Samstag, 29. August 2015

28.08.2015 Die Wasserschlacht zu Göteborg :-)

Wie eingestellt schrie uns um 5 Uhr der Wecker an. Zeit zum Aufstehen, wenn man 65 sm vor sich hat. Oh nö ... wir waren noch müde, wollten noch nicht aufstehen, und überhaupt ... gibt es ja auch noch 2 weitere geplante Routen für heute. Also den Wecker auf 7 Uhr umgestellt und wieder umgedreht. Göteborg war nur 45 sm entfernt und auch interessant.
OK, dann also 7 Uhr. Wir gönnten uns ein richtiges Frühstück, tankten nochmal Wasser nach und legten bei 5 Bft wie nach Lehrbuch ab.
Zuerst mal raus aus dem Hafen - bei dem einlaufenden Schwell und der gestern erwähnten Enge ging das nur mit ordentlich Schub. Draußen dann gut 5 sm gegen Welle und Wind. Erst dann konnten wir abfallen und die Segel setzen. Die Fahrt erwies sich als außerordentlich ... ähm ... sportlich. Windstärke 5 Bft, in Böen gute 6 Bft; 1m Welle mit einer gut 1,5 m Dünung. Eigentlich sehr viel Segelspaß. Das Boot war sauber getrimmt und ließ sich auch in den hohen Dreierwellen gut aussteuern. Aber es war anstrend - ohne Frage. Ein Grund mehr sich zu freuen, dass wir uns für die kürzere Route entschieden haben. Tjörn schwimmt uns schon nicht weg.
NATÜRLICH schütte ich euch heute mit Fotos unserer "Wasserschlacht" zu. Ich kann mich einfach nicht für nur ein paar wenige davon entscheiden. Wem es zu viele sind, der scrolle einfach weiter :-)



Lilleland - was für ein passender Name
Echte harte Kerle bei der Arbeit!
   









voll schräg .-)
Uns dann kamen die Südschären von Göteborg:


Glücklich und sehr (!) zufrieden






Und da waren sie wieder ... die Bällchen im Wasser. Hier liegen Reusen für Hummer. Wir haben sie nicht vermisst!

Meins!!!




Nach der Einfahrt durch die Südschären landeten wir im Hafen des GKSS in Göteborg.
Der GKSS ist der königliche Segelverein Göteborgs und schon ein bisschen "schicki". Und voll! Kaum ein Liegeplatz frei. Beim Bezahlen der Liegegebühr kam auch der Grund auf: an den nächsten zwei Tagen läuft hier der Americas Cup 2015! Ha, und wir mittendrin. Jetzt erklären sich auch ganz schnell die vielen Leute im Hafen. Wir haben einen Liegeplatz direkt hinter der Hafenmauer und liegen somit in erster Reihe mit freier Sicht aufs Geschehen. Whow, was für ein glücklicher Zufall. Wir werden berichten.

Donnerstag, 27. August 2015

27.08.2015 Träslövsläges

Nach rund 11 Stunden Schlaf tauchten wir heute morgen aus dem Tiefschlaf auf.
Ich wagte ein erstes, vorsichtiges Bewegen - ging. Dann blaue Flecken zählen - alle da. Wie nach einer langen Bergtour - mphhh. Frühstück! Kaffee! Der Tag konnte beginnen.
Allerdings vorerst nur unter Deck. Draußen tobten Wind und Regen, peitschten übers Deck und jagten die Wolken am Himmel. Wir verbrachten den Vormittag mit Fotoshow, Blog schreiben, uns bei den Lieben melden, lesen und hin und wieder nochmal kurz die Augen schließen.

Als gegen Mittag schon fast die Sonne wieder durchkam, war der Wind noch lange nicht am Ende. Trotzdem mussten wir mal raus, die Füße vertreten, Liegeplatz nachbezahlen, uns den Ort ansehen. Ganz überrascht stellten wir unterwegs fest, dass wir viel zu warm angezogen waren. Das Wetter ist zwar mies, aber nicht kalt. Schwedischer Sommer eben :)
Schon von weitem sahen wir Surfer und Kitesurfer übers Wasser fliegen. Da mussten wir hin! Wir kamen zu einem Strand, direkt hinter dem Fischereihafen. Was für eine Show!
Bei Windstärken von 6-7 Bft hatten die Jungs richtig Spaß.

