoch stetig kälter. Hatten wir vor kurzem in Skavdö (Nähe Västervik) noch 13,5 ° gemessen, so liegt die Wassertemperatur hier bei nur 11,5°C. Katrin ist genauso wenig, wie Gerd vor 10 Tagen, zu einem Bad in der frischen Ostsee zu überreden.

 

 Am Vormittag zieht der Himmel dann zu. Düstere Wolken machen sich breit und kräftige Böen kommen auf.

Immer wenn eine dieser Böen durch die Bucht pfeift, ist die Ankerkette ordentlich unter Last und liegt dann quer im Wasser ...


 Sekunden später ist alles vorbei, das Boot treibt wieder fünf, sechs Meter nach vorne in Richtung Anker und die Kette hängt dann ohne Last senkrecht im Wasser.

 Wir ankern hier auf knapp 6 m Tiefe und haben 25 m Kette gesteckt. Die Position des Ankers können wir durch den kleinen gelben Ankerball erkennen, der wenige Meter vor dem Bug der Ari schwimmt. Der Ankerball befindet sich an einer 6 m langen Leine an der Wasseroberfläche direkt über dem Anker. Rein rechnerisch müsste dieser Ankerball (25 m minus 6 m =) 19 m entfernt liegen. Tut er aber nicht. 

Das liegt vermutlich daran, dass sich die Kette unterwasser um einen Stein oder Felsen  gewickelt hat, weswegen wir nur wenige Meter vom Anker entfernt liegen. Das hat hier einen Vorteil, weil der Stein verhindert, dass sich bei den drehenden Winden die Zugrichtung auf den Anker ändert, was im schlimmsten Fall zu dessen Ausbrechen führen könnte.

So ist unser Drehpunkt jetzt nicht mehr der Anker, sondern der Stein oder Fels. Das ist gut, solange wir später beim Verlassen der Bucht die Kette wieder irgendwie samt Anker hochgezogen bekommen.

 



So, nun ist es aber Zeit, sich mal die Insel Torrö anzuschauen. Hier ein paar Impressionen ...


Zwischendurch dann immer wieder der prüfende Blick und die Frage: "Hält der Anker auch das Boot, während wir unterwegs sind?".
 

 Am Ufer können wir uns dann an einem Hinweisschild die Frage beantworten, ob dieses Naturschutzgebiet überhaupt betreten werden darf. Darf es und es gibt sogar einen markierten Wanderweg. Unsere Informationen zur Insel (siehe Einleitung zum Blog) haben wir heute erst später aus dem www geholt und waren dann vom Umfang überrascht. Zu einigen Orten ist manchmal so gut wie nichts zu finden. Da diese Insel so abgelegen schien, hatten wir auch hier mit keiner besonderen Erwähnung gerechnet. 



 


 

An einigen Stellen muss man sich als Pflanze schon seinen Standort erkämpfen und darf dann auch nicht zu anspruchsvoll sein.

 


 

Vermutlich ein Strand-Milchkraut (Familie: Primelgewächse)

 

Eine Bachstelze

 

Wahrscheinlich eine Kuckucks-Lichtnelke

 


Sumpf-Porst

 Wenn Sumpf-Porst, welches zu den Rhododendron-Gewächsen gehört und giftig ist, in so großer Zahl im Zusammenhang mit Schilf auftritt, sollte man wegen der Mückenschwärme lieber das Weite suchen. Wir zumindest haben es getan.

 

 


 


 

 

 Morgen schauen wir uns noch den Rest der Insel an. Wir sind gespannt, was es hier im Naturreservat noch zu entdecken gibt.

 Bleibt uns gewogen und weiterhin neugierig.

 

Harry & Katrin