Freitag, 24. Mai 2019

23.+24.05.19_Auf großer Schleichfahrt

Drei Wochen Urlaub - klingt erstmal gut.
Leider konnten wir aus familiären Gründen nicht gleich durchstarten - die große Familie geht nun mal vor. Also gönnten wir uns eine vorerst kurze Woche, die wir in der Nähe Rügens verbringen wollten. Auch dieser "Notplan" wurde vereitelt - zäher Seenebel durchkreuzte alle Pläne, auch nur den kleinsten Absprung von Rügen zu wagen. So umrundeten wir heroisch in vier Tagen Hiddensee - was für eine Meisterleistung ...

Vor Anker im Nordwesten Hiddensees, ca. 200 m vom Strand entfernt

Spaß hatten wir trotzdem - Wandertag auf Hiddensee

Nach einem klärenden Telefonat mit der Heimat kam die endgültige Freigabe: ab in den (Rest-)Urlaub. Zurück im Heimathafen ging es schnell nochmal nach Stralsund, um Lebensmittel für einen längere Reise zu bunkern und am Donnerstag um 10:30 Uhr legten wir ab.

Start-Selfi, yeah

Unser Ziel: irgendwas in Südschweden oder auf Bornholm. Das Wetter versprach nach einer Nacht mit Starkwind eine ruhige Fahrt mit wenig Welle und schönem Segelwind mit 3-5 Bft, auch in der Nacht und am folgenden Tag.
Leider segelten wir dem "schönen" Wind anscheinend hinterher. Die Front war zu schnell durch und wir bekamen immer nur noch die Windreste ab. Elf Stunden lang wechselten sich Segel setzen / Segel bergen / Motor an / Motor aus in schöner Regelmäßigkeit ab. Teilweise waren wir zwischen Rügen, Südschwedische Küste und Bornholm nur noch mit 3,5 ktn (Seemeilen pro Stunde) unterwegs. Unser Boot schafft locker 6-7 ktn im Durchschnitt.
Das gab uns allerdings ausreichen Gelegenheit, unsere tierischen Besucher an Bord ausreichend zu fotografieren. Zum Beispiel dieses Prachtexemplar einer Hornisse:


Auch ein junger Falke versuchte, am Boot zu landen, rutschte aber leider ab und verschwand in den Wellen. Das war ein sehr trauriger Moment.
Trotz allem genossen wir den Wechsel von Sonnenuntergang, Mondaufgang und wieder Sonnenaufgang. Das sind jedes Mal Momente, in denen man die Müdigkeit vergisst und das Naturschauspiel einfach genießt.

Sonnenuntergang, irgendwann nach 21 Uhr


In der Nacht hatte wir mit viel Schiffsverkehr, vor allem in Nähe der Hauptrouten, zu tun.

Ein Blick über den Bug des Bootes und eingeschalteter Beleuchtung

Eine gute Stunde vor der Sonne ging der Mond auf. Aus einem matschigen, orangen Etwas, dass sich durch die tiefen Wolken nach oben schob, wurde dieses Prachtexemplar: 



Guten Morgen 
Nach elf Stunden in mittlerweile fast kompletter Flaute gaben wir auf, nahmen die Segel runter und starteten für den Rest der Fahrt den Motor. Eine weitere Chance zum Segeln gab es tatsächlich nicht mehr. Obwohl: auf den letzten 2 sm wurde der Wind wieder wach - da hatten wir aber keine Lust mehr, nochmal die Segel rauszuholen.
Nach 20 Stunden und 35 Minuten kamen wir ziemlich entspannt kurz nach sieben Uhr mit knapp 110 sm im Kielwasser im Hafen von Simrishamn an.

Entspannt, weil wir unsere Wacheinteilung entsprechend unserem Naturell auswählten. Harry, die Nachteule, fuhr in die Nacht, ich, der frühe Vogel, ging früh in die Koje. Gegen 1 Uhr aßen wir gemeinsam eine Kleinigkeit und tauschten dann die Plätze. Ich ging ins dunkle Cockpit, Harry in die warme Koje. So hatte jeder rund 5 Stunden Wache bzw. Ruhenszeit.

Morgen wollen wir weiter. Über die Insel Hanö weiter in die kleine Schärenwelt westlich Karlskronas - wohin das Wetter uns so treibt. Das ist zwar ungefähr die Runde wie genau vor einem Jahr, aber die Schönheit der kleinen Inseln hier (in Südschweden und vor Bornholm) bietet mehr als nur für einen Besuch. Ansonsten bestimmt wie so oft der Wind das nächste Ziel und wir lassen uns gerne überraschen.

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