Wir gingen noch ein wenig weiter, nach vorn an die Hafenmole mit Blick aufs freie Wasser.
Mit dem Ausblick, dass wir morgen ähnliches Wetter haben werden, blieb mein Blick wie gebannt auf dem Wasser hängen. Na Hallejulja, das kann ja ein schöner Spaß werden. Zum Glück habe ich für drei verschieden Zielhäfen für morgen die Routen geplant, mit Strecken von 25, 45 und 67 sm - je nachdem, wie gut wir uns bei 6-7 Bft mit Wind und Welle und dem Wind aus West klar kommen.
Hier ein paar Impressionen von heute:

Die Hafenein-/-ausfahrt. Bitte durch rot/grün, aber nicht über gelb fahren .... scharf links abbiegen! Da geht's morgen wieder raus.



Der Fischereihafen nebenan. Mal einer der etwas größeren Sorte






Die Bucht der Surfer. Der starke Wind aus Süd/Südwest schoss schräg rein:







  
Man kann noch so oft in die App schauen - davon ändert sich das Wetter leider auch nicht.
Das Meer sieht auf diesem Foto viel braver aus, als es tatsächlich war.
Hier tobten schon die Elemente .... 


Noch ein leckeres Essen gezaubert, dann wird es schon bald wieder in die Koje gehen. Wir werden morgen wieder früh starten, der Tag könnte ähnlich dem gestrigen werden. Und bei aller Anstrengung, die uns erwartet: der Segelspaß dabei ist einfach nur geil :)

26.08.2015 Wie ein Tanz auf Eiern

Wir wollen weiter - das bedeutet früh raus, spät rein und dazwischen möglichst viel Strecke.
So viel war für heute gar nicht man geplant. 65 sm, eine "Mittelstrecke" :-)

Früh um 5 Uhr holte uns der Wecker aus dem Schlaf. Eine Stunde später ging ich zum Hafenkontor, die Karte für Strom und Sanitär zurückgeben und das restliche Guthaben auszahlen lassen.
Schon seltsam, so ein großer Hafen und du triffst auf einen einzigen Menschen - den Reiniger der Sanitärgebäude. Alle Boote lagen still und verschlafen in ihren Boxen bzw. an den Stegen; nichts rührte sich. Doch, die Sonne - sie kam allmählich hinter dem Horizont hervor:





Mit einem Sahne-Ableger (wie aus dem Lehrbuch: Eindampfen in die Vorspring, Heck raus ins Hafenbecken und Vorspring über) tuckerten wir bei nur 3 Bft Wind aus dem Hafen.
Ein letzter Blick zurück auf die schöne Silhouette der Stadt


und auf nach Norden. Der Wetterbericht versprach bestes Segelwetter mit erst 3-5 Bft, die sich auf 5-6 Bft verstärken sollten. Na, da reicht wenig Tuch, um gut vorwärts zu kommen. Auf dem Sund war noch wenig Verkehr an dicken Pötten


was uns freute, da wir am Ende des Sunds ihr Fahrwasser kreuzen wollten - und das möglichst stressfrei.

Bereits kurz nach der Hafenausfahrt wurden die Segel gesetzt, Harry stand freudig am Steuer, wir machten mit 6-7 ktn bei 3 Bft ausreichend Fahrt - alles bestens.




Draußen, als wir den Sund hinter uns hatten, änderten sich die Verhältnisse wesentlich. 
Der Wind nahm schnell Fahrt auf und kam aus südlicher Richtung mit 3-5 Bft. Um nicht "platt vorm Laken" (Wind direkt von hinten) rumzueiern, änderten wir unseren Kurs. Das war jetzt gut zu segeln, aber dafür wanderte nun die immer höher werdende Welle diagonal unter uns durch - aus beiden Richtungen. Hier waren eine alte und eine neue Welle unterwegs - einmal aus Südost, einmal aus Südwest. Gerade wenn die üblichen hohen Dreiergruppen aus beiden Richtungen gleichzeitig eintrafen, gab das einen heftigen Eiertanz für Ari. Und für uns. 



Als sich der Wind zu lange bei 3 Bft einpendelte, versuchten wir, mit dem Blistersegel etwas mehr Fahrt zu bekommen. Was für ein Desaster :-)
Beim ersten Versuch waren die Leinen verdreht und somit konnte sich das Segel im unteren Bereich gar nicht entfalten. Also das widerspenstige Gewurschtel wieder runtergezerrt, schimpfend auf dem Vordeck entwirrt und nach kurzer Verschnaufpause wieder gesetzt. Jetzt stimmten die Leinen, aber das Segel hatte sich elendig um sich selbst verdreht. Nun hatte ich oben eine schöne Segelblase, in der Mitte ein hässliches Segelknäuel und unten wieder eine Segelblase, die sich mehr und mehr ins Wasser zog. Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, dieses Untier noch gebändigt zu bekommen. Du hängst am zusammengerafften Unterliek, damit das Segel wenigstens dort keinen Wind mehr fassen kann und hoffst, dass dir die nächste Böe nicht wieder das ganze Tuch aus den Armen reißt, weil ja im oberen Teil noch der Wind reinschießt. Irgendwann - mit Hilfe von Harry, der den Autopiloten steuern ließ - hatten wir auch den diesen Verscuh wieder erfolgreich (und klitschnass) an Deck und durch das Luk vorn dann unter Deck. Schmollend und grummelnd saß ich im Cockpit und suchte nach den Fehlern im Ablauf. Die Hände taten vom Zerren am Tuch weh, die Knie schmerzten vom Rumrutschen an Deck, der Rücken schrie - ich bin zu alt für solchen Mist. Aber ich kann auch zicken - also noch ein Versuch. Das Teil musste wenigstens wieder trocken werden. Wieder am Fall hochgezogen war das Ungeheuer (so mein netter neuer Spitzname für das Segel) diesmal nur 3-4 mal in sich verdreht. Mit zerren am Achterliek und kleinen Schleuderimpulsen lies es sich jedoch entwirren und stellte sich tatsächlich und endlich auf. Leider stand es nicht so, das es auch Geschwindigkeit brachte. Also - nicht auf dem Kurs, den wir fahren wollten. Jedesmal, wenn wir eine Welle hinab fuhren, bekam es Wind von vorn und klappte wieder ein. Schluss, Aus, Feierabend, runter mit dem Ding. Es war ja jetzt trocken .... 
Erschossen von der Anstrengung saß ich im Cockpit und grummelte vor mich hin. Manno! Mist. Ka..! Sch...! Blöd!

Frühstück! Erstmal was essen.
Ja, wir haben frische Sprossen an Bord - irgendwo müssen ja Vitamine unterwegs herkommen.

Danach wurde ich unter Deck gescheucht - zu Kräften kommen. Also legte ich mich in die Hungdskoje, wickelte ich mich in die Decke und war schlagartig eingeschlafen.
Nach einer Stunde wechselte ich Harry am Steuer ab. Da Wind und Welle zunahmen (wir hatten jetzt 5-6 Bft und gut 1,5 m Welle), holten wir das Großsegel ein und nahmen nur noch das Vorsegel. Das Rumeiern auf den Wellen machte uns mürbe. Da half nur Schlafen, sobald man nicht mehr Steuer stand.
Ein späterer Kurswechsel durch Wende brachte uns dann raus aus der Schaukelei und wieder einen schnellen stabilen Kurs. 







Aber auch diese Fahrt endete gut und glücklich im Hafen. Nur sehr spät. Nach 12:21h und 68 sm (nach GSP, also über Grund; durchs Wasser waren es 74,8 sm) kamen wir im Hafen von Träslövsläge an. Zum Glück war dieser schön leer. Auf großartige Hafenmanöver hatten wir jetzt wirklich keine Lust mehr. So konnten wir an einem langen Holzpier einfach längsseits ran und gut.

Und ein neuer Rekord: Anlegen um 18:46 Uhr, Einschlafen in der Koje gegen 20 Uhr. 
In diesen 80 min haben wir das Boot ordentlich vertäut, abgespült, den Liegeplatz am Automaten bezahlt, Spaghetti gekocht und mit Butter, Basilikum, Tomaten und viel Parmesan gegessen (nein, hungrig verschlungen), abgeräumt und sind todmüde ins Bett gefallen. 

Zum Glück ist das Wetter für morgen derart grottig, dass wir ohne schlechtes Gewissen im Hafen bleiben können. Starkwind und Starkregen brauchen wir jetzt wirklich nicht.